Speyer Die unsichtbaren Steine

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Sie können nicht weglaufen und zum Wegtragen sind sie zu schwer: Die Steine zur Begrenzung der Grundstücke auf Feldern und Wingerten, die allerdings ihre frühere Bedeutung verloren haben.

Udo Baumann sagt: „Die Bedeutung der Grenzsteine geht zurück.“ Der Leiter der für weite Teile der Vorderpfalz zuständigen Stabsstelle des Vermessungs- und Katasteramtes Rheinpfalz, ansässig in Ludwigshafen, Neustadt und Landau, erklärt auch, warum das so ist: „Für den Grenznachweis werden die Koordinaten der Grenzpunkte angewandt.“ Baumann und Michael Hemmer, Abteilungsleiter des Liegenschaftskatasters, wissen alles über diese Markierungen, im Volksmund fälschlich auch Feldsteine genannt. Dass diese früher sichtbar die Äcker und Wingert begrenzenden Sandsteine nicht mehr oft zu sehen sind, hat auch mit der satellitengestützten Ausrüstung der von der Landwirtschaft eingesetzten Traktoren und anderer Fahrzeuge zu tun. Dank GPS oder Navigator und den von der Vermessungs- und Katasterverwaltung zur Verfügung gestellten Koordinaten können beim Pflügen, Eggen, Säen, Düngen und Mähen die Feldergrenzen genau eingehalten werden. Baumann erklärt: „Aus praktischer Sicht aber sind Grenzsteine wegen des Grenzbezugs wichtig, zum Beispiel wenn ein Gebäude errichtet werden soll.“ Zwar könne ein Vermessungsbüro in hochgenau vermessenen Gebieten ein solches Anwesen mit Hilfe von Koordinaten auch ohne Grenzsteine exakt abstecken. „Aber in Gebieten, deren Daten seit der ersten Vermessung oder Uraufnahme nicht mehr oder unzureichend aktualisiert worden sind, sind Grenzsteine wichtig.“ Die Grenzsteine haben in der Pfalz einen besonderen historischen Bezug. Denn dieser ehedem bayerische Rheinkreis war wie ganz Bayern das erste exakt vermessene Land Europas, wie es in Band 26 der „Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur“ heißt: „Als sich 1802/03 das heutige Bayern herausbildete (die Pfalz gehört von 1816 bis 1945 dazu), galt es, rund 70 ehemals selbstständige Territorien zu vereinen, die sich in Größe, Rechtswesen, Herrschaftsform, Finanzkraft und vielem anderen erheblich unterschieden. Ein zentraler Teil der dafür nötigen Reformen war die Vermessung des Landes. Sie sollte dem Staat die Grundlage für eine seiner Haupteinnahmequellen, die Erhebung von Grund- und Gebäudesteuer verschaffen.“ Die Aufgaben der folgenden Vermessungs- und Katasterämter hätten sich grundlegend geändert, berichtet Udo Baumann. In den 1980ern entstand das Mehrzweckkataster, für das die Daten nach und nach digitalisiert wurden. Daraus entwickelte sich das Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem mit den Geobasisdaten. Die könne jedermann im Internet auf der Seite www.geoportal.rlp.de abrufen. (wk)

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