Speyer Ein Killerwal macht keine Steuererklärung

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Das letzte Speyerer Picknick-Konzert der Saison hat „Stereo Naked“ gestern auf dem Platz der französischen Garnison gespielt. Julia Zech, Sängerin und Banjospielerin, hat Speyerer Wurzeln: Ihr Großvater war Mathe-Lehrer am Gymnasium am Kaiserdom.

Ihre Kunst aber hat Wurzeln in der Bluegrassmusik aus den Appalachen im Süden der USA – wo die Staaten als ein wenig hinterwäldlerisch gelten. Das gilt allerdings nicht für die Musik; die klingt ganz frisch – und versetzte die Zuhörer in Begeisterung. Zech hat im Jazzgesang-Studium in Köln den klassischen Kontrabassisten Pierce Black aus Neuseeland kennengelernt, der seinem Instrument eine erstaunliche Vielfalt an Spielweisen entlockt. Zusammen sind sie „Stereo Naked“ – „Stereo“, weil sie ein Duo sind, und „Naked“, weil sie ganz pur, ohne technische Spielereien auftreten. Hinzu kam gestern Marius Pibarot, Fiddler und Sänger aus Frankreich. Die Fiddle der Folkmusik ist nicht einfach eine Violine, sondern hat fünf Saiten und ist etwas größer, und dass sie ganz anders gespielt wird, kann jeder hören und auch sehen. Keiner der drei ist Amerikaner – vielleicht gibt das sogar die besondere Freiheit, die Elemente der Bluegrassmusik zu nehmen und sie auch mal ganz anders zusammen zu setzen. Da gibt es dann mal einen deutschen Text: „Wohlstandskind“ von Zech ist ein Song darüber, dass ihr Fahrrad geklaut wurde; „Raketen und Rauch“ ist eine Ballade, und „wir arbeiten noch an der Pyrotechnik“, meinte Zech. Oder die vielen neu verfassten Lieder mit manchmal überraschendem Inhalt von Black, denen er mit seinem Bass-Spiel eigene Akzente gibt: In „Bills To Pay“ beispielsweise geht es leicht ironisch um seinen Versuch, eine deutsche Steuererklärung abzugeben; lieber wäre er ein Grizzlybär, ein Killerwal oder gar ein Schnabeltier – die müssen das nicht. Und „Mojo“ ist etwas, das man als Mann nicht verlieren sollte, nämlich Glück bei den Frauen. Der „Lovesick Blues“ brachte Zech zum Jodeln – auf amerikanische Art, die man aus tränendrückenden Cowboysongs kennt. Und weil sie als Deutsche im Ausland so oft danach gefragt wurde, entstand „Jodel My Name“, wo sie es ausgiebig tut. Pibarot paukte in zwei Tagen das ganze Repertoire ein; es klang, als ob er das jeden Tag spielen würde. Mehrere Zugaben mussten sie geben – vom nimmermüden Zuhörern gefordert.

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