Speyer
Das macht ein Hafenmeister am Rhein
Das erste Kreuzfahrtschiff der Saison liegt Ende Januar im Speyerer Hafen. Eingewiesen wurde es vom Hafenmeister der Domstadt, Fatih Sanli. „Das Schiff, das heute hier liegt, legt erstmals in Speyer an“, sagt Sanli. Bei einer solchen Premiere ist es dann am Hafenmeister, die Besatzung mit den Regeln im Speyerer Neuen Rheinhafen vertraut zu machen. „Dabei geht es um die grundsätzlichen Verhaltensregeln, wie das Schiff festzumachen hat.“ In Speyer sei das Abstellen der Motoren und die Nutzung des Stromanschlusses an Land Pflicht.
So richtig gehe der Kreuzfahrtbetrieb aber erst Ende Februar los. Sanlis Arbeitgeber, die Stadtwerke Speyer, verantwortet zwei der Kreuzfahrtanleger. Am Fahnenmast an der Rheinpromenade können Schiffe mit einer Länge von bis zu 110 Meter anlegen. Am Anleger vor dem Ölhafen können sie sogar bis zu 130 Meter lang sein.
Bei elf Schiffen ist es voll
Im Ölhafen selbst ankern Tankschiffe oder werden an Verladestationen be- oder entladen. „Im Durchschnitt drei bis fünf Schiffe pro Tag“, sagt Sanli, kommen im Hafen an. Eine genaue Anzahl sei jedoch schwierig zu beziffern. „Das hängt auch damit zusammen, wie die Wirtschaft läuft.“ Neuankömmlinge im Hafen kündigen sich erst nach dem Anlegen bei Sanli an. Eventuelle Reservierungen für andere Schiffe gebe es an den Anlegern nicht. „Jedes Tankschiff kann sich dort hinlegen“, berichtet Sanli. Elf Schiffe habe er einmal im Hafen gezählt. „Mit den Verladestationen zusammen“, sagt der 41-Jährige. „Dann ist der Hafen aber auch voll.“ Während einer Sperre auf dem Fluss, bei der viele Schiffe den Hafen in der Domstadt anliefen, habe Sanli eine Mitteilung versenden müssen, dass Speyer keine weiteren Schiffe aufnehmen könne.
Bei Sperrungen auf dem Rhein sei Speyer ein gefragtes Anlaufziel für Tankschiffe. „Hier kann die Besatzung mit dem Rad einkaufen fahren“, vermutet Sanli einen Grund dafür. In den beiden benachbarten Häfen, Ludwigshafen und Karlsruhe, sei das nicht ohne Weiteres möglich. In Ludwigshafen befinde sich der Hafen im BASF-Gebiet. Daher müssten die Mannschaften erst die zahlreichen Tore passieren, um in die Stadt zu gelangen. In Karlsruhe sei der Hafen einfach zu weit von der Innenstadt entfernt.
Tanker kennen sich aus
Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen würden die Tanker keine Einweisung in den Hafen benötigen. „Die kennen sich aus“, sagt der Hafenmeister. „99 Prozent wissen, wie sie sich zu verhalten haben.“ Doch auch hier gebe es schwarze Schafe. Übliche Vergehen seien Farbarbeiten am Schiff oder Schiffswäschen. „Ich weise dann darauf hin, dass das im Hafen nicht erlaubt ist“, sagt Sanli, der auch für das parallel zu den Ankerplätzen verlaufende Industriegleis verantwortlich ist.
Einen festen Arbeitsablauf hat er als Hafenmeister nicht. „Eine Routine ist die Kontrolle, die ich jeden Morgen durchführe“, erzählt Sanli. „Je nachdem, was im Hafen passiert oder wie das Wetter an dem Tag mitspielt, gestaltet sich die Arbeit für den Tag.“ Bei seinem morgendlichen Rundgang erkenne er, ob in der Nacht im Hafen etwas passiert ist. Ein Klassiker sei Treibholz, das in das Hafenbecken gelange und den gewohnten Betriebsablauf störe. Der Hafenmeister kümmert sich dann darum, dass das Treibgut entfernt wird.
Ab 8,50 Meter ist die Schranke zu
Eine der wichtigsten Grundlagen für Sanlis Arbeit sei der Rhein selbst. „Dort findet der meiste Güterverkehr statt“, sagt der eigentlich aus dem Speditionsgewerbe kommende Hafenmeister. „Der Hafen ist davon eben abhängig.“ Auch der Pegelstand auf Deutschlands längstem Fluss ist für den Wachtmeister von Speyers Rheinhafen interessant. So müsse er bei Hochwasser gewährleisten, dass die Feuerwehr an der Rampe neben dem Hafenbüro Boote zu Wasser lassen kann. Nur bis zu einem Pegelstand von 8,50 Meter könne die Schranke an der sogenannten Slipanlage geöffnet werden. Bei Niedrigwasser auf dem Rhein kämen Schiffe in den Hafen und gingen vor Anker. „Wir sind ein Schutzhafen und müssen den Mannschaften gewährleisten können, an Land zu gehen“, sagt Sanli.
Auch wenn sein Büro direkt an der Einfahrt zu den Ankerplätzen und somit direkt am Rhein liegt, hat bislang noch kein Hochwasser verhindert, dass Sanli seiner Arbeit nachgeht. „Dafür liegt das Gebäude dann doch zu hoch“, berichtet der Hafenmeister. „Da müsste ein Hochwasser von neun Metern kommen, um das Büro zu erreichen.“ Nur einmal sei es knapp gewesen, da stand das Wasser bis zu einem Baum, der unmittelbar vor dem Eingang in das Häuschen wächst. Bedenken habe Sanli aber auch da nicht gehabt. „Wir wissen ja vorab, wie sich der Pegel entwickelt“, verrät er. Aus den Messungen in Maxau wisse er, wie hoch das Wasser am nächsten Tag in Speyer steht.
Im Netz
Wer sehen will, wie Fatih Sanlis Arbeitsalltag aussieht, kann diesen OR-Code einfach mit der Kamera seines Smartphones scannen.