Speyer Das ruhigste Volk darf Wettfliegen
Hochbetrieb hat gestern rund um den Lehrbienenstand des Imkervereins Speyer zwischen Dudenhofen und Hanhofen geherrscht: Nicht nur die Honigproduzentinnen flogen – zumindest während sonniger Phasen – in großer Anzahl aus, auch die Besucher des Imkerfests strömten geradezu auf das Vereinsgelände südlich der Bundesstraße 39.
20 bis 30 Meter Luftlinie entfernt vom eigentlichen Festgelände mit Informationsständen, Imkereiprodukten wie Honig und Wachskerzen, Essen- und Getränkeverkauf sammelten sich immer wieder etwa Gäste an einem großen braunen Holzkasten. Neben dem Zuhause eines Bienenvolks von Imker Andreas Steyer markierten Eckhard Kruse, Obmann für Bienenzucht, sowie die Jungimker Mattis Steyer und Louis Störtz mehrfach jeweils zehn der Insekten für das Bienenwettfliegen. „Ich habe mein ruhigstes Volk ausgesucht“, sagte Andreas Steyer. Die schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Bienen hatte er bis vor einer Woche in Römerberg stehen. „Sie müssen mehr als fünf Kilometer verstellt werden, ansonsten fliegen sie zum ursprünglichen Standort zurück“, weiß der Imker. Sein Sohn Mattis hat die in einem kleinen Kästchen sitzenden zehn Teilnehmerinnen dann etwa 100 Meter entfernt ausgesetzt, das heißt das „Türchen“ des Behälters geöffnet. Die ersten Rückkehrerinnen ließen zirka eine halbe Stunde auf sich warten. „Vergangenes Jahr waren die Schnellsten schon nach fünf Minuten zurück“, erinnerte sich Louis Störtz. Eckhard Kruse glaubt, dass es für die Bienen einfach ein wenig zu kühl war am gestrigen Sonntag bei 16 Grad im Schatten. Wahrscheinlich haben sie sich diesmal zunächst im Sonnenlicht auf „Betriebstemperatur“ gebracht, bevor sie mit ihren zuvor schon gesammelten Pollen zum Stock zurückkehrten, vermutete er. Kurz vor 13 Uhr war es soweit: Die Biene mit der Nummer 91 wurde am Einflugloch gesichtet. Die Mutter von Clara Storm hat auf diese Teilnehmerin gesetzt. Als Preis bekam ihre kleine Tochter ein Glas mit Honig aus dem Kreis der Vereinsimker. Gleich darauf fingen Kruse und die beiden Jungimker zurückkehrende Bienen ein, markierten sie mit winzigen nummerierten Farbplättchen, die sie mit Holzleim auf dem Rücken geklebt bekamen, und starteten dann einen zweiten Durchgang. Erstmals war der Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen um Vorsitzende Christiane Brell beim Imkerfest mit einem Info-Stand zu Wildbienen und -hummeln vertreten. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft – etwa durch Gifteinsatz, wie Imkervereinsvorsitzender Harald Hoffmann sagte, – seien die Blütenbestäuber ebenso wie die Honigbiene gefährdet. Hoffmann informierte darüber, dass sein Verein nächstes Jahr mit mehreren Partnern das „Speyerer Wildbienennetzwerk“ ins Leben rufen werde.