Speyer
Doppelgymnasium: Entfluchtung ohne Fluchttürme
Weder am Hans-Purrmann- noch am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium haben die 2019 fertiggestellten Treppentürme eine Rolle gespielt, als es kürzlich darum ging, nach dem zu Testzwecken ausgelösten Alarm die benachbarten Gebäude mit jeweils an die 1000 Menschen zu räumen. Das sollte so nicht sein. Die Investitionen in die zusätzlichen Treppen waren nötig geworden, weil die offenen Treppenhäuser der Schulen aus den 1960er-Jahren im Brandfall die Gefahr einer Verrauchung mit sich brachten. Die größte Angst aller Verantwortlichen: Personen könnten es nicht rechtzeitig nach draußen schaffen.
Diesmal mussten doch wieder alle das zentrale Treppenhaus nutzen. Beteiligten zufolge lief das nicht so zügig, wie es wünschenswert wäre. Beim Hans-Purrmann-Gymnasium spricht Leiter Ronny Wolf auf Anfrage von Schwierigkeiten bei der technischen Steuerung der neuen Türen, die deren Nutzung ausgeschlossen habe. Diese seien aber nun behoben. Demnächst werde es einen weiteren Probealarm mit hoffentlich anderem Ergebnis geben. „Durch die kürzlich geänderten Fluchtwege wurde die Brandmeldeanlage angepasst, und beim Test erschien eine Fehlermeldung“, ordnet die Stadtverwaltung als Schulträger ein.
Falsche Türen geliefert
Immerhin: Das „Purrmann“ verfüge über abgenommene Brandschutztüren, berichtet Wolf. Hier seien bereits die richtigen Exemplare nachgerüstet worden, nachdem wegen eines Lieferfehlers zunächst – gemessen an den Vorgaben – zu kleine Türen in zu große Festelemente eingesetzt worden seien. Am Schwerd-Gymnasium steht diese Nachbesserung teilweise noch aus. „Zwei Brandschutztüren müssen noch ausgetauscht werden“, teilt Stadt-Sprecherin Lisa Eschenbach mit. Diese führten zu den Fluchttürmen. Sie funktionierten zwar einwandfrei, aber: „Sie sind mit Blick auf die gesetzlichen Vorgaben wenige Zentimeter zu schmal“, so Eschenbach.
Die Abläufe beim Doppel-Probealarm am Doppelgymnasium hat all das nach RHEINPFALZ-Informationen ebenso erschwert wie Vorgabe, dass sich die „Schwerdianer“ zu Sammelpunkten in Richtung Purrmann-Gymnasium bewegen müssen und für die Schulgemeinschaft der Nachbarschule teilweise der umgekehrte Weg empfohlen ist.
Weitere Problemstellen
Kritisch wird in diesem Zusammenhang auch gesehen, dass nach dem Brandschutz-Umbau das reguläre Treppenhaus nicht mehr über offene Flure erreicht werden kann, sondern neue Türen zur Abschottung und gegen Verrauchung eingebaut worden sind, die nur einen eher schmalen Durchlass bieten. Wenn etwa 250 Schüler und Lehrer aus einem Gebäude im Alarmfall nacheinander durch diese Türen gehen müssen, dauert das. „Ich habe kein gutes Gefühl in den Räumen dahinter“, sagt eine Person aus der Schulgemeinschaft, die nicht namentlich genannt werden möchte.
Die Stadt kündigt bei den Türen für das „Schwerd“ den baldigen Austausch an. Probleme für einen sicheren Schulbetrieb sieht sie nicht. „Das hat keine Auswirkungen“, so die Pressestelle. Diese macht aber auch deutlich: „Bei etwaigen Problemen zum Beispiel organisatorischer Natur bietet die Speyerer Feuerwehr immer ihre Unterstützung an.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Strenge Linie auch für sich selbst
Wer A sagt, muss auch B sagen. Die Brandschutzmängel am Doppelgymnasium müssen daher schnell abgestellt werden.
So mancher Privateigentümer öffentlicher Gebäude würde gerne argumentieren wie die Stadt: Ist ja nur eine Kleinigkeit, eigentlich funktioniert alles. Der Private bekommt dann aber klipp und klar gesagt: Es gibt Regeln, an die er sich genau zu halten hat, und das ist beim Brandschutz besonders wichtig. Er darf sein Gebäude im Zweifelsfall auch mal nicht nutzen, bis Mängel abgestellt sind.
Die Stadt Speyer fuhr dabei zuletzt eine strenge Linie. Natürlich gelten diese Maßstäbe auch für sie selbst. Warum sind fast drei Jahre nach dem Turm-Bau noch die falschen Türen drin? Ausgerechnet an einer Schule. Wie gut, dass es Probealarme gibt, bei denen so etwas offenbar wird.