Speyer
Dudenhofen: Drechslerclub zeigt zur Kerwe „Kreationen in Holz“
Die Existenz einer internationalen Drechsel-Szene ist wohl nur einer Minderheit bekannt. Und noch weniger Menschen dürften wissen, dass es in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ein kleines Zentrum gibt. Weil dem aber so ist, kommen die Besucher der Dudenhofener Festhalle während der Kerwe in den Genuss von „Kreationen in Holz“, in denen jede Menge Herzblut ihrer Macher steckt.
Dudenhofen/Römerberg. Bei einer Quizshow gestellt, könnte die richtige Antwort auf die Frage nach dem ältesten Handwerk viel Geld wert sein. Erich Marquard ist überzeugt: „Drechseln“ ist es. Von der Kenntnis des Feuermachens abgeleitet, habe es sich etwa 4000 vor Christus in Nordafrika entwickelt. Marquard ist Mitglied im Drechslerclub Pfalz und stellt mit einigen Kollegen über die Dudenhofener Kerwe in der Festhalle „Kreationen in Holz“ aus.
Er ist 72, war Arzt für innere Medizin und Arbeitsmedizin, wohnt in Dudenhofen und drechselt – „schon immer vom Material Holz fasziniert“ – seit 2006. Angefangen hat es so: Der Mechtersheimer Heinz Wiedemann stellte auf dem Speyerer Kunsthandwerkermarkt aus, Marquard schaute sich das an, kam ins Gespräch und entschloss sich, bei ihm „in die Lehre zu gehen“. Nach den ersten Schritten wurden feine Schalen sowie die Kombination Naturholz und bearbeitetes Holz seine bevorzugte Aufgabenstellung. Längst sei es mehr als ein Hobby.
Drechseln als „Seelennahrung“
Reinhard Gusdorf (66) kommt aus Mannheim, war Eloxierer, veredelte Aluminium. Zum 50. Geburtstag schenkte ihm die Familie eine Drechselbank. Er probierte bei den Wiedemännern: „Das Kennenlernen war ein Quantensprung.“ Für ihn ist drechseln Ausgleich, Ruhe, Konzentration, „Seelennahrung“. Und zum Schluss halte man auch noch etwas Selbstgefertigtes in der Hand.
Heinz und Marco Wiedemann gründeten 1997 in Mechtersheim eine Drechslerei. Heinz ist Dreher, Chemiemeister, Drechsler und nach eigener Einschätzung „mehr der Kunsthandwerker“. Marco ist Tischler und Schreinermeister. Er macht vornehmlich „praktische Dinge“ wie Möbel, Kinderspielzeug und Bibliotheksausstattung. 2003 spezialisierte sich die Familie auf die Herstellung von Drechselwerkzeugen: Beitel, Meisel, Röhren, Andrehhaken. Gefragt, wie er Drechseln beschreiben würde, sagt Heinz Wiedemann: „Ein zerspanendes Verfahren, wobei ein Holzstück, in erster Linie Hartholz, mit einem handgeführten Werkzeug in Form gedreht wird.“ Wiedemanns halten Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, sind auf Messen, stellen aus und führen vor.
Für den ersten Kurs 2004 in ihrer Werkstatt hatten sich eine Handvoll Teilnehmer angemeldet. Schnell wurden es mehr, bis zu 65. Aktuell sind es 40. Sie kommen aus der gesamten Vorderpfalz, dem Badischen, Elsass und Lothringen. Aus den „Treffen auf Stammtischniveau“ – Marco: „Vor uns gab es in Deutschland keinen Drechsler-Stammtisch“ – gründete sich 2014 der Club. Marquard: „Durch die Mitgliedsbeiträge können wir Veranstaltungen und Exkursionen realisieren oder berühmte Drechselkünstler einladen.“
Zuletzt demonstrierte der Kanadier Michael Hosaluk, eine weltbekannte Koryphäe, im Club sein Können. Es gibt eine internationale Szene mit Schwerpunkt England und Frankreich. Für einzelne Objekte werden von mehreren Tausend bis Hunderttausend Euro und mehr bezahlt. Als Maßstab für den Unterschied zwischen Handwerk und Kunst nennt Marco Wiedemann Formgebung und Technik.
Heinz Wiedemann hat die Lösung
Jeden Monat werde ein bestimmtes Thema behandelt: Zum Beispiel Spantechnik, welches Holz nehme ich, wie schneidet man es aus dem Stamm, wie wird die Oberfläche behandelt. Marquard: „Hat man ein Problem oder weiß nicht weiter, einer findet sich immer, der hilft.“ Manchmal grüble er nächtelang über den Weg zum Ziel. Den kennt in jedem Fall Heinz Wiedemann. Er sagt über sich: „Perfekt in der Technik, für die Kunst zu wenig Zeit.“
Neben der Leistungsschau wolle der Club die von Sparkasse, Asparagus-Apotheke, Autohaus Klein und Bäckerei Wilhelmi unterstützte Ausstellung nutzen, sich und das Kunsthandwerk zu präsentieren sowie drechseln zu demonstrieren. Eine Verkaufsausstellung soll es nicht sein. Lediglich an einem Stand können kleinere Objekte erworben werden. Den Erlös spenden die Aussteller dem Kinderhospiz Sterntaler.
Termin
Große Herbstausstellung „Kreationen in Holz“ des Drechslerclubs Pfalz bei der Dudenhofener Kerwe in der Festhalle. Vernissage Samstag, 19. Oktober, 14 Uhr, geöffnet bis 19 Uhr, am Sonntag, 20. Oktober, von 11 bis 17 Uhr.