Speyer Drei Männer und ihr Beton-Baby
«Ludwigshafen.» „Drei Männer und ein Baby“ – der Titel des gleichnamigen französischen Films aus dem Jahr 1985 passt irgendwie zu jenem Trio in Ludwigshafen, das zwar keine Pariser WG und kein Findelkind vereint. Ihr gemeinsames „Baby“ ist viel größer und ein ausgewachsenes Problemkind aus Beton und Stahl. Ihnen ist es irgendwann vor die Füße gefallen. Nun müssen sie sich darum kümmern – und es möglichst binnen acht Jahren schonend ersetzen. Alle hoffen auf ein Happy End – und sind sich bewusst, dass es sich hier um keine Komödie, sondern um eine bierernste Angelegenheit handelt: den Abriss der maroden Hochstraße Nord, der im Idealfall Ende 2019/Anfang 2020 eingeleitet werden soll. Vom Kino zur Realität: Klaus Dillinger (57, CDU), Ludwigshafener Bau- und Umweltdezernent, Dieter Feid (51, SPD), Kämmerer der Stadt, und Johannes Lorch (47), Chefplaner der federführenden Ingenieurgemeinschaft, sind die drei Männer, die ganz nah dran sind an dem Megaprojekt, für das Bund, Land und Stadt – Stand heute – zusammen mindestens 291 Millionen Euro hinblättern müssen. In technischer und finanzieller Hinsicht hat dieses Trio wohl den besten Überblick – und weiß daher, dass das bisher ermittelte Finanzvolumen nicht ausreichen wird und Nachverhandlungen mit den Fördergebern nötig sein werden. „Völlig klar ist, dass es am Ende mehr sein wird. Das liegt an den Zeitabläufen und den Kostenständen. Jedes Jahr erhöhen sich die Baupreise. Am meisten Sorgen bereitet mir die Zeit, die das Projekt beansprucht. Und dann wird es sicherlich noch die eine oder andere Überraschung unterwegs geben. Bei derlei Vorhaben ist das nicht unwahrscheinlich“, sagt Feid. Für Lorch sind es die schwierigen Bauabläufe, die eines der größten Infrastrukturprojekte in der jüngeren Geschichte der Pfalz zu einer äußerst kniffligen Angelegenheit machen. Und die Komplexität, ein solches Mammutvorhaben mit diversen Beteiligten innerstädtisch bei laufendem Verkehr umzusetzen. Mit Verweis auf den ebenerdigen Ersatz für die Brückentrasse sagt er: „Ich bin kein Freund dieser breiten Stadtstraßenlösung. Ich hätte das gerne lieber ein bisschen schmaler gestaltet.“ Lorch sagt aber auch: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die jetzige Lösung für Ludwigshafen die beste ist, weil künftigen Generationen dadurch Investitionen für Ersatz- oder Neubauten erspart bleiben.“ Dillinger ist zuversichtlich, dass das Planfeststellungsverfahren als Grundlage für den Abrissbeginn noch im Frühjahr eingeleitet wird und eine LBM-Entscheidung – also der Planfesstellungsbeschluss – in zwölf bis 15 Monaten vorliegt. Wie Feid und Lorch ist auch Dillinger klar, dass ein Vorhaben dieser Dimension mit zahlreichen Risiken behaftet ist. Deshalb sind alle drei mit Prognosen sehr vorsichtig. Auf das Jahr 2030 können sie sich dennoch einigen. Dann soll die Stadtstraße von den ersten Autos befahren werden.