Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Mittagessen für Bedürftige: Wie die Aktion in „Mibo’s Döner- und Pizzahaus“ ankam

Eine warme Mahlzeit, die von Herzen kommt: Aydin Güngören (links) und Inhaber Ibrahim Güngören bewirten im „Mibo’s“ Ehrenamtlich
Eine warme Mahlzeit, die von Herzen kommt: Aydin Güngören (links) und Inhaber Ibrahim Güngören bewirten im »Mibo’s« Ehrenamtliche und Gäste der Sozialen Anlaufstelle.

Restaurant-Atmosphäre haben Gäste und Helfer der Sozialen Anlaufstelle Speyer (SAS) in „Mibo’s Döner- und Pizzahaus“ genossen – für einige war es eine Premiere.

Für die meisten Obdachlosen und Bedürftigen ist das Vergnügen, Essen zu gehen, unerreichbar. An ihren letzten Restaurant-Besuch können sich die meisten gar nicht mehr erinnern. „Ich ziehe den Hut vor dieser Familie“, beschreibt Sven seine Hochachtung vor der Aktion, die Ibrahim und Mizgin Güngören in der Wormser Straße 7 innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben.

Rund 20 Gäste hat der Inhaber eingeladen. Auf den Tischen stehen am Mittwochnachmittag Getränke bereit, zum Döner-Teller hat jeder die Wahl zwischen Pommes frites und Reis. Die Portionen sind üppig, für Sven fast nicht zu bewältigen. „Aufgegessen habe ich aber trotzdem“, zeigt er auf seinen restlos geleerten Teller. Der Obdachlose hat sich schon an der Mittwochssuppe satt gegessen, die die Gruppe „Black & Beautiful“ und Lebensmittelretterin Mareike Steyer in Q+H auftischen. Auch Steyer sitzt unter den Gästen im türkischen Restaurant. Sie engagiert sich für die SAS als Anbieterin eines Sonntagsbrunches. Aber heute ist sie Gast und freut sich sichtlich darüber.

SAS-Leiter: Aktion könnte Schule machen

Sich in Restaurant-Atmosphäre zu begegnen, sei etwas ganz Besonderes für die Bedürftigen, betont SAS-Leiter Andreas Wiedemann. Auch deshalb sei das Angebot von „Mibo’s“ großartig, sagt er. „Ich wünsche mir, dass so etwas bei Speyerer Gastronomen Schule macht.“ Für die Würde und das Selbstbewusstsein der SAS-Gäste sei der Besuch in einem richtigen Restaurant unbezahlbar, ist Wiedemann überzeugt. Die Gäste hätten sich über die Einladung „mega gefreut“, berichtet Helferin Melanie von der Überraschung, als ihnen die Einladungskarten überreicht worden seien.

Renés zweiter Döner-Teller sieht aus wie gespült. „So etwas Leckeres habe ich wirklich selten gegessen“, sagt er und bedankt sich. „Für so viele Leute so viel zu essen zu machen, ist sehr nett.“ Auch Martina hat es geschmeckt. Sie ist mit Winfried gekommen. Beide schwärmen vom guten Essen und der „so freundlichen Bedienung“. Neben ihr lässt sich eine Namensvetterin den Nachtisch schmecken. Es gibt Baklava, ein Gebäck, das Martina bisher nicht mochte. „Hier sind echte Pistazien drin.“ Jetzt gehörten diese zu ihren Lieblingsspeisen: „Aber nur, wenn sie von Ibo kommen“, sagt sie und lacht.

Für Restaurantbesuch extra schick gemacht

Helmut und Ilona haben sich für das Mittagessen besonders schick gemacht. „Wer essen geht, muss dazu richtig angezogen sein“, meint Ilona. Zwei Stunden verbringen Gäste und Helfer in der Wärme des Döner- und Pizzahauses. An jedem Tisch wird gelacht, erzählt und entspannt. „Mit dem guten Essen im Bauch ist die Kälte draußen gar nicht mehr so schlimm“, meint René, bedankt sich und setzt seine Mütze auf. Die Güngörens wollen die Aktion wiederholen: „Wir haben das so gerne und voller Freude gemacht.“

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