Speyer Ein Engel gibt den Anstoß
Vor 50 Jahren, im März 1968, haben sich 60 Frauen mit dem damaligen Domvikar Ernst Gutting und Diözesan-Referentin Anna Drexler im damaligen Waldseer Jugendheim versammelt, um eine Ortsgruppe der KFD (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) zu gründen. Am Sonntag wird das Jubiläum gefeiert.
Philomene Kißler war erste Vorsitzende der KFD in Waldsee, ihre Freundin Gretel Kochner Schriftführerin. Schnell wuchs die Mitgliederzahl auf 370 an. Philomene Kißlers Tochter Anne Tremmel kann sich noch genau erinnern, wie es zur Gründung der KFD vor 50 Jahren kam, sie selbst war damals 15 Jahre alt. Pfarrer Richard Abt sei durch die Tür vom Pfarrhausgarten in den angrenzenden Garten der Kißlers gekommen und habe gesagt: „Frau Kißler, mir ist heue Nacht ein Engel erschienen, der sagte, Sie sollen hier die KFD gründen.“ Philomene Kißler habe darauf geantwortet: „Mir ist keiner erschienen.“ Gegründet hat sie die KFD aber trotzdem. „Ihr Bruder wollte so gerne Pfarrer werden und sich um eine Gemeinde kümmern. Er konnte seinen Traum nicht verwirklichen, also hat meine Mutter das gemacht“, sagt Anne Tremmel. Kißler und Kochner scharten einen Helferinnenkreis aus 30 Frauen um sich. In den Anfangsjahren stand das soziale Engagement im Vordergrund. Die Frauen sprangen ein, wo immer im Dorf Not am Mann war. Sie besuchten Alte und Kranke und brachten ihnen Geschenke in der Adventszeit vorbei. „Meine Mutter hatte damals noch nicht mal ein Telefon, sie war ständig mit dem Fahrrad im Dorf unterwegs, wenn es Informationen zu verbreiten gab“, erinnert sich Anne Tremmel. Auch der gesellige Aspekt kam nicht zu kurz: Schon in den Anfangsjahren wurde der „Bunte Abend“ ins Leben gerufen. Ausdrücklich keine Fasnachtsveranstaltung. „Am Anfang haben wir da Abendkleidung getragen, erst viel später waren wir verkleidet“, erzählt KFD-Frau Elfriede Zimmermann. Vom bei den bunten Abenden und dem Verkauf gebastelter Blumen eingenommenen Geld wurden Päckchen für Polen und Russland finanziert. Außerdem haben die Frauen Kleider für die Caritas gesammelt. 1988 zog sich Philomene Kißler aus dem Vorstand zurück und die Ära Erika Schimpf, Ruth Kißler, Anneliese Huber und Gerlinde Horrer begann. 1986 hatte Philomene Kißler noch angeregt, einen „Kreis junger Frauen“ zu gründen. Das haben Anne Tremmel und Elfriede Zimmermann übernommen. Tremmel und Zimmermann haben damals auch die Tradition des Hoffestes begründet, das heute noch beliebt ist. Vieles hat sich in den 50 Jahren geändert, stellen Zimmermann und Tremmel fest. Es existieren längst keine Gruppen mit „Alten“ und „Jungen“ mehr. Nachwuchs an jungen Frauen gibt es kaum, ein 1997 erneut gegründeter „Kreis Junger Frauen“ hat sich wieder aufgelöst. Auf Elfriede Zimmermann ist Anne Stahl gefolgt. Seit einigen Jahren wird die KFD von einem Team um Doris Ullmeyer geleitet. Regelmäßige Frauenmessen einmal im Monat gibt es seit Gründung der Großpfarrei St. Christophorus nicht mehr, stattdessen einmal im Jahr eine Messe für die verstorbenen KFD-Mitglieder und das „Morgenlob“ einmal im Monat. Aus den „Bunten Abenden“ ist inzwischen die „Weiberfasnacht“ geworden. Aus dem Basar für Grabgestecke und Adventskränze am Buß- und Bettag wurde ein Basar mit Selbstgebasteltem am ersten Advent und später ein Flohmarkt. Inzwischen verkaufen die KFD-Frauen Weihnachtsgebäck am Adventsmarkt der Kirchengemeinde. Auf die Einnahmen diverser Veranstaltungen sind die Frauen nach wie vor angewiesen, denn sie möchten sich sozial engagieren – wenn auch nicht mehr in einem Helferinnenkreis vor Ort, so doch mit großzügigen Spenden an Einrichtungen in der Region. Philomene Kißler und Gretel Kochner haben das große Jubiläum der KFD nicht mehr erleben dürfen. Beide sind vor kurzem hochbetagt verstorben. Termin Die KFD Waldsee feiert am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, der musikalisch von der Band „Grusicals“ begleitet wird. Im Anschluss an den Gottesdienst wird die frisch renovierte Lourdes-Grotte eingeweiht.