Speyer / VG Rheinauen
Dieser Ort ist im Visier: Neues zu Geothermie-Standort
100 Millionen Euro könnte das Erdwärme-Projekt kosten, für das die Stadtwerke Speyer und Schifferstadt die gemeinsame Firma Geopfalz gegründet haben. Sie hat sich die erforderliche Aufsuchungserlaubnis gesichert und will die Potenziale von Geothermie in der Rheinebene nutzen, um zunächst das Speyerer Fernwärmenetz, aber auch andere Kommunen zu versorgen. Wo der Bohrplatz für ein Kraftwerk grob liegen könnte, wurde schon bei einer Informationsveranstaltung im April in Speyer benannt: zwischen Schifferstadt und Waldsee.
Die damalige Ankündigung, binnen vier bis sechs Wochen eine genaue Bohrstelle samt Kraftwerk-Standort mitzuteilen, haben die Beteiligten indes nicht eingelöst. Sie seien noch „mitten in den Abstimmungen“, so eine Firmensprecherin. „Aktuell laufen Gespräche mit der Politik.“ Über einen Zwischenstand wurde in der Sitzung des Ortsgemeinderats Otterstadt am Mittwochabend informiert. Demnach ist ein Bereich bei Waldsee konkreter im Visier.
Unabhängig vom Mannheimer Großkraftwerk werden
Das heiße Wasser könnte auf Waldseer Gemarkung aus der Tiefe geholt werden, hieß es. Es solle ins Fernwärme-Netz der Stadt Speyer eingespeist werden. Diese bezieht ihre Fernwärme bislang mithilfe einer 21 Kilometer langen Leitung vom Großkraftwerk in Mannheim. Mit dem Projekt wolle sich die Stadt unabhängig vom Großkraftwerk machen. Das Kohlekraftwerk soll spätestens im Jahr 2033 vom Netz gehen. Den Schilderungen in der Ratssitzung zufolge könnten Waldsee, Otterstadt und Schifferstadt vom „Rücklauf“ aus Speyer profitieren. Das Wasser sei warm genug, um es auch in den anderen drei Kommunen zu nutzen. Wo eine Versorgung sinnvoll ist, sei Teil der kommunalen Wärmeplanung, die zurzeit in der Verbandsgemeinde Rheinauen entsteht.
Die Projektgesellschaft wurde am Donnerstag auf Anfrage noch nicht konkreter. Ihre Sprachregelung lautet, dass nach der umfassenden Auswertung geologischer Daten und regionaler Bohr- und Seismikdaten die Verbandsgemeinde Rheinauen als Zielgebiet konkretisiert werde. „Der Nordosten des Aufsuchungsfeldes ,Rhein-Pfalz’ erweist sich entsprechend der Datenlage als am geeignetsten für die Bohrungen nach Thermalwasser“, sagen Claire Weihermüller und Jörg Uhde, Geschäftsführer von Geopfalz.
Infoveranstaltung für Bürger geplant
Die Firmenverantwortlichen, bei denen Weihermüller seit Kurzem den Gründungsgeschäftsführer Uhde ergänzt und nach dessen Eintritt in den Ruhestand ablösen soll, nennen auch eine neue Zeitplanung: „Die Vorarbeiten zur Festlegung des Standorts sollen möglichst bis zum dritten Quartal abgeschlossen sein.“ Nach den Gesprächen mit der Politik werde voraussichtlich Anfang September eine Informationsveranstaltung in Waldsee für die Bürger der Verbandsgemeinde Rheinauen angeboten.
Ihnen sei der Dialog mit der benachbarten Bevölkerung wichtig, betonen die Verantwortlichen: „Wir möchten den Dialog mit der Bevölkerung vor Ort gerne intensiv fortsetzen – ob zu Geothermie, zur Geothermieanlage oder zur Bohrtechnik“, so Uhde gegenüber der RHEINPFALZ. Vor Kurzem wurde eine Referentin für Kommunikation eingestellt. Über die Internetseite www.geopfalz.de könnten auch direkt Anfragen an das Unternehmen gerichtet werden.
Das Potenzial für eine wirtschaftliche Nutzung der Erdwärme in der Vorderpfalz geht darauf zurück, dass in zerklüfteten Gesteinsformationen des Muschelkalks und Buntsandsteins Thermalwasservorkommen erwartet werden, die aus rund 3000 Metern an die Oberfläche gefördert werden und dort laut Prognose mit 130 bis 160 Grad ankommen könnten.