Speyer
Ein Café schließt, zwei andere öffnen ihre Pforten
Die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken haben sich schnell gefüllt, als Dario Tolone am Wochenende die Nachricht eingestellt hatte, „dass wir unser allseits beliebtes Café am Museum zum 26. März 2022 schließen“ werden. Die Reaktionen waren Bedauern allenthalben. „Ich war erstaunt über dieses große Feedback“, sagt der 31-jährige Gastronom, der zusammen mit Bruder Maik vor sechs Jahren die Regie im Betrieb in bester Lage zwischen Museum und Festplatz übernommen hatte.
„Unter den gegebenen Umständen ist es uns nicht mehr möglich, das Café weiter zu betreiben“, erläutert Tolone im Internet. Auf RHEINPFALZ-Anfrage konkretisiert er: Der Mietvertrag sei ausgelaufen, und auf einen neuen habe sich das Familienunternehmen mit der Vermieterin nicht mehr einigen können. Es gebe allerdings weitere Gründe für das Aus: So werde es von Jahr zu Jahr schwieriger, Personal zu finden, und die steigenden Rohstoffkosten erschwerten rentables Arbeiten bei gleichzeitiger Erfüllung des seiner Firma eigenen Qualitätsanspruchs. „Wir sind sehr traurig. Es war eine schwere Entscheidung“, sagt er.
Er und sein Bruder verstärkten künftig die von ihrem Vater Angelo geführten Betriebe „Eis am Rhein“ und „Its Gelato“ im Industriehof, berichtet Tolone. Wichtig ist ihm, dass viele der rund 15 Mitarbeiter, davon neun Festangestellte, bereits neue Arbeitgeber gefunden hätten. Die Familie habe bei befreundeten Gastronomen Fürsprache gehalten. Die zwei Konditoren, die für die in Speyer selten gewordenen selbstgebackenen Torten im „Café am Museum“ verantwortlich waren, seien ebenfalls „unter“. „Eis am Rhein“ habe eine eigene Konditorin.
Der Plan von der Übernahme, mit dem Café einen „Treffpunkt für alle“ zu schaffen, sei aufgegangen, sagt der Geschäftsführer im Rückblick. Wer ihm in der Steingasse 2 nachfolge, wisse er nicht, er habe aber von mehreren Interessenten gehört.
La Piazza folgt auf Nigri
Ein anderer (Eis-)Café-Standort in prominenter Lage in Speyer ist gesichert. Das ehemalige Eiscafé Nigri in der Maximilianstraße 82 ist am 2. März nach vierwöchigem Umbau von der Edenkobener La Piazza KG übernommen worden. Sie ist seit 2021 bereits mit einer Eisdiele ohne Sitzmöglichkeiten in der Maximilianstraße 37 vertreten und hat dort laut Inhaber Giuseppe Viticchié so gute Erfahrungen gemacht, dass ein zweiter Standort dazugenommen wurde.„Die Familie Nigri ist auf uns zugekommen“, berichtet Viticchié. Mit seinem bisherigen Geschäft in Speyer sei er „sehr zufrieden“, es werde auf jeden Fall beibehalten. Im neuen seien vier Mitarbeiter tätig, die noch auf sechs oder sieben aufgestockt werden sollten. Eine Neuerung sei das Frühstücksangebot, aber auch Kuchen, hausgemachte Limo und auserlesene Weine sollten ihre Interessenten finden, so das Kalkül der Geschäftsleute aus der Südpfalz. Die Öffnungszeiten – momentan 10 bis 20 Uhr – sollten auf 9 bis 22 Uhr ausgeweitet werden.
La Piazza ist seit Jahren auf Expansionskurs. Derzeit gibt betreibt das Unternehmen sieben gastronomische Standorte in Landau, Edenkoben, Neustadt und Speyer. Dieses Jahr solle noch mindestens ein weiterer hinzukommen, so Viticchié, Inhaber zusammen mit Bruder Angelo. Spruchreif sei er aber noch nicht. Das Unternehmen zähle inzwischen an die 100 Mitarbeiter.
Neues Café im Westen
Im Eckhaus an der Dudenhofener Straße gestolpert, in dem früher eine Filiale der Buchhandlung Oelbermann zu finden war, hat das „Café Poco“ neueröffnet. Gebäck, Brot, Kuchen, etwas Deftiges zur Mittagszeit und belegte Bagels gehören zum Angebot. Tanja Heinke hat sich damit einen Traum erfüllt. Ihr gefalle die Herzlichkeit und das Familiäre in Tapas-Bars in Spanien, sagt sie. Die Corona-Zeit habe sie in ihrem Mut bestärkt, eine Idee in die Tat umzusetzen. Verkaufen und bedienen war schon immer die Leidenschaft der gelernten Bäckereifachverkäuferin, die noch Betriebswirtschaftslehre studiert hat.„Die Zielgruppe sind Schüler und Lehrer, Mitarbeitende der umliegenden Institutionen, Spaziergänger und Radfahrer“, erklärt Heinke. Auch Parkplätze hat sie vorm Haus. Die allerdings sind aktuell noch mit einer Corona-Teststelle belegt.
Die Bellaris-Kollektion, Waren aus der Schwegenheimer Bäckerei Hartmann und Kaffee aus Vietnam hat Heinke etwa im Angebot. „Wir wollen kein Junkfood“, betont sie. Die gesamte Familie habe bei der Umsetzung ihrer Idee geholfen. Geöffnet hat Heinke dienstags bis freitags, 9 bis 16.30 Uhr. Im Netz informiert sie unter www.cafe-poco.de.