Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Dorfbrunnen: „Den vermisst niemand!“

Seit vergangenem Jahr fließt hier kein Wasser mehr: der Dorfbrunnen in Heiligenstein.
Seit vergangenem Jahr fließt hier kein Wasser mehr: der Dorfbrunnen in Heiligenstein.

Hat der Heiligensteiner Dorfbrunnen noch eine Zukunft? Viel Liebe schlägt ihm derzeit nicht entgegen.

Am Dorfbrunnen in Heiligenstein sind wahrscheinlich die meisten Römerberger schon einmal vorbeigefahren. Aber ob sie ihn dabei bewusst wahrgenommen haben? Das Bauwerk direkt neben der Heiligensteiner Straße, neben der gleichnamigen Bushaltestelle, sticht nicht gerade ins Auge. Grau in Grau mit einer gepflasterten Umrandung und einem Mittelstück, das wohl eine Art Teller voller Trauben darstellen soll, war der Brunnen bisher schon kein Blickfang. Seit dem vergangenen Sommer ist das noch weniger der Fall, denn seitdem fließt das Wasser nicht mehr. Das geht aus einem Prüfantrag hervor, den CDU und SPD kürzlich im Römerberger Ortsgemeinderat gestellt haben. Eine Nachfrage bei Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) ergab demnach, dass es umfangreiche Reparaturen braucht, um das Wasserspiel wieder in Betrieb zu nehmen. Außerdem seien die Sitzgelegenheiten am Brunnen inzwischen verrottet und bedürften einer Erneuerung.

Ihre Beobachtungen haben die Kommunalpolitiker dazu bewogen, grundsätzlich über den Dorfbrunnen nachzudenken: Auch zu Zeiten, in denen dieser noch lief, sei er als Treffpunkt selten genutzt worden. „Die Lage an der verkehrsreichen Hauptstraße macht ihn nicht gerade zu einem anziehenden Treffpunkt“, finden Christ- und Sozialdemokraten. Ihre Schlussfolgerung: Statt Geld in die Reparatur und Sanierung der alten Anlage zu investieren, die dann auch wieder nicht genutzt wird, soll geprüft werden, ob die Verlegung des Brunnens an einen anderen, attraktiveren Standort in Heiligenstein möglich ist, zum Beispiel auf den Otto-von-Habsburg-Platz, und was dies kosten würde.

Eine Wortmeldung zu dem Thema gab es aus der Grünen-Fraktion. Wer nun erwartete, ein flammendes Plädoyer für den Erhalt des Bau- beziehungsweise Kunstwerks (über dessen Entstehungsdatum und Urheber offenbar niemand etwas wusste) an Ort und Stelle zu hören, der sah sich getäuscht. Heinz-Peter Schneider bestätigte, dass der derzeitige Standort keine hohe Aufenthaltsqualität biete. Aber sein Vorschlag war noch eine ganze Ecke radikaler als jener der Antragsteller: „Wem gefällt der Brunnen überhaupt?“, stellte er eine eher rhetorisch gemeinte Frage. Er plädierte deshalb dafür, auch zu prüfen, was eine ersatzlose Beseitigung koste. Den modifizierten Antrag befürwortete der Gemeinderat einhellig. Seine zuvor gestellte Frage beantwortete Schneider schließlich noch selbst: „Den vermisst niemand!“

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