Speyer Die stillen Helden: Digitalbotschafter wollen Unsicherheit nehmen
Herr Demsar, welche Aufgaben übernehmen Sie in Ihrem Ehrenamt?
Ganz lapidar ausgedrückt: Wir nehmen Senioren und Seniorinnen bei der Hand und helfen bei Problemen im digitalen Alltag. Unser ältester Klient ist 94 Jahre alt. Die Probleme, die sie mitbringen, sind ganz individuell. Das können Unsicherheiten im Umgang mit dem Smartphone oder Tablet sein, beispielsweise: Wie verschicke ich Fotos an meine Enkel? Wie lege ich Kontakte an? Wie mache ich einen Videoanruf? Oder: Wie versende ich E-Mails? Wie rufe ich Webseiten oder eine Mediathek auf? Was ist ein Browser?
Wir arbeiten mit Einzelterminen und Terminvereinbarungen. Wir bitten unsere Klienten, sich die Fragen im Vorfeld zu notieren und ihr Gerät mitzubringen, sodass wir die Fragen dann beim Einzelgespräch gemeinsam klären und Abläufe wiederholen können. Und: Wir empfehlen, das Gelernte zu Hause mehrmals zu wiederholen. Im Normalfall sind wir drei bis vier Digitalbotschafter vor Ort. Wir möchten uns gerne Zeit nehmen, daher vergeben wir stundenweise Termine. So können wir in zwei Stunden maximal acht Personen betreuen. Außerdem bieten wir Hausbesuche an. Ab 12. Januar werden wir, zusätzlich zu unserem Angebot in Speyer, auch Termine im Bürgerhaus Dudenhofen anbieten.
Was ist das Schwierigste daran?
Die Aufgaben sind nicht schwierig. Es geht vielmehr um alltägliche Anwendungen, die für unsere Klienten wichtig sind. Schwieriger ist es, begreiflich zu machen, dass das Smartphone und das Tablet hilfreich sind, und man keine Angst davor haben muss. Man kann nichts falsch machen. Und wenn doch etwas schiefgegangen ist, dann gebt es uns. Wir können es wieder richten.
Warum machen Sie es gerne?
Ich war schon immer ehrenamtlich tätig. Ich habe 44 Jahre Fußball gespielt und innerhalb des Vereins in vielen Ehrenämtern mitgewirkt. Auf die Idee, mich als Digitalbotschafter zu engagieren, ist meine Frau über eine Anzeige gekommen. Warum macht mir das Spaß? Ganz einfach: Ich helfe Menschen – und diese sind dankbar dafür, dass ihnen jemand diese Dinge zeigt. Das Wichtige ist, Unsicherheiten zu nehmen und der Person wieder etwas Lebensmut zu geben. Und, wir sind nicht nur ehrenamtlich tätig, sondern kommen beispielsweise auch für unsere Visitenkarten, Flyer oder auch die Website selbst auf.
Was war ein besonderes Erlebnis?
Es gibt nicht einen einzelnen schönen Fall. Viele Menschen haben Angst, sich zu blamieren oder etwas falsch zu machen. Sie kommen verzweifelt zu uns, weil sie das Gerät nicht bedienen können. Dafür überwinden sie ihre eigene Angst. Wenn sie dann mit einem Lächeln rausgehen und sagen: „Ich bin beim nächsten Mal wieder da“, dann haben wir genau das erreicht, was wir wollen. Auf zwischenmenschlicher Ebene baut man auch eine Verbindung zu der Person auf.
Wissen die Menschen Ihren Einsatz zu schätzen?
Die Menschen nehmen unsere Unterstützung mehr als dankbar an. Ich merke die Wertschätzung, wenn sie mit einem Lächeln aufstehen, sich bei jedem einzelnen von uns bedanken oder auch, wenn sie einen neuen Termin vereinbaren möchten. Schön ist auch, wenn ich plötzlich mal einen Videoanruf erhalte: „Ich wollte nur mal testen!“ Und auch das ist völlig in Ordnung und freut mich.
Was macht Ihre Aufgaben besonders?
Für mich ist es eigentlich nichts Besonderes, sondern selbstverständlich. Vielmehr sind es die Erkenntnisse, die ich heute nach vier Jahren Digitalbotschafter erhalten habe. Denn ich habe nie damit gerechnet, dass eine Generation so abgehängt ist. Und die Erfahrung musste ich auch erst selbst machen. Eine Motivation ist, den Leuten helfen zu können.
Welchen Tipp würden Sie Interessierten mitgeben?
Wenn die Person in der Lage ist, mit Menschen zu kommunizieren – und, was viel wichtiger ist: zuzuhören und zu verstehen – dann ist sie bei uns klasse aufgehoben. Es geht nicht um Fachwissen, sondern um die alltäglichen Dinge, die wir mit dem Handy machen.
INFOS
www.digitalbotschafter-speyer.de, Anmeldung bei Peter Demsar unter 0179 2380 744 oder DigiBo.demsar@pdemsar.de.