Speyer Die besondere Geschichte der Maier-Brüder

RÖMERBERG. Die Weltmeisterschaft hat viele verrückte Geschichten geschrieben: Da gab es den Uru-Vampir Suarez, den Schiedsrichter, der die Abseitsregel nicht kannte, die Nationalhymnen schmetternden Brasilianer – und die Brüder Franz (44) und Johannes Maier (38) aus Berghausen.
Donnerstags von der Chance erfahren, das Endspiel Deutschland gegen Argentinien live im Maracanã zu verfolgen, samstags den Flieger bestiegen und montagabends wieder in Frankfurt gelandet – das ist die Geschichte der Maier-Brüder. Johannes Maier, beruflich viel am PC, entdeckte die E-Mail des Deutschen Fußball-Bunds mit dem Angebot nachmittags und informierte sofort den Bruder, ebenfalls Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft. Für diesen blieben die Eintrittskarten vorbehalten. „Ich habe während der gesamten Weltmeisterschaft keine einzige Sekunde daran gedacht, dass sich diese Möglichkeit ergeben würde“, sagte Franz Maier im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Ich habe lange hin und her überlegt, nicht wegen dem Geld, wegen dem ganzen Aufwand und der Zeit“, meinte er gestern Morgen, als selbstständiger Schreinermeister schon wieder bei Trockenbauarbeiten in Speyer-Nord im Einsatz. „Ich bin schon noch etwa gerädert“ – die Folgen von jeweils drei Stunden unruhigem Schlaf auf Hin- und Rückflug. „Wenn ich jetzt die Meldungen von der Ankunft in Berlin im Radio höre, kriege ich immer noch eine Gänsehaut.“ „Jetzt bin ich doch froh, dass ich es gemacht habe. Ich will meiner Frau nicht zu nahe treten. Aber Rio war der schönste Tag in meinem Leben“, sagt er. 2000 Euro für den Flug, 500 für das Ticket und 150 in Reais getauschte Euro kostete der Spaß. Und es war noch nicht mal Maiers strapaziöseste Fußballtour: „1990 sind wir nach Rom gefahren. Jetzt waren es zwölf Stunden im Flugzeug, damals 18 Stunden im Bus. Und wir hatten keine Eintrittskarten, haben aber welche bekommen.“ Ein Rucksack reichte den beiden für den jüngsten Trip: „Eine Jogginghose für den Flug uns Zahnbürschdl“, berichtet Maier. Nach einem halben Tag in der Luft warteten um 4 Uhr morgens in Rio sechs Busse auf die 250 Fans. Maiers freundeten sich mit einem Nürnberger und einem Bayern-Anhänger aus Heidelberg an. Und los ging’s zum Frühstück zur Fanparty auf die Copacabana. Christusstatue oder Zuckerhut, lautete dann die Frage. Sie fiel auf die größte Art-Deco-Statue der Welt – fest in argentinischer Hand, wie der Berghausener erzählte: „Wo in der Stadt ein grünes Fleckchen war, die Argentinier bauten ihre Zelte auf.“ Zwei, drei Stunden vor dem Anpfiff trafen die Maiers im deutschen Fanblock im Stadion ein, den sie 90 Minuten nach dem Triumph wieder verließen. Mit der U-Bahn ging’s wieder an den Prachtstrand. „Das war eine einmalige Aktion“, fasste der 44-Jährige zusammen: „Es war die besondere Konstellation mit Rio. Südafrika 2010 kam nicht in Frage.“ Und der frühere Innenverteidiger des FV Berghausen, verheiratet mit der früheren Bundesliga-Handballtorfrau Silke Leonhardt, plant „auf gar keinen Fall“, 2018 nach Russland oder 2022 zu den Titelkämpfen nach Katar zu reisen. Wer mehr über das Abenteuer der Berghausener erfahren will, kann heute Abend, 18.45 Uhr, die Landesschau des Südwestrundfunks anschalten. Franz Maier ist zu Gast. Johannes Maier kehrte dagegen an seinen Arbeitsplatz nach München zurück.