Speyer „Die Ordnung gefällt mir sehr gut“
Dudenhofen. Besucht man zur Mittagszeit den Martinshof Beck in Dudenhofen, riecht es nach frisch gekochtem Essen, überall sitzen verschwitzte Arbeiter im Schatten und erholen sich von der schweren Feldarbeit. Deutsch wird kaum gesprochen, der Großteil der 120 Feldarbeiter kommt aus Rumänien, nur noch fünf sind Polen. „Früher waren das viel mehr“, sagt Bärbel Ballreich, Tochter von Chef Theo Beck. Die Polen gehen mittlerweile lieber nach England oder Spanien, glaubt sie. „Zum Glück kommen dafür aber sehr viele Rumänen.“ Deutsche fände man für die harte Arbeit auf dem Feld so gut wie keine. „Unsere Arbeiter gehören für uns zur Familie“, sagt Ballreich. Momentan ist Hauptsaison, in der Spargel- und Erdbeerzeit sind 100 Arbeiter mehr angestellt, als im Rest des Jahres. Ein Großteil kommt auf dem Hof selbst unter, deswegen haben die Arbeiter nicht viel Kontakt zu den Menschen, die in Dudenhofen leben. „Viele treffen die Leute aus dem Ort nur beim Einkaufen, das ist eigentlich schade“, sagt Ballreich. Deswegen berichten jetzt zwei Arbeiter aus Polen und zwei aus Rumänien, was sie nach Dudenhofen getrieben hat und wie sie die Deutschen sehen. Mariola Stasiak, Pyritz, Polen „Ich bin 2007 zum ersten Mal nach Dudenhofen gekommen. Ich wollte vor allem Geld verdienen, bei uns in Polen ist das nicht so einfach. Im ersten Jahr bin ich nur zwei Monate nach Deutschland gekommen, den Rest des Jahres habe ich als Kosmetikerin in Polen gearbeitet. Mittlerweile bin ich das ganze Jahr hier, arbeite an der Sortiermaschine und bei der Qualitätskontrolle auf dem Erdbeerfeld. Mein Heimatdorf in Polen liegt nahe an der deutschen Grenze, deswegen sind die Unterschiede zwischen den Menschen nicht so groß. In Polen sind wir alle vielleicht noch ein bisschen gläubiger. Die Deutschen sind mir gegenüber immer sehr freundlich, da kann ich mich nicht beschweren. Ich habe mittlerweile einen rumänischen Freund, den ich in Dudenhofen kennengelernt habe und spreche jetzt schon drei Sprachen.“ Gergely Kupas, Batos, Rumänien „Ich komme seit acht Jahren nach Dudenhofen, früher war ich nur im Sommer hier, seit fünf Jahren komme ich schon im Januar. Im Moment bin ich mit der Spargelernte beschäftigt, aber ich mache eigentlich alles, was gemacht werden muss. Hier verdient man viel besser als bei mir Zuhause. Bei den Deutschen fällt mir auf, dass sie viel besser organisiert sind, als die Menschen in Rumänien. Dort ist alles etwas chaotischer. Aber die Ordnung gefällt mir sehr gut und ich habe mich, glaube ich, auch gut angepasst. Die Leute vom Hof unterhalten sich sehr gerne mit uns, ansonsten treffe ich die Leute aus dem Ort eigentlich nur beim Einkaufen.“ Nikoleta Dobrin, Sibiu, Rumänien „Ich bin 2008 das erste Mal nach Dudenhofen gekommen und arbeite mittlerweile an der Spargelschälmaschine in der Halle. Eigentlich arbeite ich in Polen in einer Fabrik für Jogginganzüge an der Nähmaschine, hierher komme ich in meinem Urlaub. Mein Chef gibt mir gerne Urlaub, er ist froh, dass er mich hat, weil die jungen Leute in Rumänien diese Arbeit an der Nähmaschine nicht mehr machen wollen. Ich habe Glück, dass ich den Job hier machen kann, es gibt so viele Rumänen, die gar keine Arbeit haben. Für mich ist es super, hier etwas dazuzuverdienen und ich fühle mich hier wirklich als Teil einer großen Familie.“ Swenja Bucior, Biłgoraj, Polen „Ich arbeite schon seit 14 Jahren für die Familie Beck in Dudenhofen. Davor habe ich in Polen in der Küche gearbeitet, deswegen koche ich jetzt auch hier am Mittag für alle Arbeiter, die immer sehr hungrig sind. Bis vergangenes Jahr habe ich alleine für alle 120 Leute gekocht, mittlerweile habe ich Unterstützung und bin noch so etwas wie die rechte Hand der Chefin geworden. Der große Unterschied zwischen Deutschland und Polen ist natürlich der Lohn, in Polen gibt es viel weniger und es ist ganz schwer, überhaupt eine Arbeit zu finden. Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, die Leute waren immer sehr nett zu mir.“