Speyer Die Wohnungsfrage und Spuren in Amerika

Es war ein ständiges Kommen, Gehen und Plaudern gestern bei der „Redaktion vor Ort“ der RHEINPFALZ vor dem Rathaus in Dudenhofen. Die Themen der Leser reichen von dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum für Senioren über Pläne für die politische Zukunft und traumhafte Amerika-Erlebnisse. Was auch rauskam: In Dudenhofen lässt sich’s gut leben.
Seniorengerechte Wohnungen – das ist das Anliegen von Peter Lorenz. Dudenhofen bräuchte endlich bezahlbare Wohnungen für alte Menschen, findet er. Natürlich sind in Dudenhofen schon seniorengerechte Wohnungen gebaut worden, etwa auf dem Walter-Gelände. Und auch in dem Haus, das in der Speyerer Straße gebaut wird, sollen solche Wohnungen entstehen – doch Peter Lorenz sieht das nicht als Lösung: „Die kann kein Mensch bezahlen. Eine Witfrau kann doch nicht 800, 900 Euro an Miete bezahlen.“ Er sagt: „Wir brauchen altengerechte Wohnungen mit einer vernünftigen Miete!“ Der Ortsgemeinderat müsste sich der Forderung des Seniorenbeirats nach altengerechten Wohnungen auch mal annehmen, findet er und sagt, dass es auch in Speyer in Sachen bezahlbarer Wohnraum nicht viel besser aussieht. „Ansonsten“, sagt Lorenz, der seit einem halben Jahrhundert SPD-Mitglied ist und in der Vergangenheit die Kreativtage organisiert hat, „bin ich mit dem, was in Dudenhofen passiert, zufrieden.“ Die Dominikanerin Schwester Magdalena Renner macht nach einem Besuch bei ihrer Mutter in Hanhofen einen Stopp am Rathaus in Dudenhofen. Sie hat in der Zeitung gelesen, dass „Redaktion vor Ort“ ist und kommt auf einen netten Plausch vorbei. Schwester Magdalena ist seit 1981 Ordensfrau, die RHEINPFALZ liest sie täglich – ihre Schwester trägt in Hanhofen die Zeitung aus, erzählt sie. Mit ihren 57 Jahren ist sie die Drittjüngste im Institut St. Dominikus und kümmert sich als Altenpflegerin um ihre Mitschwestern. Monika Pfeifenroth aus Berghausen sagt kurz „Hallo“ – sie hatte auf der Verbandsgemeindeverwaltung zu tun, seit 35 Jahren liest sie die RHEINPFALZ und alle vier Enkelkinder sind auch schon auf der Zeitungsspur: Sie sind Mitglied im Nils-Nager-Club. Ein Dudenhofener kritisiert den Umfang der Berichterstattung über den 1. FC Kaiserslautern. Er interessiere sich nicht für Fußball und wolle das nicht lesen. Gerhard Foltz sagt, er lese gerne die Berichte aus dem Speyerer Stadtrechtsausschuss. Er wünscht sich, dass auch immer über die Entscheidung berichtet werde, wenn sie einige Wochen später ergehe. Er verfolgt auch interessiert die Berichte aus dem Umland. Mit Blick auf die Querelen in der Schwegenheimer Ortspolitik zeigt er sich froh, dass es in Dudenhofen anders zugehe: „Mit den Politikern hier kann man ja reden.“ Miteinander gesprochen haben gestern auch die Besucher untereinander, so wie die Verbandsgemeinderatsmitglieder Hermann Grundhöfer (CDU) und Jürgen Creutzmann (FDP). reutzmann berichtet, dass er am Samstag beim Landesparteitag der FDP in Kaiserslautern wieder für das Amt des Schatzmeisters kandidiere. Seit 32 Jahren hat er diesen Posten schon. Eigentlich habe er nicht mehr antreten wollen, aber er sei darum gebeten worden. „Und ich lasse die Partei in einer schwierigen Phase nicht im Stich“, sagt er, wobei er optimistisch ist, dass seine Partei nächstes Jahr wieder den Einzug in den Landtag schafft. Für die Wahl sei dieselbe Werbeagentur beauftragt worden, die auch den erfolgreichen FDP-Wahlkampf in Hamburg begleitet habe. Als Verbandsbürgermeister Manfred Scharfenberger (CDU) vorbeischaut, ist schnell das Halbfinale im Verbandspokal vom Vorabend Thema, bei dem der FV Dudenhofen den klassenhöheren TuS Mechtersheim mit 2:1 geschlagen hat. Dass fast 2000 Zuschauer die Begegnung verfolgten, hat Scharfenberger nicht überrascht. Die Partie habe die Leute ja bewegt. „Ich nehme an, dass Pirmasens schon zittert“, lautet die nächste Prognose des Bürgermeisters. Der FK Pirmasens ist nämlich am 13. Mai Gegner der Dudenhofener im Pokalfinale. Rosi Gauweiler findet ihren Wohnort super: „Ich kann Dudenhofen nur loben“, sagt sie und zählt auf, was das Dorf so liebenswert macht: die Einkaufsmöglichkeiten, tolle eigene Metzger und Bäcker, Ärzte, Apotheken, Lokale, Abenteuerspielplatz, Badewanne und die Pläne für eine neue Kita, um die der Ortsbürgermeister Peter Eberhard (CDU) sich toll kümmere. Einen Wunsch hätte Rosi Gauweiler, die für die SPD im Ortsgemeinderat in Dudenhofen ist, noch: „Was ich mir wünschen würde, wäre ein schönes Café.“ Und eine bessere Busverbindung nach Römerberg wäre auch nicht schlecht. Froh gelaunt ist auch eine Dame, die mit ihren Turngruppen-Kolleginnen gerade aus dem Frühsport im Bürgerhaus kommt. Die Dame sagt: „Ich bin zufrieden mit dem Dorf.“ Aber einen Kritikpunkt will sie dann doch loswerden: „Das Spargelfest ist überflüssig. Das ist nichts mehr, das Fest.“ Zumal es mit der Spargelspitze und dem Spargelessen ja sehr gute Alternativ-Angebote gebe. Siegfried Tretter aus Dudenhofen, der den Männern vom Bauhof für ihre Arbeit am liebsten jedes Jahr einen Orden überreichen würde, ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Und da sieht er so einiges an Unrat, was ihm nicht gefällt – vor allem die wilden „Müllkippen“ sind ihm ein Dorn im Auge. Emil Münzer schwärmt vom Besuch des Dudenhofener Kirchenchors in Ferdinand im US-Bundesstaat Indiana. Die 47 Sänger waren von 24. März bis 1. April in Amerika und drei Tage bei Gastfamilien in Ferdinand untergebracht. In die Gegend rund um das 2000-Einwohner-Städtchen sind viele Dudenhofener, Hanhofener und Harthausener im 19. Jahrhundert ausgewandert. Münzer und seine Frau haben sich sehr wohl gefühlt, die Amerikaner waren sehr gastfreundlich, erzählt er. Und: Es gab Zuhörer, die zwei Stunden Fahrt in Kauf nahmen, um die Dudenhofener Chorsänger zu hören, die zwei Auftritte in Ferdinand hatten. Münzer hat in Amerika auf dem Friedhof von Maria Hill auch das Grab einer Vorfahrin entdeckt: Katharina Ullmer, geborene Münzer aus Harthausen. Eine Tochter seines Ur-Ur-Ur-Urgroßvaters, wie Emil Münzer herausgefunden hat. Geboren 1823, mit ihrem Mann Johann Georg nach der Heirat 1846 ausgewandert und 1889 gestorben. „Ich bin jetzt dabei, herauszufinden, ob sie noch Verwandte haben“, sagt Emil Münzer, der sich schon in den 1980er Jahren mit der Ahnenforschung beschäftigt hat und von Landrat Clemens Körner darauf hingewiesen wurde, dass auch eine geborene Münzer ihr Heil in Amerika gesucht hat. Als Emil Münzer und seine Frau auf dem Friedhof waren, sind sie von drei Frauen angesprochen worden, die nach Jochim aus Hanhofen gefragt haben. Aus Hanhofen, sagt Münzer, sei ihm der Name nicht bekannt. Neben den Grabsteinen der Familie Jochim stehen die Stelen, die an die Verstorbenen amerikanischen Hufnagels erinnern. Hufnagel ist heute noch ein häufiger Name in Harthausen. Und Münzer weiß auch über diese Familie etwas zu berichten: Eine Schwester von Johann Georg Ullmer, die auch Katharina hieß, hat einen Bernhard Hufnagel geheiratet, sie sind ebenfalls 1846 nach Maria Hill ausgewandert. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor. Daher kommen wohl auch die vielen Grabstelen der Familie Hufnagel auf dem Friedhof. (snf/snr)