Speyer Dirigent im Blick, Werke im Kopf

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In einem Chor steht die Altstimme meist eher im Hintergrund, vor allem in den kurzen Messen von Haydn und Mozart. Für Altistin Gisela Herschbach ist das Singen im Speyerer Domchor trotzdem eine schöne Sache, wie sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ unterstreicht.

Die Musik hat Gisela Herschbach immer begleitet. Gesungen hat sie schon seit ihrer Kindheit – daheim und in der Kirche. „Bei uns in der Familie ist immer viel und laut gesungen worden“, erzählt sie, „meine Mutter hatte eine Gitarre, auf der sie uns manchmal begleitete. Meine Großmutter und meine Großtanten, die in unserer großen Familie manchmal im Haushalt bei der Bügelwäsche halfen, kannten viele Lieder und sangen sie mit allen Strophen“. Besonders gerne habe sie jedoch immer in der Kirche gesungen, weil der Klang so voll war und es so schön hallte. Im Gymnasium bekam Herschbach, die aus Waldbreitbach im Wiedtal im Norden von Rheinland-Pfalz stammt, zusätzlich Violin- und Klavierunterricht. Zum Chorsingen sei sie dagegen erst während ihrer Studienzeit gekommen, so Herschbach, die in Mainz Latein und Geschichte studiert hat. In der Pfalz lebt sie nun schon eine ganze Weile. 1985 erhielt sie eine Planstelle am Germersheimer Goethe-Gymnasium und ist seitdem hier. „Man warnte mich damals vor – ich müsse jetzt schon mindestens drei Jahre in der Pfalz bleiben, bevor ich einen Versetzungsantrag in meine Heimat stelle“, erzählt die Lehrerin. Weil es ihr in der Pfalz allerdings sofort gut gefallen hat, ist es dazu nie gekommen. Die Entscheidung habe sie auch nie bedauert, sagt die Wahlspeyererin. Die Herzlichkeit der Menschen, das kompakte Stadtbild und vor allem der Dom trugen schnell dazu bei, dass sie sich heimisch fühlte. Zeitweilig dachte sie sogar daran, Musik zu studieren – unterstützt von ihrem damaligen Klavierlehrer. „Aber nach längerem Nachdenken habe ich mich dann doch dazu entschlossen, die Musik als zusätzliche Bereicherung meines Lebens anzusehen und sie nicht als Beruf auszuüben“, fährt sie fort. Beim Speyerer Domchor ist Gisela Herschbach nun schon seit 18 Jahren. Damals sei sie eigentlich nur auf der Suche nach einem Chor gewesen, der regelmäßig probt. „Im Dom zu singen, ist ein ganz besonderes Erlebnis: Man muss sich auf die Akustik einstellen“, so die Altistin. Das bedeute, dass man immer genau auf den Dirigenten achten und die Chorwerke weitgehend im Kopf haben müsse. Auch wenn die Altstimme in vielen kurzen Messen zwar im Hintergrund stehe, so werde sie nicht generell stiefmütterlich behandelt. „Es gibt auch viele Komponisten, die gerade dem Alt wunderbare und sehr gesangliche Linien geschrieben haben: Johann Sebastian Bach hat den Alt wirklich geliebt und auch Mendelssohn und Rheinberger haben uns aus dem Hintergrund geholt“, hebt Herschbach im Gespräch hervor. Zurzeit stehen im Domchor die Vorbereitungen auf die „Internationalen Musiktage“ an. Das Ensemble probt gerade die Chorsymphonie „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy für das Eröffnungskonzert am 3. Oktober. Seit 2011 engagiert Gisela Herschbach sich über den Gesang hinaus: Als Vorsitzende des Dommusik-Fördervereins will sie dabei helfen, vor allem die musikalische Arbeit junger Leute zu fördern. Die Serie Erste Geiger, Leadgitarristen und andere „Rampensäue“ – was aber wäre der beste Solist ohne die tragenden musikalischen Säulen im Hintergrund? Genau um die geht es in unserer Serie. In loser Folge holen wir unverzichtbare Teile des Ganzen aus dem Halbdunkel ins Licht.

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