Speyer Der Trägerrock hat vorerst ausgedient
Das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium (FMSG) ist zunehmend international geworden. Der Schüleraustausch in Europa und USA funktioniert auf beiden Seiten. Die „Studienbrücke Deutschland“ des New Yorker Goethe-Instituts ermöglicht zwei Amerikanern derzeit einen Aufenthalt in Speyer. Eine Brasilianerin hat den Weg ans FMSG auf eigene Initiative geschafft.
Englisch war für FMSG-Elftklässler am ersten Tag in der Oberstufe Pausen-Sprache. Unterhaltungen auf Deutsch wären mit Sophia Heß aus Brasilien und Lauren Geralczek aus North Carolina/USA etwas stockend verlaufen. „Das wird sich ändern“, ist Sophia sicher. „Ich bin zweisprachig aufgewachsen“, weist die 16-Jährige auf ihren Vater mit pfälzischen Wurzeln hin. Vielleicht will sie nach ihrem Abitur in Deutschland studieren. „Wenn, dann bestimmt Jura, wie mein Vater“, sagt sie. „Deutsch schreiben ist schwerer als reden“, meint die Elftklässlerin. Deshalb habe sie sich für die Leistungskurse Mathematik, Englisch und Sport entschieden. „Zahlen sind überall gleich, und Sport ist mein Lieblingsfach“, erklärt sie. In Brasilien gebe es kein Kurssystem, bedauert Sophia. „Wir müssen alle Fächer beibehalten.“ Besonders gefällt der jungen Brasilianerin, dass es im FMSG keine Schuluniform gibt.
„Jetzt bin ich hier“
„Ich brauche ein Jahr lang nicht den Trägerrock zu tragen, der in unserer Schule zur Uniform gehört“, freut sich auch Lauren, vor einer Woche angekommen. „Gasteltern, Lehrer und Mitschüler sind so nett“, schildert die 18-Jährige erste Eindrücke. Noch erzählt sie auf Englisch von ihrer Mädchenschule in North Carolina und vom langen Flug nach Europa. Mit sieben habe sie erste Kontakte mit Deutschen gehabt, berichtet sie. „Seitdem möchte ich die deutsche Sprache, Kultur und Gebräuche lernen.“ betont Lauren. „Und jetzt bin ich hier.“
„Sprachen sind bei uns keine Stiefkinder“
Seit zehn Jahren organisiere Lehrerin Marlene Kanthak jedes Jahr ein internationales Projekt, berichtet Schulleiter Erich Clemens. „Sprachen sind bei uns keine Stiefkinder“, weist er das Vorurteil zurück, das FMSG sei vor allem mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet.
Deutsch als Fremdsprache
Für Ende August habe sich Evamvid Sharma aus dem US-Bundesstaat Michigan für ein Schuljahr angesagt, weist Clemens auf einen weiteren internationalen Zugang aus dem Goetheinstitut-Projekt hin. „Wir sind die einzige Schule in Deutschland, die zwei Schüler aus dem Programm aufnimmt“, betont Lehrer Sebastian Beckmann. Deutsch habe an amerikanischen Schulen aber „nicht den gleichen Stellenwert wie Französisch oder Spanisch“. Ziel des Angebots sei, Deutschunterricht in den USA wieder stärker zu fördern. Sophia hat wenig Chancen, ihre Sprachkenntnisse nach dem sechsmonatigen Aufenthalt in Speyer weiter zu verbessern: „In Brasiliens Schulen wird nur Englisch und Spanisch angeboten“, sagt sie.