Speyer Der Liebe wegen Diakon geworden

Ist gestern noch mit den Messdienern der Großpfarrei Hl. Hildegard nach Rom gefahren: Diakon Markus Fleischer.
Ist gestern noch mit den Messdienern der Großpfarrei Hl. Hildegard nach Rom gefahren: Diakon Markus Fleischer.

Diakon Markus Fleischer ist auf dem Sprung. Nach acht Jahren in den katholischen Pfarreien in Römerberg wird er Anfang August seinen Dienst in der Pfarrgemeinde Geinsheim antreten. „Das ist keine Entscheidung gegen etwas“, betont der 47-Jährige.

„Ich gebe hier auch etwas auf“: Fleischer beschreibt Bindungen, die mit den Jahren gewachsen seien. Zu Messdienergruppen, Gemeindemitgliedern und Kollegen. Er hätte sich durchaus vorstellen können, zu bleiben, sagt er. Dennoch empfindet er seine Entscheidung als „richtig zum richtigen Zeitpunkt“. Irgendwann hätte ein Wechsel angestanden, ist sich Fleischer sicher. „Ich habe die Gunst der Stunde genutzt.“ Für unersetzlich hält sich der Diakon sowieso nicht. Sein Leben in Mechtersheim will er für die neue Stelle nicht aufgeben. Die 15 Kilometer bis nach Geinsheim könne er sogar mit dem Fahrrad bewältigen, sagt er und lacht. Mit dem Drahtesel durch die sechs zu Geinsheim gehörenden Pfarrgemeinden zu fahren, sei jedoch nicht möglich. In der Großpfarrei Hl. Hildegard sei das für ihn kein Problem gewesen, zumal er sich die Zuständigkeiten mit Pfarrer Josef Metzinger geteilt habe. „Er hat mir immer freie Hand gelassen“, betont der Diakon. Kita-, Messdiener- und Jugendarbeit, Erstkommunion-Vorbereitung, Familiengottesdienste und Religionsunterricht waren seine Bereiche. Die Geburtswehen der neuen Gemeindeordnung habe er hautnah miterlebt, Freud und Leid geteilt. Dass er am neuen Arbeitsplatz nicht mehr in die Schule gehen muss, bedauert er nicht. „13 Jahre dritte Klasse sind genug“, meint Fischer. Vor seiner Anstellung als Diakon habe er schon sein Praktikum in der Pfarrgemeinde Berghausen absolviert. So ungewöhnlich, wie die zweite Entsendung an den gleichen Ort, sei sein gesamter beruflicher Werdegang verlaufen. Geboren und aufgewachsen in Darmstadt, habe er nach dem Abitur Theologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Ziel: Priesteramt. „Die Liebe ist dazwischen gekommen“, erklärt Fleischer den beruflichen Umschwung zum Diakon. „Ich vermisse nichts“, betont er. Die Liebe von damals hat er geheiratet, der gemeinsame Sohn ist neun Jahre alt. So einfach, wie gedacht, habe sich die Anstellung als Diakon nicht angelassen, berichtet Fleischer von einer kurzfristigen Absage des Bistums in Speyer. Daraufhin habe er einen ganz anderen Weg eingeschlagen, in Kaiserslautern an einer Weiterbildung in Software-Dokumentation teilgenommen und anschließend in einer Mannheimer Werbeagentur gearbeitet. „Das hat Spaß gemacht, aber mich nicht ausgefüllt“, begründet er seine zweite Bewerbung als Diakon. „Dann ging es Schlag auf Schlag“, berichtet Fleischer vom zweijährigen Pastoralkurs ab 2003, dem gleichzeitigen Gemeindepraktikum in Berghausen und der Aussendung nach Busenberg bei Dahn 2005. Dass die Rückkehr nach Berghausen geklappt hat, erstaunt den 47-Jährigen noch heute. „Üblich ist das nicht“, sagt er. 2010 sei er in Friesenheim zum Diakon geweiht worden. WG-Erfahrung habe er mit dem damaligen Pfarrer Ralf Metz in dessen Pfarrhaus in Heiligenstein gesammelt, erinnert sich Fleischer an die ersten neun Monate seiner Amtszeit. „Unser Haus war noch nicht fertig“, erklärt er. 2011 sei er mit der Familie in das Mechtersheimer Eigenheim gezogen. „Das war für die Berghäuser schlimm“, sagt er. Als „gelernter Pfälzer“ habe er die Mentalität in seiner Wahlheimat inzwischen verinnerlicht. „Manche hatten zunächst Probleme mit meinem trockenen, schwarzen Humor“, sagt Fleischer. Seinem biblischen Leitspruch „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge“ sei er treu geblieben und folge ihm auch in Geinsheim, betont der Diakon. „Wie hier wird mir auch dort Leben in seiner Vielfältigkeit und Armseligkeit begegnen“, ist er überzeugt. „Es gibt überall Menschen, für die sich der Einsatz lohnt“, sagt Fleischer. Viele davon habe er in den vergangenen acht Jahren kennengelernt. Für seine Nachfolge sei bereits gesorgt. Ab 1. August tritt der 30-jährige Michael Gutting die Stelle von Fleischer in der Großpfarrei Hl. Hildegard an. Für Gutting sei es die erste Stelle als Diakon. Für Fischer beginnt die neue Ära in Geinsheim mit einem Schulgottesdienst.

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