Interview
Dezernentin: „Ich erwarte, dass die Fußballfans Rücksicht nehmen“
Frau Münch-Weinmann, sind Sie eigentlich ein Fußball-Fan?
Ja, ein bisschen – früher mehr als heute. In meiner Jugend habe ich sogar mal Frauen-Fußball gespielt, unter anderem mit der St.-Hedwig-Jugend gegen die Handballfrauen des TSV und 11:0 verloren. In den letzten Jahren habe ich die Spiele im Radio verfolgt, da mir das Zuschauen manchmal zu spannend war. Inzwischen steckt mich mein sechsjähriger Enkel an.
Schauen Sie sich die WM, die jetzt in den USA, Mexiko und Kanada beginnt, im Fernsehen an?
Die WM 2026 finde ich aufgrund der politischen Situation in den USA und deren Umgang mit Mexiko und Kanada schwierig. Aktuell ruft dies bei mir keine Begeisterung hervor. Zusätzlich kommt die späte Uhrzeit der Spielanpfiffe. Wer tagsüber arbeitet oder andere Verpflichtungen hat, braucht ja nachts seinen oder ihren Schlaf.
Viele Speyerer werden die Spiele dennoch verfolgen, manche sicher auch mit Freunden. Ich frage zunächst mal nach dem privaten Bereich: Ist es zulässig, auch Spiele etwa auf dem Balkon zu schauen, die spätabends beginnen, wie im Fall der deutschen Vorrundenspiele zweimal um 22 Uhr? Wie verhält man sich dabei richtig?
Für Privatpersonen gelten die Regelungen des rheinland-pfälzischen Landesimmissionsschutzgesetzes. Demnach sind zwischen 22 und 6 Uhr zum Schutz der Bevölkerung Betätigungen verboten, die zu einer Störung der Nachtruhe führen können.
Aber es gibt sogar Spiele, die zu unserer Zeit nachts um 1, 2, 3 und 4 Uhr beginnen …
Natürlich verstehen wir, dass viele Fußballfans auch Spiele verfolgen möchten, die erst spät in der Nacht angepfiffen werden. Dennoch gilt: Die Nachtruhe ab 22 Uhr ist einzuhalten, unbeteiligte Dritte dürfen nicht gestört werden, entsprechend sollten die Spiele nach 22 Uhr nicht auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten geschaut werden.
Was dürfen Gaststätten, die Public Viewing anbieten, und deren Besucher?
Das Ministerium hat empfohlen, Ausnahmegenehmigungen für Spiele zu erteilen, deren Anstoß zwischen 8 und 22 Uhr (Mitteleuropäische Sommerzeit) erfolgt. Dieser Empfehlung kommen wir nach. So werden wir bei eingehenden Anträgen verfahren, die von der Gaststättenbehörde zu genehmigen sind. Die Fußballspiele dürfen bis zum Ende gezeigt werden und ab Beginn der K.o.-Runde solange, bis eine Mannschaft gewonnen hat.
Früher gab es nach Siegen bestimmter Nationen ausgiebige Autokorsos durch Speyer. Was ist, wenn diesmal nachts Runden etwa um den Postplatz gedreht werden?
Die Polizei ist für den fließenden Verkehr zuständig. Nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion wird sie entsprechend ihrer Einsatzanordnung auf mögliche Vorfälle reagieren können. Je nach Lage werden ad hoc Einsätze möglich sein.
Wie stellt sich das städtische Ordnungsamt für diese turbulente Zeit auf, dessen Vollzugsdienst zum Beispiel im Fall von Lärmbelästigungen eingreifen könnte?
Der kommunale Vollzugsdienst (KVD) wird im Rahmen seiner Dienstzeiten tätig sein. Ein besonderer Dienst für die Nacht wird nicht angeordnet beziehungsweise ist nicht vorgesehen. Bei Bedarf werden wir flexibel reagieren.
Erwarten Sie Lagen, in denen Ihre Behörde der Flut von Beschwerden nicht mehr Herr werden kann?
Inwieweit Beschwerden eingehen werden, wird sicherlich auch von sommerlichen Temperaturen und einer willkommenen Toleranz abhängig sein. Ich erwarte, dass die Fußballfans Rücksicht auf die Menschen in ihrem Umfeld nehmen, sodass die einen begeistert ihren Fußball schauen und die anderen gut schlafen können – dies gilt insbesondere für kleinere Kinder und ältere Menschen.
Und was wäre Ihnen lieber: ein deutscher WM-Sieg im Finale am 19. Juli oder ein frühes Ausscheiden der Deutschen und möglichst viel Ruhe in Speyer?
Sport ist Sport und da gilt es, möglichst zu gewinnen. Daher drücke ich allen Teams die Daumen, möglichst weit zu kommen – so natürlich auch der deutschen Mannschaft.
Zur Person
Irmgard Münch-Weinmann (66), ist seit 2020 städtische Beigeordnete sowie Ordnungs-, Verkehrs- und Umweltdezernentin im Stadthaus. Sie ist ausgebildete Erzieherin, Sozialpädagogin und Mediatorin.