Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Das Technik-Museum ist wieder offen und manches ist und wird neu

Punkt neun Uhr vor dem Eingang: Noch war niemand da, aber schon vier Minuten später kamen die ersten Besucher. Und es wurden tro
Punkt neun Uhr vor dem Eingang: Noch war niemand da, aber schon vier Minuten später kamen die ersten Besucher. Und es wurden trotz des schlechten Wetters stetig mehr.

Fast auf den Tag genau zwei Monate nach seiner Corona-bedingten Schließung hat das Technik-Museum Speyer gestern wieder seine Türen geöffnet. Auch wenn bei strömendem Regen und kalter Luft zunächst kein starker Besucherstrom zu beobachten war, hat sich das Museum bereits gut gewappnet gezeigt für Technik-Fans. Die konnten gleich am ersten Tag zahlreiche Entdeckungen und einen größeren Fund machen.

Da hat sich das Museum selbst übertroffen: Obwohl zunächst die Öffnung von nur fünf begehbaren Hauptattraktionen in Aussicht gestellt gewesen ist, sind dann doch alle Flugzeuge, Schiffe und Hubschrauber – bis auf die wenigen, die restauriert werden – zugänglich gewesen. „Wir haben in unserem Museum in Sinsheim, das schon seit dem 6. Mai wieder geöffnet hat, gute Erfahrungen mit den Besuchern gemacht. Deshalb setzen wir auch in Speyer auf die Besonnenheit und Vernunft unserer Gäste und schließen keine Bereiche zu“, sagt Verwaltungsleiter Andreas Hemmer gegenüber der RHEINPFALZ.

Neues S als „I-Tüpfelchen“

Mit Besonnenheit und Vernunft spricht Hemmer die Befolgung der behördlich verordneten Corona-Hygieneregeln an: das Tragen einer Mundschutzmaske und die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern auf dem Museumsgelände. Damit sich „die Besucher bei uns sicher und wohl fühlen“, betont der Verwaltungsleiter, sind im Kassenbereich zudem Abstandsmarkierungen mit roter Farbe auf dem Boden angebracht und ist mit – ebenfalls roten – Pfeilen eine „Wegführung“ durch die Ausstellungen eingerichtet worden.

Die Hygiene-Regeln sind bei den mit Plexiglas-Schutzscheiben ausgestatteten Kassen angeschrieben, teilt Museumssprecherin Corinna Siegenthaler mit. Dort befindet sich auch ein Spender mit Desinfektionsmittel. Sie betont, dass der Eingangsbereich während der Zwangspause neu gestaltet worden ist, wozu ein frischer Anstrich zählt. Außerdem ist das mannshohe gelbe „S“ auf dem Dach des noch geschlossenen Forums und früheren Imax-Classic-Kinos, das ein Sturm kurz vor der Corona-Pandemie umgeknickt hatte, am Freitag ersetzt worden. Damit war das neue „S“ quasi das „I-Tüpfelchen“ der Vorbereitungen für die Wiedereröffnung.

Schöne Motive

Ingrid Hajek und Manfred Dillenburger aus Karlsruhe sind die Ersten, die kurz nach 9 Uhr Tickets kaufen.

Wenige Minuten darauf sitzen die Eheleute aus dem Badischen nebeneinander auf einer Bank in der Liller Halle und sind ins Zeichnen vertieft – des „Feuerwehrwagens“, wie Dillenburger mitteilt. Seine Frau gehört der Gruppe „Urban Sketchers Karlsruhe“ an, wie sie sagt. Hajek ist froh, in dem Museum nun wieder „schöne Motive“ zeichnen zu können, zumal in den Städten immer noch nur wenige Menschen auf den Straßen seien und die sich bietenden Szenen damit aus ihrer Sicht wenig attraktiv sind.

Fünf begehbare Attraktionen

Gegen 9.15 Uhr ist in der Raumfahrthalle neben Reinigungskräften noch keine Menschenseele anzutreffen. Die sowjetische Raumfähre Buran kann somit ohne Wartezeit und Eile inspiziert werden. Der für 25 Flüge in der Atmosphäre gestartete Space-Shuttle-Prototyp ist seit 2008 in dem Museum und zählt zu den fünf derzeit begehbaren Hauptattraktionen – mit dem Jumbo-Jet (Boeing 747-230; seit 2003 ausgestellt), dem Propellerflugzeug Antonov An-22 (seit 2000), dem Seenotkreuzer John T. Essberger (seit 2011) und dem 460 Tonnen schweren und damit gewichtigsten Exponat, dem Unterseeboot U-9 (seit 1993).

Gegen 10 Uhr kommen Museumspräsident Hermann Layher und Geschäftsführer Matthias Templin aus Sinsheim vor der Raumfahrthalle an. Layher unterstreicht seine große Erleichterung aufgrund der Wiedereröffnung: „Wir als Verein sind auf unsere Einnahmen angewiesen. Wir leben ohne staatliche Unterstützung. Wie freuen uns riesig, dass es wieder losgeht. Es ist unglaublich wie einem das Museum und wie einem die Besucher fehlen“, sagt er der RHEINPFALZ.

Wie eine Befreiung

Der Brazzeltag fiel wegen der Corona-Verordnung am Wochenende aus. „Deshalb haben wir ein Brazzeltag-Video gedreht, das schon 10.000 mal angeklickt wurde. Wir sind traurig, dass wir die Maßnahmen durchziehen müssen, aber froh, dass es mit der Seuche nicht noch schlimmer wurde“, fügt er hinzu.

Die als Befreiung empfundene Wiederöffnung wird kurz nach 10 Uhr am Eingang der Raumfahrthalle durch das Durchtrennen eine dicke Eisenkette mit einem Brennschneider symbolisiert. Als Werkstattmitarbeiter Robert Selmanaj die „Corona-Kette“ zerlegt hat, jubeln Layher, Templin und Hemmer. Die inzwischen langsam aber kontinuierlich wachsende Besucherzahl hellt die Stimmung der Museumsleitung zusätzlich auf.

Neuer Ausstellungsbereich

Ob es die zahlreichen Väter oder die eine oder andere Mutter mit ihren Sprösslingen sind – sie alle haben rechts vom Eingang der Raumfahrthalle einen größeren abgesperrten Bereich entdecken können. Doch nicht Corona ist der Grund für die Abtrennung. Hinter dem rot-weißen Band wird ein neuer Ausstellungsbereich für den österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner (51) aufgebaut.

Außer einem haushohen Banner an der Wand und einer circa 100 Quadratmeter umfassenden Fläche auf dem Boden, auf der eine Wüstenlandschaft nachgebildet werden soll, sind bereits zwei Exponate zu sehen: ein Carbon-Flügel von dem Typ, mit dem Baumgartner 2003 im Gleitflug den Ärmelkanal überquerte, und der originale Wohnwagen, in dem er vor seinem Stratosphärensprung 2012 in der Wüste New Mexicos (USA) einige Tage und Nächte wohnte. „Der neue Ausstellungsbereich soll im Lauf des Jahres fertig werden“, teilt dazu Museumssprecherin Carmen Werre mit.

 Robert Selmanaj von der Museumswerkstatt, Museumsgeschäftsführer Matthias Templin, Museumspräsident Hermann Layher und Verwaltu
Robert Selmanaj von der Museumswerkstatt, Museumsgeschäftsführer Matthias Templin, Museumspräsident Hermann Layher und Verwaltungsleiter Andreas Hemmer beim Brennschneiden einer Kette vor dem Eingang zur Raumfahrthalle – ein symbolischer Akt (von links).
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Ein erster Blick: An dem neuen Ausstellungsbereich für Extremsportler Felix Baumgartner wird gearbeitet.
Das S bei der Leuchtschrift (hinten) ist wieder intakt.
Das S bei der Leuchtschrift (hinten) ist wieder intakt.
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