Speyer Drei Männer und zwei Stämme
Mit welchem gängigen Begriff soll man die Arbeit etikettieren? Skulptur, Holzschnitzerei, Baumschnitzerei, Installation oder Projekt kommen in Frage. Man kann auch der Einfachheit halber „Kunstwerk“ sagen. Initiator Pirmin Heil aus Dudenhofen nennt das zu Schaffende schlicht ein „Gemeinschaftsprojekt“.
Pirmin Heil, Gustav Adlhoch und Walter Seufert behauen vor Heils Garage in der Dudenhofener Jägerstraße 15 zwei Baumstämme. Es sind besondere Stämme: Jeder wiegt an die 600 Kilogramm, ist 4,20 Meter lang und hat einen Durchmesser von zirka 40 Zentimetern. Wenn die Arbeit fertig ist, sollen die beiden Stämme am Eingang zum Friedwald entlang der 14 Meter langen weißen Wand des „Falkenhofs“ gelegt werden. Die Idee hatte Heil vor etwa einem Jahr. Die Baumstämme werden mit Sprüchen versehen, auf einem Stamm steht: „Leise wie des Vogels Schwingen“, auf dem zweiten Stamm wird geschrieben: „Hört man dort die Engel singen“. Die Stämme mit den Sprüchen sollen die Trauernden beim Besuch am Urnenbaum des verstorbenen Angehörigen begleiten, in ihrem Schmerz trösten. Pirmin Heil sagt: „Ich möchte den Lebenden eine Freude bereiten und den Toten, in der Erde Ruhenden, meinen Respekt bezeugen.“ Schon vor dem ersten Ansetzen des Schnitzeisens bekam er das Freudegeben durch die Zusage, dass Walter Seufert und Gustav Adlhoch mitmachen wollen, doppelt zurück. Das Werk mit anderen, in der Gemeinschaft zu gestalten, hinter die beiden zurücktreten zu können, ist Pirmin Heil wichtig, rührt ihm ans Herz, beflügelt die Energie, die Arme und Hände. Gustav Adlhoch fragte er während des Bildhauersymposiums im Frühsommer am Konrad-Adenauer-Platz und bei den Proben im Projektchor des Kirchenchors. Adlhoch musste nicht lange überlegen, er fand die Initiative klasse. Walter Seufert, Heils Nachbar schräg gegenüber, ist nach dem Chemiker-Berufsleben Drechsler, macht viel mit Holz und malt, war von dem Projekt begeistert. Er freute sich auf die Zusammenarbeit, auch die Aussicht, von Heil zu lernen und wie Adlhoch es formulierte: „Von Pirmins unerschöpflicher Erfahrung zu profitieren.“ Heil war Schreinermeister, hobelte, schnitzte, bearbeitete und kreierte nach der Pensionierung in der heimischen Werkstatt. Das Haus gleicht einem Kunstmuseum. Eine kleine Auswahl: Im Wohnzimmer prangt ein aus 570 Teilen – jede Schuppe ist einzeln gefertigt – zusammengefügter Fisch, im Treppenaufgang seine Erdkugel, dahinter der unbekannte Engel, die Büste der Nofretete bildete er in einer Intarsienarbeit ab. Zurück zu der aktuellen Arbeit: Geeignete einheimische Stämme standen nicht zur Verfügung. Pirmin Heil machte sich auf die Suche, wurde im Forst von Annweiler fündig, erwarb zwei Edelkastanien. Die Dudenhofener Holzbaufirma Schenk transportierte sie kostenlos von Annweiler in die Jägerstraße. Heil schälte im Anhänger die Rinde von den Stämmen – „der ausquellende Baumsaft diente den Bienen als Festmahl“ – die Firma Schultz, Bauzentrum Speyer, erklärte sich bereit, sie mit dem Kran über die Straße auf die Schnitzböcke vor Heils Garage zu hieven. Seit dem 1. September arbeiten sie zu dritt daran. Seufert sagt zur Zahl und zur Rollenverteilung: „Einer und zwei.“ Adlhoch definiert die Arbeitsteilung: „Jeder bringt sein spezielles Talent ein.“ Pünktlich morgens um 8 Uhr greift Heil zu Hammer und Stemmeisen, legt sie wieder mit der aufziehenden Dämmerung weg. Adlhoch: „Für die Ruhezeiten, um niemanden zu stören, benutzt er einen extra (leiseren) Hammer.“ Wann die Holzskulpturen im Friedwald zu bewundern sind und zum Ausruhen, Nachdenken einladen, ist offen. Besprochen und festgelegt ist noch nichts. Die Gemeindeverwaltung und der anliegende Grundstückseigentümer unterstützen die Aktion und sind mit der Aufstellung einverstanden.