Speyer
Depression: Auch die Familie braucht Unterstützung
Herr Tamke, warum braucht Speyer denn einen Markt für seelische Gesundheit?
Psychische Erkrankungen wie Depressionen betreffen nicht nur die erkrankten Personen, sondern auch deren Familien und das soziale Umfeld. Laut dem 8. Deutschland-Barometer Depression sind 45 Prozent der Bundesbürger direkt oder indirekt von Depression betroffen. In Speyer möchten wir mit dem Gesundheitsmarkt für seelische Gesundheit ein öffentliches Forum schaffen, um über psychische Erkrankungen aufzuklären, das Bewusstsein zu schärfen und praktische Hilfen anzubieten.
Dieses Mal wurde bewusst die Familie einbezogen. Spielt sie eine große Rolle für den Betroffenen?
Ja, die Familie spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Studien zeigen, dass drei Viertel der Angehörigen die Belastung für das Familienleben durch die Erkrankung als groß empfinden. Gleichzeitig werden Angehörige noch zu selten in die Behandlung der Betroffenen eingebunden. Deshalb ist es uns wichtig, Familienangehörige in unsere Veranstaltungen einzubeziehen und ihnen Informationen sowie Unterstützung anzubieten.
Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Ein Beispiel ist die Initiative „Stark im Sturm“, die Familien unterstützt, in denen ein Elternteil psychisch oder suchtkrank ist. Diese Initiative hilft insbesondere Kindern, die Belastungen zu bewältigen und die richtige Unterstützung zu finden. Solche Angebote zeigen, wie wichtig es ist, die gesamte Familie in den Blick zu nehmen. Ein weiteres Beispiel ist der Familiencoach Depression. Dieses Angebot der AOK richtet sich an Familien, die von Depressionen betroffen sind. Das Angebot ist darauf ausgelegt, die Resilienz der Familien zu stärken und ihnen zu helfen, gemeinsam mit der Erkrankung umzugehen. Das kann einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität darstellen.
Bekommen Betroffene in Speyer heute leichter Hilfe als früher?
Ja, in den letzten Jahren hat sich das Hilfsangebot für psychisch erkrankte Menschen in Speyer deutlich verbessert. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen wie der Sozialpsychiatrische Dienst, das Gemeindepsychiatrische Zentrum, Selbsthilfegruppen und weitere spezialisierte Beratungsdienste. Zudem bieten Veranstaltungen wie der Gesundheitsmarkt oder die Woche der seelischen Gesundheit Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten, um Betroffenen den Zugang zu Hilfe zu erleichtern.
Wird es gesellschaftlich akzeptiert, wenn man sich heute zu seelischen Problemen bekennt?
Es gibt Fortschritte in der gesellschaftlichen Akzeptanz, aber es besteht weiterhin Handlungsbedarf. Veranstaltungen wie der Gesundheitsmarkt tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für psychische Erkrankungen zu fördern. Durch Aufklärung und offene Gespräche möchten wir dazu beitragen, dass sich Betroffene nicht mehr stigmatisiert fühlen und Unterstützung suchen können.
Welche Rolle kann das Bündnis gegen Depression in diesem Zusammenhang spielen?
Das Bündnis gegen Depression Vorderpfalz setzt sich für die Aufklärung über Depressionen und die Verbesserung der Versorgung von Betroffenen ein. Wir organisieren Veranstaltungen, bieten Informationsmaterialien an und fördern den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten. Durch unsere Arbeit möchten wir dazu beitragen, das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu stärken und die Unterstützung für Betroffene und ihre Familien zu verbessern.
Zur Person
Dennis Tamke ist als Mitarbeiter des Rhein-Pfalz-Kreises zuständig für die Koordinierungsstelle für die gemeindenahe Psychiatrie. Zudem ist er einer der Sprecher des Bündnisses gegen Depression Vorderpfalz.