Speyer Ein gefährlicher Tanz
Wer schon immer mal zu historischen Waffen greifen wollte, hat am Samstag in Landau die Möglichkeit dazu. Fechtlehrer Ingo Litschka aus Pforzheim zeigt bei einem Schautraining und Workshop, wie’s geht: In der Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums können verschiedene historische Waffen ausprobiert werden, darunter Langschwert, Säbel, Scheibendolch und Rapier (Degen).
„Wer kommt, ist dabei“, sagt Dominik Rödel aus Landau, der das Schautraining organisiert. Er freut sich auf die Möglichkeit, die historische europäische Kampfkunst in der Südpfalz zu präsentieren und Vorurteile auszuräumen. Für ihn ist historisches Fechten ein „Stück weit Philosophie“. Historisches Fechten lässt die vor allem im Mittelalter in Europa verbreiteten Kampftechniken wieder aufleben. Im 17. Jahrhundert verschwand diese über 1000 Jahre alte Tradition durch die Einführung von Handfeuerwaffen. Die Kunst der Waffenführung geriet in Vergessenheit. Erst Ende der 1990er-Jahre wurde sie wiederentdeckt. Historische Manuskripte ermöglichten es, den ausgestorbenen Kampftechniken wieder Leben einzuhauchen. Litschka ist seit zwölf Jahren vom historischen Fechten fasziniert. Er leitet die Fechtschule „Fecht-Hut“ in Pforzheim. Kurse gibt er auch in Karlsruhe und Mannheim. Die Kampfkunst sei für jeden geeignet, der neugierig sei und „dessen Bewegungsapparat noch halbwegs funktioniert“, so Litschka. Rödel ergänzt: „Eigentlich kann das jeder.“ Der Landauer trainiert seit rund einem Jahr mit unterschiedlichen historischen Waffen und ist von seinem „sportlichen Hobby“ begeistert. „Am Anfang müssen die Leute herausfinden, was ihnen liegt“, sagt der 34-Jährige mit Blick auf die Vielfalt der Waffen. Das Ausprobieren stehe im Vordergrund. Seine Lieblingswaffe hat der junge Mann längst gefunden: den anderthalb Kilo schweren Zweihänder, ein beeindruckend großes Schwert. Darüber hinaus kann er auch mit Scheibendolch, Säbel und Bukler (Handschild) umgehen. Auch mit dem Rapier, einer sehr schnellen Waffe, die die meisten aus Musketierfilmen kennen, hat er Erfahrung. „Wie eine Peitsche“, beschreibt Rödel die Waffe. Asiatische Kampfkünste zeichneten sich durch Disziplin aus, historisches Fechten erfordere hingegen Flexibilität, weiß Rödel. Eine andere Mentalität stecke dahinter – was für die Unterschiede entscheidend sei. „Nicht der Mensch wird an die Waffe angepasst, sondern die Waffe an den Menschen“, erklärt er. So orientiert sich zum Beispiel die Länge der Dolchklinge an der Länge des Unterarms des Besitzers. Das Training in Karlsruhe läuft spielerisch ab. Die Teilnehmer, acht Männer und zwei Frauen, haben sichtlich Spaß daran, mit den Waffen – aus Schaumstoff oder Aluminium – zu spielen. „Ich bin noch nie mit schlechter Laune rausgegangen“, berichtet Rödel. Trotz Spiel und Spaß sei der Lernfaktor hoch: „Was du im Spiel lernst, behältst du im Ernst“, sagt der Südpfälzer. „Der Kopf merkt sich eine Bewegung, die man dann in einer ernsten Situation abrufen kann.“ Während Anfänger noch viel über ihr Handeln nachdenken, gleichen die Bewegungen bei Fortgeschrittenen einem Tanz. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme brauche man zum Fechten keine Kraft, so Litschka. Vielmehr komme es auf Gefühl an. Deshalb eigne sich die Kampfkunst auch für Frauen. Julia Klingauf hat mit ihrem Freund nach einer Sportart gesucht, die sie zusammen ausüben können. Dabei sind die beiden aufs historische Fechten gestoßen. Nach einem Schnuppertraining sind schon seit über drei Jahren dabei. Julia Klingaufs Lieblingswaffe: der Rapier. „Ich hab’s mehr mit Stich- als mit Hiebwaffen“, sagt sie. „Jeder hat so seine Waffe, mit der er am besten klarkommt.“ (inaz) Termin Workshop am Samstag, 19. September, ab 13 Uhr in der Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums, Westring 11 in Landau; 8,50 Euro pro Person, Anmeldung (optional) per E-Mail an roedel.dominik@gmx.de.