Speyer Die Hoffnung erfriert zuletzt
Dicke Wollsocken statt Flip Flops, Regenmäntel statt T-Shirts – der April hat in diesem Jahr mal wieder gemacht, was er will. Und das war vor allem: uns frieren zu lassen. Als Normalbürger reichte es, wenn man die Winterjacke für den Weg ins Büro noch mal rausholte, ernsthafte Folgen hatte die Kälte dagegen für die Landwirte. Für die Spargelbauern im Kreis waren die Temperaturen teilweise „fatal“. Aber die Hoffnung erfriert zuletzt. Eine Umfrage.
denkt gerne an den April 2015 zurück. „Da hatten wir Höchsttemperaturen“, sagt der Betriebsleiter des Martinshofs Beck in Dudenhofen. Gottwald ist erst 21 Jahre alt, aber bereits für die 40 Hektar Feld verantwortlich, auf denen seine Familie Spargel anbaut. „Im April 2015 haben wir täglich fast zehn Tonnen Spargel gestochen“, sagt er. Wie viele Tonnen es in diesem April waren? „Ungefähr drei am Tag.“ Der Frühling habe mit ein paar warmen Tagen zwar recht vielversprechend begonnen, aber danach habe die Kälte umso unerbittlicher zugeschlagen. „Wir kommen gar nicht richtig in Fahrt“, sagt Ballreich. Das gilt auch für seine Arbeiter. „Die Leute arbeiten zwei bis drei Stunden weniger am Tag als normal, teilweise können sie schon um drei Uhr Feierabend machen“, sagt Ballreich. Der einzige Lichtblick sei, dass die Preise sehr stabil, zuletzt sogar etwas gestiegen seien. „Der Markt wird eben noch nicht mit Spargeln überschwemmt“, sagt Ballreich. Doris Wüst ist beim Ruppertsäckerhof Vollkommer in Dudenhofen für den Spargel zuständig, immerhin ein Hektar groß ist das Feld. „Für uns ist die Kälte fatal“, sagt sie. Warum? „Wir arbeiten nicht mit vielen Folien und auf dem freien Land ist die Ausbeute bisher sehr bescheiden.“ Auch ihre Arbeiter könnten viel früher als normal Feierabend machen. Gerade mal 20 Kilogramm seien in den letzten Apriltagen täglich geerntet worden. Die Hoffnung hat Wüst aber noch nicht aufgegeben: „Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen“, sagt sie. „Die Wärme kann ja noch kommen.“ Spargelbauer Roni Zürker ärgert sich über den kalten April. Im vergangenen Jahr brannte die Sonne zu dieser Zeit schon vom Himmel, die Arbeiter mussten aufpassen, dass sie sich keinen Sonnenbrand oder -stich holten. Jetzt müssen sie aufpassen, dass sie sich nicht erkälten. „Bei gutem Wetter ernten wir 250 Kilogramm pro Hektar“, sagt Zürker. „Jetzt sind es gerade mal 80.“ Er könne dafür zwar etwas mehr Geld für die Spargel verlangen, „aber das gleicht den Verlust nicht aus“. Wie hoch kann man die Spargelpreise setzen, wenn man die Kunden nicht vergraulen, aber trotzdem kostendeckend arbeiten will? Diese Frage stellt sich Hartmut Magin. „Wir verkaufen im Hofladen den Spargel noch zu Saisonanfangspreisen, elf Euro das Kilo für Erste-Klasse-Qualität“, sagt der Mutterstadter Landwirt, der über „tierische Erntelöhne“ klagt. Die Feldarbeiter müssten lange Wegstrecken zurücklegen, bis überhaupt mal eine gewisse Menge Spargel in den Kisten ist. „Schuld an unserem Dilemma ist die Kälte, die Spargelwohlfühltemperatur liegt bei 18 bis 22 Grad an der Wurzel, da kommen wir derzeit bei Weitem nicht hin – trotz Folie.“ Bei Tagestemperaturen zwischen sieben und zehn Grad bringen selbst die Plastikplanen nichts. „Wir hoffen also auf warme Tage – nicht nur wegen der Erntemengen. Auch für unsere Helfer wird es Zeit, dass das Wetter besser wird – sie werden bei der Kälte krank, holen sich grippale Infekte.“ Auch beim Pfalzmarkt in Mutterstadt bekommt man die Temperaturen zu spüren. Sprecher Hans-Jörg Friedrich sagt: „Die Anlieferungen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen.“ Aber der April sei eben bekannt dafür, dass das Wetter auch mal schlechter ist. „Nur waren wir das wegen des vergangenen Jahres nicht mehr so gewöhnt.“ Jetzt liegt seine Hoffnung auf einem warmen Mai. Dann können die Spargelstecher auch endlich die Sonnencreme auspacken – und die dicken Jacken im Schrank verschwinden lassen. (btw/seed)