Speyer Die Kirche glänzt wieder
. Auch in den eigenen Angelegenheiten mahlen Gottes Mühlen manchmal langsam, dafür stetig: Noch im letzten Jahrtausend hatte Dudenhofens damaliger Pfarrer Otto Happersberger die Turmsanierung der Pfarrkirche St. Gangolf beantragt, am kommenden Sonntag feiert die Pfarrgemeinde den Abschluss der äußeren und der inneren Sanierung der Kirche. Markus Zürker, bis Ende vergangenen Jahres Kirchenrechner in Dudenhofen, sagt: „Während der Arbeiten kam das und das, und immer mehr dazu. Die Finanzierung wurde nach und nach aufgestockt.“ Die letzte große Renovierung erlebte Zürker, der neben der Kirche wohnt, in den Jahren 1969 bis 1972, den letzten Innenanstrich Mitte der 1980er Jahre. Ab den 1990ern wurde es dem ehemaligen Pfarrer Happersberger beim Blick hoch zum Turm regelmäßig schwummrig. Er befürchtete, dass der mehr als 200 Jahre alte Turm auf die Köpfe der Gläubigen krachen könnte und reichte 1995 beim Bischof das Gesuch zur Turmsanierung ein, berichtet Edgar Vögeli, bis Ende Dezember stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Pfarrgemeinde: „Gedacht war außerdem an einen Anstrich außen und die Ausbesserung des Daches. Von innen war keine Rede.“ Ein Jahr folgte auf das andere, Pfarrer und Pfarrei „hakten gelegentlich nach“, irgendwann setzte das Bauamt des Bischöflichen Ordinariats St. Gangolf auf seine Prioritätenliste der sanierungsbedürftigen Kirchen. 2012 sandte die Diözese den Bewilligungsbescheid, 2013 sollte am Turm begonnen werden. Da war auch schon das Mauerwerk des Kirchenschiffs marode. Markus Zürker sagt: „Viele Sandsteine waren lose, defekt, zerbröselt, die Fugen ausgewaschen.“ Die Kirchenmauern sind drei-schichtig: Außen Sandstein, dann Backstein, Beton oder was gerade zur Hand war, innen der Verputz. Zwei Jahre dauerten die Sanierung des Turms, des Dachstuhls, die Dacherneuerung und die Außenrenovierung. Und ein Jahr lang stand die Kirche in der Zeit gar ohne Turm da. An Baukosten summierte Kirchenrechner Zürker 1,03 Millionen Euro (zur Hälfte getragen von der Diözese und der Ortskirche), weitere 180.000 Euro Nebenkosten, die das Ordinariat beglich. Von oben und außen ging’s nahtlos weiter ins Kircheninnere. Vögeli: „Schrittweise kam dann eins zum anderen.“ Zum Beispiel der Wunsch, die rußige, dreckige Innenansicht zu erneuern und zuvor die Heizung auszutauschen. Die stammte von 1969 und hatte wiederholt ihren Geist aufgegeben. Kostenpunkt: 202.000 Euro. Ziel war es, die Sanierung von 1969 weitgehend rückgängig zu machen und zu schauen, was von der alten Ausmalung noch vorhanden ist. Es sollte der Zustand vor der letzten großen Sanierung wieder hergestellt werden. Zürker: „Modern war in den 1960er, 70er Jahren auszuräumen und den Kirchenraum kahl und leer zu belassen.“ Zur Primiz von Alexander Klein am 28. Juni sollte alles fertig sein. Über die Innenrenovierung, an der zwanzig Firmen beteiligt waren, berichtet Edgar Vögeli: „Die Kirche einschließlich Chor wurde farblich völlig neu ausgestaltet, das schokoladenbraune von den Altären abgekratzt, ihre Holzstruktur zurückgeholt, der Hintergrund der Altäre bunter bemalt, auf der Empore ein neuer Boden verlegt, die Rückfenster freigeräumt, sämtliche Nebenräume wurden gestrichen, unter den Fenstern Sandsteingesimse eingezogen.“ Fast fertig ist der restaurierte, wiederaufgestellte Taufstein von 1878, der im Zuge der „Modernisierung“ 1969 entfernt wurde und in einer Scheune einstaubte. Er wird künftig als Weihwasserbecken genutzt. Den Eigenanteil der Pfarrei für die Innensanierung bezifferte Zürker mit 135.000 Euro. Bliebe noch die Orgel. Edgar Vögeli erzählt: „Die war schon seit 20 Jahren ein wirtschaftlicher Totalschaden, nicht mehr zu reparieren, wurde komplett abgebaut und als Ersatzteillager nach Polen verkauft.“ Zürker ergänzt: „Eine neue in der Preisspanne 500.000 bis 700.000 Euro können wir uns nicht leisten.“ Werde irgendwann, irgendwo in einer anderen Kirche eine in der für Dudenhofen passenden und finanziell machbaren Größe abgebaut, sind als Kaufinteressenten auch Zürker und Vögeli vor Ort.