Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Die für die Stadt durchs Feuer gehen

Führungswechsel bei der Feuerwehr (von links): Michael Hopp geht, Peter Eymann kommt, OB Stefanie Seiler und Eymanns neuer Stell
Führungswechsel bei der Feuerwehr (von links): Michael Hopp geht, Peter Eymann kommt, OB Stefanie Seiler und Eymanns neuer Stellvertreter Markus Detzner.

Michael Hopp ist kein Mann der wehmütigen Art. Vielmehr ist er Realist. Am Samstag hat er Abschied genommen vom Amt des Stadtfeuerwehrinspekteurs (SFI) und nach 15 Jahren die Verantwortung an Peter Eymann weitergereicht. Die große Party blieb Corona-bedingt aus, die große Überraschung nicht.

Mit seiner kritischen Haltung gegenüber dem Ehrenkreuz des deutschen Feuerwehrverbands in Silber hat Hopp nie hinterm Berg gehalten. Bei der Feierstunde am Samstag im Historischen Rathaus wurde es ihm selbst angeheftet. Hans-Georg Balthasar, der Vorsitzende des Regionalfeuerwehrverbands Vorderpfalz, lobte Hopp ob seiner prägenden Verdienste und seiner steten Sorge um die Speyerer Wehr. Aber er vergaß nicht, die Erfolgsanteile aller Floriansjünger zu betonen – so wie Hopp zuvor in seiner Abschiedsrede.

„Gerade die Feuerwehr Speyer ist keine One-Man-Show“, machte der Mann der Tat und nicht des Wortes deutlich. Schon 1917 seien Entscheidungen gemeinsam getroffen worden – das Bild des damaligen Verwaltungsrates der Feuerwehr in seinem bisherigen Büro erinnerte ihn täglich daran. Wichtig waren Hopp die Gremienarbeit und die fachliche Beratung der Politik, betonte er und merkte nicht ohne Stolz an: „Ich lernte die Wertschätzung kennen, die unserer Wehr entgegenschlägt.“

Lebenstraum erfüllt

Das Vertrauen in ihn sei ihm stets Verpflichtung gewesen, sagte Hopp. „Ob ich es geschafft habe, die Wehr weiterzuentwickeln, müssen andere entscheiden.“ Seinem Nachfolger gab er einen Rat seiner Frau mit auf den Weg: „Entscheide nie im Zorn. Warte 24 Stunden und tu es dann.“ Ideen sollten vier Monate reifen. „Sind sie gut, werden sie sich durchsetzen“, so Hopp über die Ideen.

Eymann sagte, mit der Ernennung zum SFI gehe für ihn ein Traum in Erfüllung. Die roten Wagen der Feuerwehr in der Industriestraße hatten ihn schon als Kind fasziniert. „Es war ein klarer Wink des Schicksals, als ich 2015 die Stellenausschreibung für die Speyerer Wehr entdeckte“, dachte Eymann zurück. Damals war er in Köln stationiert.

Vertrauen in Team

Bereut hat der 41-jährige Neuhofener den Umzug zurück in die Pfalz nie. „Ich hatte nie das Gefühl, allein gelassen zu sein, sondern konnte von Anfang an auf ein kompetentes Team vertrauen“, hob er hervor. Dankbarkeit und Demut empfinde er nach der Wahl zum SFI, die schon im Januar 2020 erfolgt war (wir berichteten).

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) erkannte bei Eymann ein ebenso großes Pflichtbewusstsein wie bei seinem Vorgänger. „Er wird die Wehr sicher in eine nicht minder herausfordernde Zukunft führen“, äußerte sie sich zuversichtlich über die kommenden zehn Jahre und sprach von einer fachlichen, aber auch menschlichen Kompetenz, die der künftige SFI an den Tag lege. Humor und Gelassenheit diagnostizierte sie ihm ebenfalls.

Hopp prägt eine Ära

Mit dem Abschied Hopps gehe eine Ära zu Ende, so Seiler. Viele Veränderungen – vom Ende der Wehrpflicht bis zur Vereinigung von Ehren- und Hauptamt – habe er miterlebt. Für den am Tag darauf 60 Jahre alt gewordenen Hopp sei Loyalität „nicht nur ein Wort“ gewesen: „Er ging wirklich für uns durchs Feuer, nicht nur bei Einsätzen, sondern auch bei politischen Debatten.“

Als neuer stellvertretender SFI wurde in der Feier Markus Detzner beauftragt. Per Videobotschaft zugeschaltet war Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD). Einen persönlichen Abschiedsgruß gab es von Eymann für Hopp: eine kleine Pflanze als Symbol dafür, dass seine Saat aufgegangen ist und wachsen wird. Verzichten muss die Wehr längst nicht auf den früheren Chef: Im Einsatzdienst wird er noch bleiben.

Interview: Der neue Feuerwehrchef Peter Eymann

Herr Eymann, heute ist der große Tag da. Sind Sie traurig, dass der Kommandowechsel bei der Feuerwehr nicht wie vorgesehen im großen Stil gefeiert werden kann?
Wir hätten das in der Tat sehr gerne in der vorgesehenen Form gemacht, mit einem großen Fest in den Abendstunden. Vor allem für meinen Vorgänger Michael Hopp hätte ich mir das gewünscht, denn dieser hätte in seinen 60. Geburtstag wie geplant hineinfeiern können.

Also fehlt Ihnen der Rummel doch ein wenig?
Ich bin für alles offen gewesen. Man muss allerdings daran denken, in welcher Situation wir uns befinden. Wenn wir von den Bürgern Achtsamkeit vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordern, müssen wir Vorbilder sein. Das Runterschrauben der Gästezahl von 400 auf 50 war durchaus eine Herausforderung, aber wir haben uns auf den engsten Familien- und Kollegenkreis beschränkt.

Wie haben Sie sich auf den Samstag vorbereitet?
Mit meiner Frau Janine und meinem Sohn Julius war ich einige Tage in Köln. Dort haben wir neun Jahre gelebt. Jetzt hatten wir dort vor dem Kommandowechsel noch eine richtig schöne Zeit, haben langjährige Freunde besucht, die am Tag der Ernennung fest an uns gedacht und sich mit uns gefreut haben.

Blicken Sie entspannt oder eher nervös auf Ihre neue Aufgabe?
Ein wenig Nervosität ist immer dabei, aber das ist eher die Vorfreude, die ich empfinde. Ich habe das große Glück, seit 2016 in Speyer im Feuerwehrdienst sein zu dürfen. Das bedeutet, dass die Aufgaben von Michael Hopp auf mich nahtlos übergehen. Die Dinge, die anstehen, habe ich bereits miterlebt und gefördert und werde sie weiterführen.

Das sind zum Beispiel?
In erster Linie sind wir natürlich stark mit dem Neubau der Feuerwache in der Industriestraße befasst. Außerdem wird die Corona-Pandemie noch Dauerthema bleiben. Hier haben wir bewiesen, dass wir gemeinsam mit der Verwaltung sehr gute, nachhaltige Arbeit verrichten können. Des Weiteren steht die Beschaffung eines Tanklöschfahrzeugs an. Und: Wir werden versuchen, weiteres Personal zu bekommen. Eines ist also gewiss: Langweilig wird es mir nicht werden.

Peter Eymann.
Peter Eymann.
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