Speyer Die Königin kommt früh

DUDENHOFEN/WALDSEE. Theo Beck vom Martinshof in Dudenhofen baut Spargel an, seit er auf der Welt ist, sagt er. „Naja, nicht ganz, aber schon mein Vater hat Spargel angebaut und ich bin damit aufgewachsen.“ Trotzdem erlebt der 73-jährige immer noch Überraschungen mit dem edlen Gemüse. Diese Jahr ganz besonders. Nicht nur, weil es so früh aus der Erde spitzt, wie kaum zuvor. Erst einmal habe er schon an einem 16. März mit der Spargelernte begonnen, sagt Beck. Dieses Jahr hat er zum ersten Mal am 18. März Spargel gestochen – und beim Essen die zweite Überraschung in diesem Jahr erlebt: „Ich staune über die Qualität, sie war selten so gut wie in diesem Jahr“, sagt er.
Heute beginnt er richtig mit der Ernte. Allerdings dauert es wohl noch ein paar Tage, bis größere Mengen gestochen werden können. „Im Moment ist das eher Spargel suchen als Spargel stechen“, erzählt Beck. Etwa 60 Kilogramm pro Hektar seien es im Moment, 200 Kilogramm müssten es schon sein, damit es sich lohne. In diesem Jahr, so hat er beobachtet, geht es viel langsamer los als sonst. Offensichtlich braucht der Spargel doch einen Kälteschock, um kräftig auszutreiben, vermutet er. Der Winter war sehr mild und der Kälteschock ist ausgeblieben.
Die frühe Ernte ist nur möglich, weil das Gemüse unter mehreren Schichten Folie angebaut wird. Das macht auch Roni Zürker vom Dudenhofener Spargelhof Zürker so. Er hat gestern mit der regelmäßigen Ernte begonnen, am Montag hatte er schon ein paar Stangen gestochen. Beck und Zürker erklären, wie der Anbau unter Folien funktioniert: Schon im Herbst wird eine schwarz-weiße Folie auf die Felder gelegt. Im Moment liegt sie noch mit der schwarzen Seite nach oben, damit die Wärme in die Erde kommt. Anfang des Jahres kommt ein Tunnel drüber und dann als dritte Schicht noch eine Lochfolie.
Ohne Folien würde die Ernte erst Wochen später beginnen. Wenn die Ernte richtig los geht, entfernt Beck die Lochfolie, lässt sie aber auf den Feldern liegen, so dass er sie kurzfristig wieder verwenden könnte, wenn es richtig kalt würde. Die Tunnel bleiben bis etwa zum 20. April auf den Feldern, die schwarz-weiße Folie bis zum Schluss der Ernte. „Aber man muss aufpassen, dass es nicht zu heiß wird“, sagt Zürker. Bei Temperaturen ab 40 Grad, die bei intensiver Sonneneinstrahlung schnell erreicht werden, verbrühen die Köpfe und werden matschig. Deshalb verfolgt er den Wetterbericht genau und dreht, wenn es zu warm wird, die schwarz-weiße Folie um, so dass die weiße Seite oben liegt. Theo Beck hat, was den Folienanbau angeht, in diesem Jahr noch eine weitere Überraschung parat: „Ich habe noch nie erlebt, dass die Spargel mit zwei Folienschichten fast besser werden als die mit drei.“
Generell nur zwei Folienschichten verwendet Elke Nieser vom Spargelhof Nieser in Waldsee. Ihr macht es nichts aus, dass sie mit der Ernte dann eine Woche später beginnt. Ende nächster Woche geht es auch bei ihr los. Wie ihre Kollegen hofft sie auf warmes Wetter, damit das Gemüse richtig wächst. Und auf wenig Wind. „Sonst wird der Spargel krumm“, sagt sie, auch wenn sie keine Erklärung für dieses Phänomen hat.
Ein Feld wird nur je zwei Wochen lang geerntet, erklärt Zürker, aber durch den Anbau verschiedener Sorten ist die Ernte bis Anfang, Mitte Juni möglich. Im Moment wird die frühe Sorte Gijnlim geerntet, später kommt die Sorte Baklim an die Reihe. Beck sagt: „Wenn es da sehr viel gibt, hören wir eher auf zu stechen. Wächst es nicht so gut, dann können wir die Ernte bis etwa 20. Juni hinausziehen.“ Man wolle ja die Stöcke nicht kaputt machen, indem man zu viel sticht.
Für die Erntehelfer, die inzwischen überwiegend aus Rumänien und zum Teil noch aus Polen kommen, sei der frühe Erntebeginn kein Problem. Sie wurden bereits vorgewarnt und kommen zum Teil schon in den nächsten Tagen in die Pfalz. Über den Preis wollen Beck, Nieser und Zürker nicht spekulieren. „Man sagt, die erste Sorte kostet am Anfang 16 Euro, aber die gibt es ja sowieso kaum“, sagt Beck.
Und wahrscheinlich erleben die drei schon bald die nächste Überraschung: „Die Erdbeeren blühen im Moment schon. Es könnte sein, dass wir zu Ostern schon die ersten Erdbeeren ernten“, sagt Nieser. (krx)