Speyer
Die besten Azubis aus der Region und ihre Pläne
Lukas Brickmann hat alle Hände voll zu tun. „Beim Einspeichen vom Rad kommt es auf den Zehntelmillimeterbereich an“, erklärt der Speyerer Fachmann. Einspeichen – das bedeutet, die symmetrisch angeordneten Speichen zwischen der Felge an ihren richtigen Platz zu bringen. Rund 30 Fahrräder machen der Zweiradmechatroniker und seine Kollegen beim Schifferstadter Zweiradhaus Mayer wieder flott – jeden Tag. Seit einigen Wochen ist der 22-Jährige ausgelernt und hat seine Prüfung mit Bravour bestanden. Als einer der besten Auszubildenden wurde er dafür von der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz ausgezeichnet. „Das macht mich natürlich stolz“, erzählt Brickmann. Doch nicht nur Schrauben ist sein Ding, auch Verkaufsgespräche lernte der Ex-Azubi während seiner Ausbildung im Schifferstadter Betrieb zu schätzen: „Mir liegt eigentlich beides. Aber verkaufen macht aktiv mehr Spaß.“ Seine Begeisterung für Fahrräder kam eher spät als früh, wie er erklärt: „Das Thema Fahrräder war bei mir kurz nach dem 18. Geburtstag gar nicht so präsent“, erzählt er.
Damals brannte er eher für die vierrädrige Fortbewegungsart. Autos waren seine Welt. Als er nach dem Abitur einen Nebenjob im Fahrradgeschäft anfing, änderte sich das allerdings. Er lernte die Flexibilität der Drahtesel zu schätzen. „Man kann sehr viel damit machen. Das geht vom Sportlichen bis hin zu der Oma, die mit dem Fahrrad Einkaufen fährt“, nennt er Beispiele. Mittlerweile hat sich Brickmann einen eigenen kleinen Fuhrpark zugelegt.
Zwölf Räder
Er besitzt zwölf Räder, von denen er zwei regelmäßig selbst fährt. „Der Schindelhauer für die Stadt und dann das Mountainbike.“ Damit ist der 22-Jährige sportlich unterwegs. Ein- bis zweimal pro Woche fährt er mit Kollegen oder Freunden rauf auf die Kalmit. Keins seiner Bikes sei mehr Standard, verrät der Schrauber: „Ich hab’ da das gemacht, was im Bereich des Möglichen liegt.“ Stehen bleiben, das ist nichts für den prämierten Gesellen. „Ich will etwas erreichen und bewegen“, sagt er. Irgendwann könne er sich vorstellen, einmal ein eigenes Geschäft zu haben und selbst Mitarbeiter auszubilden. Aktuell sei er jedoch sehr glücklich bei Zweirad Mayer und freue sich über die große Unterstützung im familiären Betriebsumfeld. Als Nächstes steht der Meister an der Handwerkskammer in Kaiserslautern und in Frankfurt auf seinem Plan. Außerdem tritt er beim Bundeswettbewerb für Azubis an. „Mal schauen, wohin der Weg noch führt.“
„Gewusst, was ich geschafft habe“
Für Ida Wetekam führte er aus Kassel zu den Brotpuristen nach Speyer. Die 22-Jährige ist genau wie Brickmann als eine der besten Auszubildenden prämiert worden. Doch wie verschlägt es jemanden aus Hessen in die Pfalz? „Ich bin extra wegen der Brotpuristen hergekommen. Wenn man sich ein bisschen in der Branche bewegt, dann hat man schonmal von ihnen gehört“, erzählt Wetekam. Auch in ihrer Freizeit backt sie unheimlich gerne. Schon mit elf oder zwölf ging das los, gemeinsam mit ihrer Oma. „Ich habe mir einen gebrauchten Etagenofen gekauft. Ist etwas eingerostet, aber geht noch. Der steht jetzt bei meinen Eltern in der Gartenhütte“, sagt sie lachend. Am liebsten backe sie Croissants und süße Teilchen. Aber auch das Sauerteigbrot der Brotpuristen hat es ihr angetan. „Das war eine tägliche Herausforderung, ein konstantes Qualitätslevel zu halten.“ Doch als sie am Ende der Schicht auf die gefüllte Auslage blickte, „wusste ich, was ich geschafft habe. Das war immer schön.“
Die Arbeitszeiten, daraus macht sie kein Geheimnis, seien verlockend gewesen: Bei den Brotpuristen in der Auestraße war Arbeitsbeginn für sie gegen 7 Uhr, nachts wird dort nicht gebacken. Sowohl die Ex-Auszubildende, als auch Inhaber Sebastian Däuwel von den Brotpuristen schwärmen gegenseitig voneinander. „Ida war super. Aufgeweckt, nett und interessiert, außerdem menschlich top“, sagt Däuwel. Freitags habe sie immer für alle Kollegen gekocht. „Ich hatte dort volles Vertrauen, das war schon toll“, freut sich die 22-Jährige. Und doch sprechen alle in der Vergangenheit über Wetekams Zeit in Speyer, denn trotz erfolgreicher Ausbildung blieb sie nicht bei den Brotpuristen. „Das hatten wir schon vor dem Start ausgemacht. Ich habe einen klaren Plan und will im Januar die Meisterschule in München besuchen“, erläutert sie. In der Zwischenzeit bleibt die „frischgebackene“ Gesellin reisefreudig: Sie hat sich in Bäckereien in London und Wien für eine Hospitanz beworben und will außerdem bei einer Getreidemühle mithelfen, „irgendwo auf dem Land in Nordrhein-Westfalen.“ Auch bei den Brotpuristen ist man „sehr traurig, dass Ida gegangen ist. Aber junge Leute wollen andere Dinge sehen und Erfahrungen machen“, sagt Däuwel. Doch die Tür beim Speyerer Bäcker stehe für sie immer offen.
Zur Sache
Als Prüfungsbeste geehrt wurden außerdem Alina Boehle aus Speyer, die beim Friseursalon Helen Schander in Dudenhofen arbeitet, Laura Eres aus Schifferstadt (Friseursalon Emine Funk, Speyer), Jannis Klein aus Altrip (Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Wärme-Wasser-Wohnkomfort, Waldsee) und Lena Lucia Schäfer aus Harthausen (Kauffrau für Büromanagement, Autohaus Cuntz, Speyer).