Speyer Der plötzliche Tod des Bürgermeisters und seiner Frau

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Warum sind der Bürgermeister von Berghausen und seine Frau vor 300 Jahren innerhalb zweier Tage gestorben? Das bleibt das Geheimnis des Heiligensteiner Kirchenbuchs, das Bernd Lohrbächer aus Römerberg für die RHEINPFALZ-Leser ausgewertet hat. Er hat festgestellt: Viele Männer und Frauen, die 1716 in Heiligenstein und Berghausen einheirateten, kamen von weit her.

58 Taufen, Eheschließungen, Sterbefälle und Konversionen sind im Heiligensteiner Kirchenbuch von 1716 aufgeführt. Allerdings wurde es vom Pfarrer nicht sehr sorgfältig geführt: So fällt auf, dass zu den insgesamt 17 vermerkten Sterbefällen gerade zwischen Juli und November keine Eintragungen vorgenommen wurden. Denn dass in diesen Monaten keine Einwohner verstorben sind, dürfte eher unwahrscheinlich gewesen sein. Und noch etwas fällt auf: In nahezu allen Fällen wurden die Toten bereits einen Tag später bestattet. Tragisch war vor allem das häufige Ableben von Säuglingen und Kleinkindern aufgrund der hohen Kindersterblichkeit in jener Zeit. Die meisten Kinder starben entweder gleich bei der Geburt oder wurden nur wenige Wochen alt. Was in diesem Zusammenhang besonders ins Auge sticht, sind zwei Einträge aus Berghausen (das zur Pfarrei Heiligenstein gehörte): am 2. Januar 1716 verstarb Maria Margaretha Klingert, die Schultheißin (Bürgermeisters-Frau) von Berghausen. Sie wurde am 3. Januar begraben. Einen Tag später, am 4. Januar 1716, verstarb der ehrbare Johannes Michael Klingert, Schultheiß (Bürgermeister) in Berghausen. Er lebte, so sinngemäß der lateinische Zusatz, in Berghausen viele Jahre ein gutes und schönes Leben als ein Beispiel für die Pfarrgemeinde. Was mag wohl der Grund gewesen sein, dass innerhalb von zwei Tagen die Eheleute Klingert starben? Zu den schönen Ereignissen zählten dagegen die Taufen. Insgesamt 15 Eintragungen betreffen hier Heiligenstein. Eine Taufe davon wurde vorgenommen vom Prior des Karmeliterklosters in Speyer, R.P. Eduardus á S. Arnoldo. Für Berghausen sind dagegen elf Taufen im Kirchenbuch eingetragen, bei denen zwischen 14. September und 14. Oktober der Karmeliterpater Fredericus á S. Joanne Baptist die Taufen vornahm. Aber auch über Taufen von sogenannten „Auswärtigen“ wird berichtet. So heißt es: am 15. Juli 1716 Taufe von Johannes Adam, Sohn von Lorenz und Maria Margaretha Culmann, aus Godramstein bei Landau. Taufpate: Johann Adam Kern aus Fulda. Oder etwa für 17. Oktober 1716: Taufe von Johannes Heinrich, Sohn von Mathias und Anna Maria Rottmüller aus Bayern. Taufpaten: Johannes Heinrich Helvich (Helwig), Schulmeister in Lingenfeld, und dessen Ehefrau Anna Catharina Helvich. Über eine Hochzeit, das „Fest der Feste“, wird insgesamt elf Mal berichtet. In jener Zeit erfolgte nämlich eine Eheschließung erst nach drei Vermeldungen durch den Pfarrer in der Kirche. Auffallend ist: Von den elf Eheschließungen sind fünf von Witwen oder Witwern geschlossen worden, das sind immerhin 45 Prozent. Weiterhin auffällig ist: die Einheirat von Auswärtigen (Diözese Mainz, Franken, Oberpfalz, Bayern) nach Berghausen und Heiligenstein. Ein paar Beispiele für Hochzeiten mit Auswärtigen: •16. Januar 1716: Eheschließung von Michael Hollenstein, Witwer aus Staufen in der Oberpfalz, mit Kunigunde, ehrbare Ehefrau des verstorbenen Johannes Georg Neukam, Bürger in Heiligenstein. •10. Februar 1716: Eheschließung von Christoph Beck, einem ehrbaren Jüngling, Sohn von Georg Beck und dessen Witwe Anna Barbara Beck aus Berghausen, mit der keuschen Jungfrau Anna Margaretha Krämer, Tochter des Johannes Krämer, Bürger in Metterbach, Diözese Mainz, in der Herrschaft Waldenburg, und dessen verstorbener Ehefrau Anna Margaretha. •4. Juni 1716: Eheschließung von Johannes Martin Nüsslini, einem ehrbaren Jüngling und Weber aus Stup(p)ach in Franken, mit der ehrbaren Witwe Anna Catharina Braun aus Berghausen. •16. Juni 1716: Eheschließung von Johannes Martin Knoch, einem ehrbaren Bürger und Witwer aus Berghausen, mit der tugendhaften Jungfrau Anna Maria, Tochter von Martin und Barbara Kämmerer aus Wechteringen in Bayern. •28. Juli 1716: Eheschließung von Thomas Schall, Bürger, einem ehrbaren Witwer und Leinenweber, mit der keuschen Jungfrau Anna Barbara Schmid, Tochter des Georg Schmid aus Eisenheim in Franken. Besonders interessant sind Übertritte zum katholischen Glauben und in die katholische Kirche. So ist am 7. Juli 1716, am Fest der Dreieinigkeit, in der Pfarrkirche Heiligenstein beim Gottesdienst Andreas Meinhorn aus Dornhausen bei Ansbach in die katholische Kirche aufgenommen worden, Zeugen waren Gangolf Scheffer, Schultheiß in Berghausen, und Christian Gerig (Jörg), Bürger in Heiligenstein. Ende November 1716 wurde in Heiligenstein beim Gottesdienst die Lutheranerin Christina Rickest(in) aus Riedlingen im Herzogtum Württemberg katholisch. Zeugen waren Daniel Weber, Schulmeister in Heiligenstein, und Johannes Michael Happenschuss aus Heiligenstein.

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