Speyer Die Bühne für die Stars bereiten

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Ludwigshafen

. In seinem Job hat Philipp Barnett zwei Vorgaben: das Drehbuch des Autors und eine Budgetvorgabe des Studios. Dann hat er je nach Genre maximal eine Woche Zeit, den Ort für die Dreharbeiten auszustatten. Und zwar so, dass dort unfallfrei und authentisch gearbeitet werden kann. Das ist anspruchsvoller, als es im ersten Moment klingt. Wenn nur in einer Szene die Kulisse wackelt, weil die Handwerker gepfuscht haben, die Räumlichkeiten oder die Vegetation nicht zum Handlungsort passen, kann eine solche Produktionsverzögerung teuer werden. Für eine 30-minütige Comedy-Serienproduktion bleiben einem Herstellungsleiter gerade mal fünf Tage Zeit, vom Lesen des Drehbuchs bis zur Abnahme des Sets. Dann muss die erste Klappe fallen. In der Vergangenheit hat Barnett also binnen kürzester Zeit in und um Los Angeles zusehen müssen, dass die Kulisse etwa für die zweite Staffel der Comedyserie „Silicon Valley“ steht und der Regisseur loslegen kann. Sein bisher größtes Projekt als Herstellungsleiter ist die neue TV-Serie „Red Band Society“. Dafür hat er nicht nur eine längere Vorbereitungszeit eingeräumt bekommen, sondern die Regisseurin hat ihm auch sechs Millionen Dollar freigegeben, um binnen acht Wochen irgendwo in Atlanta die Illusion einer Krankenhausstation zu schaffen, in der sich krebskranke Jugendliche zusammenfinden, um ihr Schicksal gemeinsam zu meistern. Eine Hauptrolle als Krankenschwester spielt Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer. Was macht man mit einem Blankoscheck von sechs Millionen Dollar? „Ich habe mir einen Flug nach Atlanta buchen lassen“, berichtet Barnett von den ersten Schritten. Dann hat er das Drehbuch studiert und sein Netzwerk an professionellen Zuarbeitern aktiviert: von Kennern passender Drehorte über Experten für Statik- und Sicherheitsfragen am Set bis hin zur Kalkulation, wie aufwendig die effektvolle Kameratechnik sein darf, damit sie das Budget nicht überschreitet. Bei dieser Premiere hat der Sohn der Bundestagsabgeordneten Doris Barnett (SPD) auch davon profitiert, dass die staatliche Filmförderung für diesen Bundesstaat deutlich höher ausfällt als in Kalifornien. Und wenn alle Stricke reißen, trägt wenigstens das beauftragende Studio die Mehrkosten und nicht – wie in Deutschland – der Produzent und sein Team. Mehr Einfluss auf die Inhalte nehmen zu können, am Ende gar eigene Serien und Filme zu produzieren, bleibt der Wunsch von Philipp Barnett. Das würde auch die Möglichkeit eröffnen, eigene Ideen filmisch umzusetzen. Im Augenblick muss er sich strikt ans Drehbuch halten, kann nur begrenzt in der Inszenierung eigene Akzente setzen. Was auf der Fensterbank im Set steht, entscheidet der Szenenbildner, nicht der Herstellungsleiter. Und für die digitale Nachbereitung der gedrehten Szenen ist ein eigener Post-Producer zuständig. Philipp Barnetts Job beschränkt sich noch darauf, die Bühne für den Auftritt der Schauspieler zu bereiten. Das ist stressig und nervenaufreibend genug. Erst recht, wenn es gilt, den Ansprüchen namhafter Akteure oder Regisseure zu genügen und mit seinem Beitrag für eine erfolgreiche Produktion in guter Erinnerung zu bleiben. Irgendwann einmal will er selbst im Regiestuhl Platz nehmen. Seit drei Jahren arbeitet er überwiegend in den USA, hat aber die Drähte zur deutschen Filmproduktion nicht ganz gekappt. Nach dem Abitur an der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch in Ludwigshafen-Oggersheim hat er im Studio Babelsberg und bei Columbia Pictures in der Herstellungsleitung assistiert, ehe er an der Media Business School im spanischen Ronda seinen Master absolvierte. In den USA hat er unter anderem für die ABC-TV-Serie „Body of Proof“ begleitende Promotion gemacht und das „Making of“ für die Internetpräsenz produziert. Nach der Assistenz zur Herstellung von Serien für den führenden US-Kabelsender HBO bekam er jetzt die Chance, die neue Serie „Red Band Society“ zu realisieren. Die ersten 14 Folgen sind abgedreht. Wenn der Markt die Serie im Herbst annimmt, dürfte Barnett ein Folgeauftrag sicher sein. Im August hat er erst mal frei.

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