Speyer Der Wolfsfilmer
Eine Stimme den Stimmlosen geben: Das möchte Philipp Czaya mit seiner Kurzfilmdokumentation „Saving Isegrim – A voice for the voiceless“ erreichen, die der Neustadter jetzt im Internet bei Facebook und Youtube eingestellt hat.
„Ich war immer schon an Wölfen interessiert“, bekennt der aus einem Jägerhaushalt kommende Czaya, der daheim mit einem rumänischen Hirtenhund immerhin einen Verwandten des Wolfes hat. Mit Unterstützung des Kurpfalz-Parks Wachenheim, der Mitarbeit des Bad Dürkheimer Wolfsexperten und Hundetrainers Michael Eichhorn und dank der von Freunden gratis überlassenen Gerätschaften zum Drehen konnte der 26-Jährige sein Filmprojekt umsetzen. „Den Wölfen habe ich sehr viel Respekt entgegengebracht“, erklärt Czaya lächelnd. Die beiden aus Tschechien stammenden Wolfsbruderpaare, Norbert und Ninjo (acht Jahre alt), Wutschko und Saschok (sechs Jahre), die im Wachenheimer Kurpfalz-Park leben, lernte er direkt im Gehege kennen. Dabei galt es im Umgang mit den zu den eurasischen Wölfen gehörenden Tieren auch zwei brenzlige Situationen zu überstehen, wie er sich erinnert. „Die Vorstellungsrunde war schon etwas krass: Ich wurde vom Alphawolf, dem ranghöchsten Tier, kritisch gemustert, als mitten im Gespräch die Aufforderung ,Sofort raus’ von Eichhorn kam“, so Czaya. Zwei Wölfe, die sich an seine Seite begeben hatten, gaben ihm dadurch unmissverständlich zu verstehen, dass es Zeit sei, zu verschwinden. Ein andermal spürte er beim Filmen im Gras liegend auf einmal eine Schnauze eines Wolfes im Rücken: Der Alpharüde hatte sich unbemerkt genähert und ihn abgecheckt ... Aber nicht nur der Mensch wuchs im Laufe der Zeit mit der Aufgabe, auch die Wölfe, umreißt es der Neustadter rückblickend und humorvoll. Vier Monate lang hat Czaya vier- bis fünfmal in der Woche gedreht. „Immer in meiner Freizeit“, betont der als Filmproduzent beim Meininger-Verlag beschäftigte Neustadter. Insgesamt dürften es wohl an die 500 Stunden reine Drehzeit gewesen sein, schätzt er. Lohn der Mühe ist ein fast sechs Minuten langer Film, der im Internet zu sehen ist. „Ich möchte beim Filmen mit Themen arbeiten, mit denen ich Menschen emotional erreichen und zum Nachdenken anregen kann“, sagt er: „Keine schwere Kost. Lieber Knöpfe drücken, um Verständnis werben.“ Mit seinem Porträt über den Wolf ist dies Czaja eindrucksvoll gelungen. Er befreit ihn vom jahrhundertealten Mythos des blutrünstigen Raubtiers und bricht für den lange Verfemten eine Lanze in seiner Rolle als ganz normal anzusehender Bestandteil der heimischen Fauna. 300 bis 350 freilebende Wölfe gibt es inzwischen wieder in Deutschland. In der Slowakei, die nur etwa so groß wie Bayern ist, sind es dagegen 400 bis 500, heißt es in dem Film. Für Czaya war es die erste Doku dieser Art. Als Nächstes schwebt ihm ein Beitrag über eine bayrische Auffangstation für ausgemusterte Zirkusbären vor – auch wenn der Neustadter „noch keine Ahnung hat, wie ich das gestalte“. Auch auf der Suche nach Sponsoren für sein Projekt ist er bislang noch.