Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Die Rockmusikszene in und um Speyer ist von der Corona-Krise schwer getroffen

Ist jetzt Abstrichzentrum: die Halle 101 in Speyer.
Ist jetzt Abstrichzentrum: die Halle 101 in Speyer.

Wir haben zu ihrer aktuellen Situation in der Corona-Krise Karl-Heinz Osche von Kulturverein Dudenhofen, Paty Fasekasch vom Rockmusikerverein und Bernd Baumann, der eine Firma für Veranstaltungstechnik leitet, gefragt.

Jeden Tag eine neue Horrormeldung über Corona. Die Hysterie steigt und das Hamsterrad der Hamsterkäufe scheint sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Die Arbeitsplätze in der Toilettenpapierindustrie sind gesichert. Dafür stehen Hunderttausende anderer Jobs auf dem Spiel, die schon in normalen Zeiten oftmals prekär sind.

In und um Speyer stehen drei Personen gerade in unterschiedlicher Betroffenheit einer außer Kontrolle geratenen Situation gegenüber. Karl-Heinz Osche, Manager der Band Guru Guru und zweiter Vorsitzender des Kulturvereins Dudenhofen kann die derzeitige Situation aus zwei Blickwinkeln betrachten: „Bei zwei meiner Künstler sind jetzt bis in den April sämtliche Konzerte abgesagt. Die werden erstmal nichts verdienen, wie es danach weitergeht, wird man sehen. Mit unserem Kulturverein sind wir da in einer etwas besseren Lage, da wir keine Immobilie und keine Fixkosten haben. Bei uns ist alles Ehrenamt und die Veranstaltungsstätten sind öffentlich, das heißt, wir können unsere Krautrock-Nacht verschieben. Müssen nur einen Termin finden, was nicht einfach wird, da bei Guru Guru ebenfalls die Apriltermine nach hinter verschoben wurden“, gibt sich Osche relativ entspannt.

„Es sieht übel aus“

Dramatischer ist die Lage beim Rockmusikerverein (RMV). Paty Fasekasch hat trotz starker Grippe (kein Corona!) noch zum Hörer gegriffen: „Es sieht übel aus, wir haben noch für etwa ein, zwei Monate Luft, aber danach ist Feierabend. Es hängt jetzt davon ab, ob man die Kultusministerin beim Wort nehmen kann. Die Halle gehört der Stadt, aber auch da ist noch nichts beschlossen. Wir wären sehr froh, wenn es schon klare Ansagen gäbe, wie es weitergeht, denn wir sind nicht nur eine Veranstaltungshalle, sondern bieten auch von der Guggemusik bis zu lokalen Bands Proberäume und sind ein Fixpunkt der Speyerer Musikszene. Das wäre unwiederbringlich passé. Selbst die im Raum stehenden Steuerstundungen oder Kredite würden das Liquiditätsproblem ja nicht beseitigen, sondern lediglich auf die Zukunft verlagern. Und nach der Sperre wird ja auch nicht sofort die nächste Veranstaltung laufen, das wird kaum von 0 auf 100 gehen, selbst wenn man heute schon einen Termin wüsste. Viele unserer Veranstalter haben uns zum Glück die Treue gehalten und Termine nur verlegt“, ist sie dankbar für den Rückhalt. „Jeder von uns schaut gerade, was Stand der Dinge ist, wo wir Unterstützung herbekommen. Sonst müssen wir die Halle dichtmachen!“ Die Zukunft sieht nicht rosig für den RMV.

„Es wird nicht einfach“

Ins gleiche Horn stößt Bernd Baumann, Geschäftsführer der Firma PRO.TEC/audio, der mit seiner Bühnen-, Licht- und Tontechnik in ganz Deutschland Veranstaltungen vom kleinen Vereinsfest bis zum großen Musik-Open-Air-Festival zum Leben erweckt. „In etwa zwei Monaten ist Feierabend. Mir sind 99 Prozent der Aufträge weggebrochen. Ich werde in ein paar Wochen einen Kredit brauchen, um liquide zu bleiben. Die Kosten habe ich schon soweit runtergefahren, wie es geht, aber ganz auf Null geht halt nicht. Und Ende April geht das ja auch nicht sofort wieder los, die meisten Großveranstaltungen haben ein Jahr Planungszeit, die Fußball-EM ist verschoben, da waren auch etliche Aufträge von betroffen – wann das stattfindet, weiß keiner – und ob es uns dann noch gibt“, stellt Baumann die Schicksalsfrage in den Raum. „Für die Veranstaltungsbranche ist das existenzbedrohend und bei Banken und Ämtern habe ich schon angerufen, da weiß keiner etwas, wie das große Hilfsprogramm aussieht und wer zuständig sein wird. Es wird auf jeden Fall nicht einfach“, übt sich Baumann im Understatement.

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