Speyer
Edeka: Von Speyer aus werden acht Filialen dirigiert
Die Kunden sollen „zu den Stieglers“ gehen und nicht anderen erzählen, man habe etwas „im Supermarkt“ gekauft. Das sagt Sven Stiegler im Gespräch. Hohle Begriffe wie das oft zitierte „Einkaufserlebnis“ spart er sich. Man will Partner sein und ist stolz darauf, auch Sonderwünsche von Kunden zu erfüllen.
Zusammen mit seinem Bruder Benjamin (38) hat Sven Stiegler (41) den Markt aufgezogen. In Speyer ist die Zentrale, aber die zugehörigen Märkte sind in der gesamten Vorderpfalz. Zwei in Frankenthal und Speyer, jeweils ein Markt in Dirmstein, Freinsheim, Haßloch und Bad Dürkheim. Acht sind es an der Zahl. Nummer neun bereitet noch Sorgen, wie Sven Stiegler erzählt: „Mutterstadt eröffnen wir hoffentlich im Herbst.“
Das Projekt hat einen Rückschlag erlitten, weil noch Bauauflagen zu erfüllen sind. Ende Juli will man sich erneut auf die Suche nach Personal machen, damit der Start gelingt. „Regale zu füllen ist nicht das Problem“, so Stiegler. „Die Theken sind produziert und stehen im Lager, aber Personal zu finden, das ist nicht leicht.“
600 Mitarbeiter – und jeder ist wichtig
Knapp 600 Mitarbeiter beschäftigt Edeka Stiegler inzwischen, 22 davon in der Verwaltung in Speyer. Und Sven Stiegler betont: „Von den Mitarbeitern braucht es alle, vom Zuständigen für den Parkplatz bis zur Fachverkäuferin.“ Um einen so großen Betrieb zu führen, haben sich die Stieglers aufgeteilt. „Ich mache die beiden Frankenthaler Märkte, Freinsheim, Bad Dürkheim und Mutterstadt, mein Bruder beide Märkte in Speyer, Haßloch und Dirmstein.“ Was sind die Vorhaben für die Zukunft – abgesehen vom Markt in Mutterstadt? Erneuerungen, sagt Sven Stiegler, und eventuell ein Umbau in Bad Dürkheim, außerdem ein Anbau in einem der zwei Frankenthaler Märkte.
Angefangen haben die Brüder vor 15 Jahren. „Uns wurde der Markt in Bad Dürkheim angeboten“, so Sven Stiegler. Aufgewachsen in Ketsch, fühlten sich die Stieglers direkt in der Pfalz wohl. Andere Angebote in Stuttgart oder Biblis haben sie nicht begeistern können. „Inzwischen leben wir beide auch in der Pfalz“, sagt Sven Stiegler und lacht. Der Markt in Bad Dürkheim sei damals allerdings eine Herausforderung gewesen, es habe einen großen Renovierungsbedarf gegeben. „Aber Herausforderungen liebe ich“, betont Stiegler.
Rasante Jahre
„2009 sind wir gestartet. Es war nie gedacht, dass wir mal acht Märkte haben.“ Dass der Betrieb Familiensache ist, mache es leichter, so Sven Stiegler, dessen Frau ebenso im Unternehmen integriert ist, wie die Freundin seines Bruders. „Unsere Eltern waren auch dabei, die sind jetzt aber im Ruhestand.“ Wird einem nicht schwindelig, wenn man auf die 15 Jahre zurückblickt? „Ganz viel vergisst man“, sagt Stiegler. „Andere Sachen fallen einem erst auf, wenn man mal durchschaut, was man so an Aktionen gehabt hat.“ Aber zugegeben, es sei eine rasante Zeit gewesen – zumal das Wachstum erst so vor zehn Jahren begonnen habe, wie der Geschäftsführer sagt.
Zurück zur Kundenbindung. Gibt es Unterschiede bei Kunden und Nachfrage zwischen den einzelnen Standorten? „Die gibt es“, sagt Sven Stiegler. Das habe aber weniger damit zu tun, ob der Markt in Frankenthal oder in Bad Dürkheim sei. Unterschiede gebe es zwischen den Kunden der City-Märkte in zentraler Lage und den zumeist größeren Edeka-Märkten in Gewerbegebieten wie der Auestraße. „Aber wir bieten alles an“, so Stiegler.
Der Handschlag gilt
Gibt es Anekdoten, ganz besondere Klientel? Sven Stiegler lacht. „Wir haben Kunden, die fragen nach besonderen Artikeln, die wir dann gern besorgen.“ Das sei mal eine Flasche Bordeaux für 2000 Euro gewesen oder ein Tequila für 300 Euro. Diese Individualität sieht Stiegler als Vorteil des Zusammenschlusses von Kaufleuten, 1907 als „Einkaufsgenossenschaften deutscher Kolonialwaren- und Lebensmittel-Einzelhändler“ gegründet, kurz EdK. Persönlich legt er großen Wert darauf, sich beispielsweise mit Bauern per Handschlag auf Preise und Mengen zu einigen. „Der Handschlag gilt“, betont Stiegler.
Und überhaupt sei die Zusammenarbeit extrem wichtig: „Wir wollen, dass die Bauern leben, wir drücken keine Preise. Und der Kunde tut da praktisch auch was, indem er die Produkte von hier kauft.“ Das gehe inzwischen auch bei Obst, das sonst gemeinhin als „Flugobst“ bekannt ist. „Sie müssen mal unsere Pfälzer Wassermelonen probieren. Da hat man auch gleich was zu erzählen, dass es sowas gibt“, sagt Stiegler und lacht. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens planen die Inhaber in der ersten Juli-Woche Sonderaktionen und Verkostungen in allen acht Märkten.
[Korrektur: In einer früheren Version hieß es in der Bildunterschrift, Christina Lemm sei die Gattin von Sven Stiegler. Seine Frau ist jedoch Sarah Stiegler. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.]