Speyer Die Jüngste singt sich in die Herzen

Katholiken und Protestanten schenken orthodoxen Christen aus Weißrussland drei Wochen Erholung. Das ist seit 24 Jahren Programm in Berghausen. Am 31. Juli sind wieder 32 Kinder und vier Betreuer aus seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 verstrahlten Gebieten angekommen. Die amtierende Ortsbürgermeisterin Käthe Maier (CDU) und der Tschernobyl-Kreis haben sie am Dienstagabend im Pfarrheim der Gemeinde St. Pankratius begrüßt.
Von der Einzigartigkeit ihrer Heimat singt Angelina, mit neun Jahren das jüngste Ferienkind, für die begeisterten Gastgeber. Alle haben das Mädchen ins Herz geschlossen, deren Urlaub in Deutschland mit einem Klinikaufenthalt in Speyer begonnen hat. „Wir sind froh, dass alles wieder gut ist“, berichtet Initiator Paul Neumann von großen Sorgen um das Kind, das jetzt fröhlich in der Tracht ihres Volkes durch den Saal tanzt. In wenigen Tagen feiert Angelina in Berghausen ihren zehnten Geburtstag. Maier und ihre Helfer tragen Bratkartoffeln, Fleisch und Salat auf die Tische. Hungrig greifen die Kinder zu. Ihre Blicke wandern immer wieder zu dem großen Karton, in dem kleine Geschenke der Römerberger auf sie warten. Noch vor dem Nachtisch verteilt Maier Schulmäppchen zum Aussuchen an die Zehn- bis 13-Jährigen. Mit einem deutlichen deutschen „Dankeschön“ antworten die Kinder. Für Neumann hat Käthe Maier einen Scheck mitgebracht, über den sich alle Tschernobylkreis-Mitglieder ganz besonders freuen. „Die für den Aufenthalt veranschlagten 15.000 Euro haben diesmal nicht ausgereicht“, weist Neumann auf RHEINPFALZ-Nachfrage auf steigende Transport- und Benzinkosten und gleichzeitig nachlassende Spendenbereitschaft hin. „Wir sind froh, dass wir den Aufenthalt trotzdem finanzieren konnten“, sagt er. Auch mit der Unterbringung der Kinder an den Wochenenden in Gastfamilien hätten sie in diesem Jahr große Probleme gehabt, berichtet er und ergänzt: „Nur mit der Unterstützung können wir den Mädchen und Jungen schöne Ferien bieten.“ Das aktuelle Ferienprogramm sieht noch einige Höhepunkte vor, bevor am 21. August die Rückreise der Besucher aus Weißrussland ansteht. Bis dahin wollen Kinder und Betreuer noch einiges erleben, besichtigen und feiern. Musiklehrer Nikolaj Wietschorko begleitet das Liebeslied an Weißrussland, das die Kinder im Chor singen, mit seinem Akkordeon. „Ich bin eine Weißrussin“: Alleine singt dann die zehnjährige Angelika für die amtierende Ortsbürgermeisterin, Verbandsbürgermeister Manfred Scharfenberger, Beigeordnete Brigitte Roos, Pfarrer Harald Fleck sowie die Tschernobylkreis-Mitglieder. Die Deutschlehrerin Tatjana Plaschtschinskaja übersetzt den Text. Die Geschenke sind schließlich ausgetauscht, Reden gehalten, das Kulturprogramm absolviert, der Nachtisch gegessen: Jetzt ist Fußball auf der Wiese angesagt. Darin unterscheiden sich weißrussische Jungen nicht von ihren deutschen Altersgenossen. (kya)