Speyer
Dudenhofen: Trio bei den Jazztagen
Das war an diesem Abend oft zu hören: „Schrabb-dabb, schrabb-dabb“, so macht die Rhythmusgitarre im Gypsy-Jazz, der Anschlag betont swingend die Zwei und Vier im Takt und läuft regelmäßig durch. So regelmäßig, dass diese Rhythmustechnik als „Pompe Manouche“ bekannt ist. „La Pompe“, weil sie wie der gleichmäßig tuckernde Motor einer Dieselpumpe läuft und „Manouche“ heißt die ethnische Gruppe der Sinti-Musiker in Frankreich und Belgien, die den Stil entwickelt hat. Deren bekanntester Vertreter ist Django Reinhardt. Und Lagrène gehört auch dazu. Zweites Merkmal dieser Musik ist die äußerst virtuose Spielweise. Kein Wunder, dass die Musik als „hot“ gilt.
Joscho Stephan ist kein Sinto, aber ohne Frage eine Instanz in Sachen Gypsy Swing – und das gilt für den Elsässer Birélli Lagrène nicht minder. Dass die beiden sich mal zusammenfinden, ist für Fans des Genres eine große Freude. Und davon gibt es viele, wie in der bestens besuchten Festhalle zu sehen war. Auf dem Programm standen einige Django Reinhardt Stücke. Doch die beiden Gitarristen sind auch bekannt dafür, dass den Jazz Manouche der 1940er-Jahre weiter führen und das Repertoire erweitern.
Drittes gemeinsames Konzert
So spielte das Trio auch Bossa und selbst eine Smooth Jazz Nummer wie „Breezin'“, bekannt geworden durch George Benson, erklang im akustischen Sound. Kennengelernt haben sich die beiden bei Studioaufnahmen vor fünf Jahren. Seither sind sie freundschaftlich verbunden. Der Auftritt in Dudenhofen ist ihr drittes gemeinsames Konzert. Volker Kamp ist fester Bassist des Stephan-Trios.
Joscho Stephan spielte eine typische Gypsy-Jazz-Gitarre. Der Klang ist hell, laut und durchsetzungsfähig, der Anschlag perkussiv und prägnant.
Die zwei Gitarren
Birélli Lagrène spielte eine moderne Klassik-Gitarre. Dieser Sound ist naturgemäß deutlich leiser, weicher und wärmer. Was man gegenüber der Gypsy-Gitarre mit etwas mehr Verstärkung ausgleichen kann. Und da war der Haken: Irgendwie war die Konstellation für Lagrène akustisch ungünstig, er war ständig in der Gefahr, Rückkopplungen zu bekommen.
Das ging ihm ziemlich auf die Nerven und schließlich griff er zum Mikrofon und erklärte bekümmert, dass er einen „beschissenen Sound“ habe und wie sehr ihn das störe. Es sei sehr frustrierend, dass er unter diesen Umständen keine 100 Prozent bringen könne. Das Publikum war da ein bisschen verwundert. Denn im Saal kam seine Gitarre recht gut rüber. Und was der Elsässer spielte, konnte sich absolut hören lassen. Er spielte nämlich harmonisch sehr interessant, entwickelte jedes Solo dramaturgisch geschickt von ruhigerer Melodik ausgehend. Rasende Finger-Fuddeleien waren bei ihm eher die Kirsche auf dem Sahnehäubchen – während Kollege Stephan sehr viel mehr auf seine Virtuosität setzte. Lagrène wirkte dadurch etwas cooler und melodischer.
Kavalierstart mit Vollgas
Stephan legte bei fast jedem Solo einen Kavalierstart mit Vollgas hin – konnte aber das mörderische Tempo halten. Dafür wirkte manches wie eintrainiert. Viele Figuren jagte er in Sequenzen das Griffbrett rauf oder runter, vieles nimmt dabei wenig Bezug auf die zugrunde liegenden Akkorde. Das ist aber letztlich Geschmacksache. Es gibt sehr viele Fans, die gerade die virtuose Raserei sehr schätzen. Aber mindestens genau so viele konnte Lagrène mit seinem melodischeren Spiel begeistern. Aus der Sicht der Zuhörer musste sich Lagrène sicher nicht entschuldigen. Diese waren mit Recht begeistert.