Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Dompfarrer Bender: Nach Abschiedsfeier bewusste Auszeit

Nahbarer Seelsorger und theologischer Erklärer: Matthias Bender in der Pax-Christi-Kapelle der Bernhardskirche.
Nahbarer Seelsorger und theologischer Erklärer: Matthias Bender in der Pax-Christi-Kapelle der Bernhardskirche.

17 Jahre lang war Matthias Bender Dompfarrer in Speyer. Wie geht es weiter für ihn im Ruhestand mit 70 Jahren, wie für „seine“ Pfarrei Pax Christi mit fast 15.000 Katholiken?

„Ich war der Mann der Veränderungen – und jetzt beginnt nochmals alles neu“, sagt Matthias Bender. Der Pfarrer und Domkapitular feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag und geht zum Monatsende in den Ruhestand. Das ist natürlich der Schritt, der für ihn persönlich vieles verändert. In seinen 17 Jahren als Dom- und Gemeindepfarrer in Speyer gab es aber noch viel mehr Reformen: Bender kam 2009 als Verantwortlicher für die Domgemeinde Mariä Himmelfahrt ins Amt, erhielt im Jahr 2010 St. Konrad in Speyer-Nord dazu und 2016 auch die restlichen katholischen Gemeinden der Stadt. In St. Joseph wird am Sonntag, 10.30 Uhr, sein Abschied gefeiert – mit Gottesdienst und folgendem Empfang.

Für die Speyerer Katholiken ist schon skizziert, dass ihre heutige Großpfarrei – die größte im Bistum – in wenigen Jahren Teil einer noch größeren Pfarrei werden könnte: Das gesamte Dekanat Speyer, das bis hinter Frankenthal reicht, soll die maßgebliche Seelsorgeeinheit werden. Vor allem wegen des Rückgangs an Hauptamtlichen will das Bistum den großen Schritt gehen und aus 70 nur noch neun Pfarreien machen. Mehr als 300 Pfarreien waren es gewesen, als Bender seinen Dienst in Speyer antrat. „Ich hätte gedacht, dass Pax Christi mindestens 20 Jahre hätte“, zeigt er sich überrascht. Er ist jedoch überzeugt: „Es wird nicht alles schlechter.“ Wenn die Reform 2029 wie vorgeschlagen komme, werde es auch Seelsorger geben, die viel weniger mit Verwaltungs- und Gremienarbeit beschäftigt seien, als er es stets war.

Leiter werden Begleiter

„Die vertraute Pfarrei in ihrer Überschaubarkeit kommt wohl endgültig an ihr Ende“, sagt Bender. Damit ändere sich auch die Rolle der Priester. Er habe „einerseits erlebt, wie bedeutsam die Figur eines Pfarrers auch als Bezugsperson ist“. Er stehe dabei in einer Reihe mit bekannten Speyerer Kirchenmännern wie Hubert Ehrmantraut, Bernhard Linvers, Erwin Bersch, Klaus Härtl oder Hermann-Josef Wey. Er sei aber überzeugt, dass es auch anders gehe: „Es wird viel darauf ankommen, wie wir uns als Volk Gottes gegenseitig begleiten.“ Ein Ansatz für die Hauptamtlichen: „vom Leiten zum Begleiten“. Etwa bei der Erstkommunion oder Firmung werde das Ehrenamt künftig eine noch größere Rolle spielen.

Die Pfarrei Pax Christi stehe gut da, sagt Bender. Sie schrumpfe zwar vor allem durch Sterbefälle und Austritte wie fast alle katholischen Einheiten in Deutschland – in seinen 17 Jahren von rund 17.000 auf 14.300 –, aber sie habe starke Gremien, gute Konzepte, die etwa für einen hohen Anteil an Erstkommunionkindern und Firmlingen sorgten. Dazu komme mit Pfarrer Thomas Ott (35) ein dynamischer Nachfolger an der Spitze. Bender ist stolz, dass in seiner Verantwortung St. Bernhard und das Spee-Haus umgebaut werden konnten, dass St. Otto ein besseres Dach und St. Joseph eine neue Lautsprecheranlage erhalten werden. Die Zukunft des Ägidienhauses bleibe indes eine Baustelle. Die sozialen Angebote in St. Hedwig seien „ein Impuls für die ganze Stadt“, betont Bender. „Kirche ist an der Seite der Menschen, insbesondere der Armen und Bedrängten.“ Stolz ist er auf die Leistungen der sieben katholischen Kitas mit 700 Kindern.

Bei einem Festgottesdienst: Matthias Bender feiert Fronleichnam vor der Kirche St. Joseph.
Bei einem Festgottesdienst: Matthias Bender feiert Fronleichnam vor der Kirche St. Joseph.

Für die Menschen da zu sein, habe ihn stets motiviert, betont der Pfarrer kurz vor seiner Emeritierung. Auch das Unvorhersehbare mache für ihn den Reiz des Berufs aus. Das habe ihn persönlich geprägt: „Nüchternheit musste ich lernen als ganz wichtige Tugend neben meinem Idealismus“, so der Theologe, der auch „sein statt scheinen“ und „ehrlich sein“ als Lebensmottos nennt. Der gebürtige Zweibrücker, der nach Studium in Frankfurt und Rom, Kaplanszeit in Landau und Aufgaben im Bischöflichen Jugendamt sowie als Dozent für Pastoraltheologie am Priesterseminar Speyer zum Dompfarrer wurde, kann das alles auch theologisch untermauern: Sein einschlägiger Zitateschatz ist schier unerschöpflich. „Ich gehe mit großer Dankbarkeit“, ergänzt er ganz profan.

Sport- und hundebegeistert

Bender wird entgegen früherer Planungen auch im Ruhestand in Speyer bleiben, wo er in einer Wohnung des Domkapitels am Edith-Stein-Platz lebt. Er hat künftig mehr Zeit für seine Mittelschnauzer-Hündin Neva (5), die als Kind der Corona-Zeit noch Nachholbedarf bei Besuchen auf dem Hundeplatz habe. Er könne seine 96-jährige Mutter in Zweibrücken wieder regelmäßiger besuchen und die weiteren Kontakte zur Großfamilie mit drei Geschwistern, neun Nichten und Neffen sowie sieben Großneffen und Großnichten pflegen. Auch ein kleiner Kreis langjähriger Freunde sowie die Lieblingsfußballclubs 1. FC Kaiserslautern und 1. FC Köln dürfen sich wieder über mehr Besuche des sportbegeisterten Pfarrers freuen, der in seiner Jugend Pfalzmeister im 400-Meter-Lauf war.

Worauf es wirklich ankommt im neuen Lebensabschnitt, will Bender aber erst noch ergründen. Er werde sich nach dem Abschiedsgottesdienst ganz bewusst zurückziehen – erst in der Fastenzeit, dann in den 50 Tagen bis Pfingsten. Die stille Zeit werde ihm zeigen, „welchen Platz ich hier finde mitten unter den Menschen“, ist er überzeugt. Zu sich selbst finden könne er auch beim Lesen – neben theologischer Literatur verschlingt er derzeit den Roman „Das ist Glück“ von Niall Williams und hat Werke der amerikanischen Schriftstellerin Sigrid Nunez für sich entdeckt. Außerdem sehe er sich als „Wanderer, Fußgänger und Pilger“. So werde er dem Speyerer Stadtbild erhalten bleiben, aber auch noch bewusster den Pfälzerwald erleben.

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