Speyer Das Kreuz zeigt wieder den Weg

Soviel Leute sind in Dudenhofen schon ewig nicht mehr auf einem Platz zusammengekommen wie gestern Nachmittag zum Richtfest des Kirchturms. Obwohl der hinter den Sicherungsnetzen nicht zu sehen war. Aber das Kreuz mit dem goldenen Wetterhahn lag zur Segnung und zur Anbringung auf der Turmspitze gut sichtbar vor dem Eingangsportal. Hält der neue Turm so lange wie der alte, wird sich das Schauspiel frühestens in 300 Jahren wiederholen.
Als Pfarrer Josef Metzinger 2011 in die Pfarrei kam, wiesen Hahn und Uhr noch die Richtung. Nicht mehr lange. Eine von ihm oft gehörte Klage: „Eine Kirche ohne Turm geht doch nicht.“ Dudenhofen war verwaist, hatte keinen Ortsmittelpunkt. Das Pastoralteam hielt Gottesdienst „in einer Ruine“. Ein – damals – nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag an den Pfarrer: „Reißen Sie doch gleich alles ab.“ Was Metzinger einigen Verdruss erspart hätte: „Zwischenzeitlich dachte ich, wir kriegen das nicht gebacken.“ Im Dorf ein Raunen: „Es fehlt was.“ Nicht bloß der Kirchturm. Metzinger verbindet mit ihm das Symbol: „Man sieht, dass wir da sind.“ Und: „Dass Gott da ist.“ Ein zweites Metzinger-Bild für die nach oben weisende Spitze: „Wir haben ein Profil. Dennoch ist es nur ein Gebäude.“ Der Pfarrer sagte bei der Segnung gestern: „Das äußere Profil nutzt nichts, wenn die, die sich darunter versammeln, kein eigenes Profil haben.“ Er glaubt: „Die Menschen der sechs Pfarrgemeinden sind überzeugte Christen.“ Zumindest bemühten sie sich. Wie er selbst. Ein letzter Gedanke zum Turm: „Er zeigt, was wirklich existiert – Glaube, Liebe, Hoffnung.“ Metzinger deutete auch das Kreuz auf dem Turm: „Es steht für das ewige Leben und die Last des Alltags.“ Jede Familie trage ein Kreuz, manchmal ein leichteres, manchmal ein schwereres. Gott ist für Metzinger die Hoffnung: „Nähmen wir nur die Fakten zur Kenntnis, gäbe es keine Hoffnung.“ Übrigens war 1967 Gerhard Klein daran beteiligt, das Kreuz unter dem Hahn anzubringen. Klein erinnert sich: „Wenn die Glocken läuteten, schwankte der Gockel. Deshalb musste der Ständer um einen Meter gekürzt werden.“ „Bauherr“ Edgar Vögeli, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates, referierte in Stichworten die Fakten der Kirchensanierung: Den Renovierungsbedarf bereits im letzten Jahrhundert dem Bischof vorgetragen, 2002 Aufnahme des Projekts in die Förderliste der Diözese, 2011 Bewilligung, 2012 erste Gespräche. Veranschlagte Kosten zum ersten Bauabschnitt (Baustellen-Einrichtung, Dachdecker, Klempner, Gipser, Steinmetz) 319.000 Euro (rund 100.000 vom Dudenhofener Kirchenbauverein zu tragen), zweiter Abschnitt (Turm, Dachboden) 730.000 Euro (325.000 Kirchenstiftung). Dann kam die Überraschung: „Der Turm war so marode, dass er komplett neu gezimmert werden musste.“ Die Heizung (238.000 Euro) sei auch fast fertig. Fehlten auf dem aktuellen Konto der Kirchstiftung 72.000 Euro, die Vögeli über Spenden einzunehmen hofft. 2015, zur Primiz von Alexander Klein, soll St. Gangolf runderneuert, „ein Haus voll Glorie“ sein. Gisela Dengler vom Pfarrgemeinderat ist „froh, wieder eine Heimat zu haben“. Die Ankündigung, mit dem Aufzug auf den Kirchturm fahren zu können, um den Glockenturm und das Dach von oben zu besichtigen, musste Metzinger aus dem Richtfest-Programm streichen: „Wir bekamen die Antwort, der Aufzug entspreche nicht den Vorgaben für den öffentlichen Personentransport.“ Apropos: Während der Feier und danach zu Essen und Trinken rollte der Autoverkehr weiter durch die Neustadter Straße. Bescheid der zuständigen Verkehrsbehörde: „Eine Sperrung ist nicht möglich.“