Römerberg
Dorbrunnen-Debatte: Fehlt es an markanten Bauwerken?
„Mit Verwunderung habe ich die Diskussion im Römerberger Gemeinderat zum Thema ,Heiligensteiner Dorfbrunnen’ und hier besonders die Ausführungen des Grünen-Sprechers und ehemaligen Beigeordneten für Bildung und Kultur, Heinz-Peter Schneider, verfolgt“, schreibt Günter Walburg an die RHEINPFALZ. Der 84-Jährige, der kürzlich erst für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement mit der Verdienstmedaille des Landes geehrt wurde, war bis 2024 selbst als Teil der CDU-Fraktion Mitglied des Ortsgemeinderats. Vor wenigen Wochen hatte der Rat einen Antrag von CDU und SPD beschlossen. Das Ansinnen: zu prüfen, ob der Brunnen in der Heiligensteiner Straße in der Nähe der Kirche, der seit vergangenem Jahr nicht mehr funktioniert, an einen attraktiveren Standort versetzt werden könnte. Schneider hatte daraufhin angeregt, dass der Brunnen auch ganz verschwinden könne. Er sei wenig ansprechend und würde wohl nicht vermisst werden.
Über Urheber und Entstehungszeit des Brunnens wurde im Rat nichts gesagt. Günter Walburg weiß hingegen mehr über das Wasserspiel: „Der Dorfbrunnen entstand, ebenso wie der Weiberbratenbrunnen in Berghausen, auf Anregung des kunstsinnigen ersten Bürgermeisters von Römerberg, Kurt Hinderberger, Ende der 1970er Jahre“, berichtet er. Mittelpunkt der Brunnenanlage sei eine runde Schale voll reifer Trauben mit kunstvoll arrangiertem Weinlaub und filigranen Reb-Ranken – vermutlich aus Bronze –, die darauf hinweisen sollen, dass Römerberg, wie schon im Wappen symbolisiert, einer der ältesten Weinbauorte der Pfalz ist. Geschaffen habe ihn der 2017 verstorbene renommierte Speyerer Künstler Franz Müller-Steinfurth.
„Auf jeden Fall erhalten“
„Eine Brunnenanlage entfaltet natürlich ihre volle Wirkung als Kunstwerk vor allem dann, wenn auch das Wasser fließt und plätschert, wie zahlreiche frühlingshafte oder winterliche Aufnahmen von dem Brunnen aus der Vergangenheit zeigen“, findet Walburg. Dass nach zirka 50 Jahren die Technik einer Reparatur bedarf und Kosten entstehen, liege auf der Hand. Auch sei es notwendig, einen Brunnen von Zeit zu Zeit zu reinigen und die grauen Kalkablagerungen zu entfernen. „Ob man den Dorfbrunnen am selben Ort repariert oder wie vorgeschlagen auf dem Rudolf-von-Habsburg-Platz neu installiert, darüber kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein“, findet Walburg. Auf jeden Fall sollte er seiner Meinung nach „mitten im Dorf“ erhalten bleiben und so zur Bereicherung des Ortsbildes beitragen. „Kein Verständnis habe ich für den Grünen-Vorschlag, den Dorfbrunnen ersatzlos zu beseitigen. Äußerungen wie ,Wem gefällt der Brunnen überhaupt’ oder ,Den vermisst niemand’ sind für mich unverständlich und anmaßend. Ich jedenfalls würde den Heiligensteiner Dorfbrunnen sehr vermissen – und viele Römerbergerinnen und Römerberger sicherlich auch“, sagt er.
Roland Hacker, der Vorsitzende des Römerberger Kunst- und Kulturvereins, hatte seinem Ärger über einen möglichen Abbau des Brunnens bereits in einem Leserbrief Luft gemacht. Darin hatte er auch kritisiert, dass in Römerberg generell „bei Entscheidungen über den Erhalt oder die Nutzung von markanten Gebäuden nach dem Motto ,weg damit’, verfahren“ werde. Was meint Hacker konkret? „Römerberg hat im Gegensatz zu anderen Ortschaften kein Schloss, keine Burg und kein sonstiges signifikantes Baudenkmal“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. An Kunst im öffentlichen Raum fallen ihm außer dem Heiligensteiner Brunnen noch der Weiterbratenbrunnen von Arnold Wühl, die Stele vor dem Zehnthaus von Peter Brauchle und die Litfaßsäulen, die der Kunst- und Kulturverein von regionalen Künstlern gestalten ließ, ein. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass bewahrt wird, was da ist und dass Neues dazukommt“, sagt Hacker.
„Markante Akzente setzen“
Schade findet er, dass vor einigen Jahren die Idee, aus dem alten Heiligensteiner Bahnhofsgebäude einen „Kulturbahnhof“ mit Veranstaltungsprogramm zu machen, nicht umgesetzt wurde. „Der Gemeinde waren damals die Kosten zu viel“, blickt Hacker zurück. Mittlerweile sind Wohnungen in dem Gebäude. Auch der Vorschlag des Vereins, ein öffentliches Brotbackhaus als Treffpunkt in Römerberg einzurichten, sei bislang nicht aufgegriffen worden. Trotzdem sieht er auch positive Signale der Gemeinde. So dürfe der Verein einen Schulraum in Berghausen nutzen und habe die Aussicht, bei einer Verlegung des Bauhofs nach Mechtersheim ein Gebäude in Heiligenstein nutzen zu können. Hacker würde sich eine Neuauflage des Lokale-Agenda-Projekts wünschen, das vor mehr als 25 Jahren in Römerberg startete. „Es sollte ein kulturelles Profil für die Gemeinde entstehen, das markante künstlerische Akzente setzt und Identifikationsmöglichkeiten bietet“, findet der Kulturvereinsvorsitzende. Den Heiligensteiner Dorfbrunnen würde er am liebsten an seinem jetzigen Standort belassen. „Ein Versetzen vor das Kriegerdenkmal fände ich deplatziert“, sagt er.