Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Delegation aus dem japanischen Hiraizumi: Buddhistische Tänze gefallen

Empfang vor dem Stadthaus: Delegation aus Japan mit Speyerer Gastgebern und der Stadtspitze.
Empfang vor dem Stadthaus: Delegation aus Japan mit Speyerer Gastgebern und der Stadtspitze.

Beim Japan-Festival NonkiCon in der Stadthalle haben sich Besucher in fantastischen Welten bewegt. Darüber hinaus sind sich junge Menschen auch menschlich näher gekommen.

Es wird viel gelacht, gestikuliert und nicht zuletzt miteinander gesprochen am Samstagmittag im VHS-Weiterbildungszentrum an der Stadthalle. Wobei vorwiegend weder Hochdeutsch noch Pfälzisch an die Ohren dringt. Vielmehr sind es exotisch klingende Wörter aus der japanischen Sprache, mit denen sich die überwiegend jugendlichen Mitglieder der Tanzgruppe Takkoku no Iwaya Bishamon Kagura mit Einheimischen aus nah und fern verständigen.

Zu den fernen Einheimischen zählt Oliver Pohl. Das Mitglied der Deutsch-Japanischen Jugendgesellschaft (DJJG) ist aus Berlin angereist, um die Jugendbegegnung in Speyer „hinter den Kulissen“ des NonkiCon-Festivals zu moderieren. „Ich bin selbst mit der DJJG in Japan gewesen“, sagt Pohl. Nach seinen tollen Erfahrungen in Nippon ist er dem Verein treu geblieben und engagiert sich inzwischen selbst unter anderem bei den Austauschprogrammen „Hallo Japan“ und „Hallo Deutschland“. Dabei besuchen junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren für sieben bis zehn Tage das jeweils andere Land.

Mehr zum Thema

Hingucker beim NonkiCon-Festival: der Auftritt der Tanzgruppe Takkoku no lwaya Bishamon Kagura aus Hiraizumi.
Speyer

Gemeinsam stärker

Residenzstadt Hiraizumi

Am weitesten gereist sind unter den Teilnehmern der Jugendbegegnung freilich die Gäste aus der alten japanischen Residenzstadt Hiraizumi. Die Heimat der Delegation mit Bürgermeister Yukio Aoki an der Spitze ist fast 9200 Kilometer Luftlinie von Speyer entfernt. Los Angeles in den USA ist ungefähr genauso weit weg. Bei den bisher zwei Bürgerreisen von Speyerern nach Japan anno 2019 und 2024 war Hiraizumi, gelegen in der Präfektur Iwate und der Region Tohoku, jeweils eine Station – und Empfänge im Rathaus für die Deutschen gehörten selbstverständlich dazu.

Aoki ist zwar schon 70 Jahre alt und erst sei kurzem Bürgermeister von Hiraizumi. Doch der verstärkte kulturelle und gesellschaftliche Austausch zwischen Bürgern seiner Heimatstadt und Speyer steht auf seiner Agenda ganz weit oben. „Ich habe mit Mitte 20 zehn Länder in Europa bereist. Das war ein Kulturschock für mich“, blickt Aoki im von Pascal Moser gedolmetschten Gespräch mit der RHEINPFALZ zurück.

Die Kulturgüter von Hiraizumi tragen seit 2011 ein besonderes Gütesiegel: Die dortigen Tempel, Gärten und weitere archäologische Stätten gehören zum Welterbe der Unesco. Damit steht die Stadt auf einer Stufe mit Speyer, deren Kaiserdom diese Auszeichnung bereits 1981 erhalten hat und die mit ihrem jüdischen Erbe seit 2021 ein weiteres Welterbe vorweisen kann.

Zum Weltkulturerbe Hiraizumis gehört die Tradition buddhistischer Tänze, wie Bürgermeister Aoki hervorhebt. Diese zu pflegen und an nachfolgende Generationen weiterzugeben versteht die Gruppe Takkoku no Iwaya Bishamon Kagura als ihre Aufgabe. Auf der Bühne im großen Saal der Stadthalle sind die Mitglieder der Formation am Samstag zweimal aufgetreten. Mit ihren synchronen und dynamischen Darbietungen haben sie dabei ebenso wie bei zwei weiteren Auftritten am Sonntag auf der Seebühne in Karlsruhe ihr Publikum begeistert.

Spiritueller Charakter

Kei (18) und Neon (16) sind zwei der fünf jungen Tanzkünstler, die die weite Reise nach Speyer unternommen haben. „Ich habe Tanzdarbietungen bei unseren Festen gesehen. Da wollte ich diese Kunst selbst erlernen und habe mich bei unserem Bildungszentrum dafür angemeldet“, sagt die 16-jährige Schülerin. Kumi (43) wirkt als Trainerin dort und hat bei den Auftritten der Gruppe in der Stadthalle die Trommel geschlagen und dazu gesungen. Bei dem 18-jährigen Kei hat das Interesse an japanischer Kultur den Ausschlag gegeben, sich der traditionellen Tanzkunst zu widmen.

Bürgermeister Aoki betont den spirituellen Charakter der Tänze zu gebetsähnlichen Gesängen: „Wir wollen das Beste für alle Lebewesen, ob Mensch oder Tier. So bitten wir die Götter in unseren Tänzen und Gesängen zum Beispiel um gute Ernten von Reis oder Bohnen.“ Gläubig zu sein, die Götter zu ehren – das seien Werte, die erhalten werden müssten, sagt er.

Speyers Kulturbürgermeisterin Monika Kabs (CDU) hat am Freitag bei einem Essen im Priesterseminar die Gäste aus Hiraizumi sowie den Generalkonsul aus Frankfurt, Takeshi Ito, willkommen geheißen. Am Montagmorgen hat dann Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) die Delegation aus Japan im Rathaus empfangen. Dabei sei der Wille zu einer Bürgerreise 2026 geäußert worden, wie Martin Moser von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Vorderpfalz mitteilt.

x