Speyer
Die Lage als Trumpf: Wie der Betrieb im Guesthouse läuft
Betriebsleiter Michael Reuter hat die problematischen Zeiten nicht miterlebt. Er hat im November 2022 die Verantwortung für das Guesthouse in der Bahnhofstraße 44 übernommen und kann sich seither über jährlich verbesserte Buchungs- und Auslastungszahlen freuen. „Wir sind in der Aufbauphase“, sagt er. Das Angebot werde immer bekannter. Mundpropaganda spiele eine wichtige Rolle, etwa bei Geschäftskunden, die den Konferenzraum nutzen, aber sich nach dem Guesthouse-Prinzip auch längerfristig einbuchen könnten. Wochen, Monate, Jahre – es gebe alle Modelle. Ein Beispiel: Jobanfänger in Speyer, die noch eine eigene Bleibe suchten.
Über besagte Mundpropaganda kämen auch mehr und mehr Besucher von Speyerern zum Übernachten ins Guesthouse. Der Bekanntheitsgrad steige. Touristen buchten über die klassischen Wege wie Urlaubsportale im Internet – deshalb sei es umso wichtiger, dass das Hotel mit 44 Zimmern inzwischen bei Booking.com auf die Top-Bewertung von 9,1 Punkten komme. „Damit sind wir in Speyer vorne“, sagt Reuter. Bei seinem Antritt habe der Wert 8,5 betragen. Das touristische Geschäft sei wie in der ganzen Region stark saisonabhängig mit Flauten in den ersten Monaten des Jahres. Deshalb betonen Reuter und die Guesthouse Speyer GmbH als Betreiber die Bedeutung des Standbeins „Longstay“/Geschäftsreisende, wobei sie nicht genau beziffern können, welchen Anteil dieses hat.
Das Guesthouse arbeitet personell schlank. Zu Reuter kommt eine Verwaltungskollegin, Reinigung und andere Dienstleistungen dazugenommen sind fünf Köpfe beschäftigt. Der Betriebsleiter ist dabei auch persönlich zuständig für das Frühstücksangebot, das im vergangenen Jahr dazugekommen ist. Es wurde bei der Eröffnung noch nicht angeboten, macht das Angebot aber inzwischen flexibler. Buchungen sind mit oder ohne Frühstück möglich, in verschiedenen Zimmerkategorien mit oder ohne Balkon beziehungsweise Terrasse sowie mit ganz unterschiedlicher Dauer. Ein Trumpf sei die Lage in Bahnhofsnähe, aber auch die Möglichkeit, das Auto nach der Anreise auf dem großen Hotel-Parkplatz abzustellen.
Reuter ist stolz, dass sein Frühstücksbüffet den nachhaltigen Ansatz untermauert, für den das auch mit Photovoltaik und E-Ladepunkten ausgestattete Guesthouse stehe. Er setzt auf Produkte aus der Region, kauft Obst in angrenzenden Denn’s Biomarkt, Wurst bei Heiss und Brot bei Lencknereit in Speyer. Bestellungen holt er mit dem Fahrrad ab. Auch Kaffee und Tee seien „keine Massenware“. Das Wenige, das übrig bleibt, werde nicht weggeworfen, sondern der Tafel gegeben, betont der Manager, der zuvor im Vertrieb berufliche Erfahrungen gesammelt hatte. Wer kein Frühstück buche, könne die in allen Zimmern vorhandene Kochnische nutzen.
„Es ist akribische Kleinarbeit“, sagt der Verantwortliche über den Hotelbetrieb – und den Weg zu den 9,1 Bewertungspunkten, auf die er immer wieder zurückkommt. Stolz sind er und die badischen Investoren, die hinter der GmbH stehen, auch darauf, dass dem Gebäude die fünf Jahre nicht anzumerken seien: „Sieht aus wie neu.“ Dafür werde auch etwas getan. Die Maler seien gerade vor wenigen Tagen wieder da gewesen und die Flure jetzt wieder unbefleckt – auch das gehöre zu ihrem „Qualitätskonzept“.