Speyer „Das Klavier ist mein intimster Partner“

Mit der Chorfantasie und der C-Dur-Messe von Ludwig van Beethoven sowie Auszügen aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ gastiert die Konzertreihe „Palatina Klassik“ am Freitag, 23. Oktober, 19 Uhr, im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Dirigent Leo Krämer hat zu Chor und Vokalsolisten das Orchester des Staatlichen Konservatoriums im russischen Kasan und den Pianisten Robert Leonardy eingeladen. Unsere Mitarbeiterin Anne Orschiedt hat vorab mit Leonardy gesprochen.
Die Zusammenarbeit mit Russland ist für mich sowohl politisch als auch kulturell lebensnotwendig. Die russische Kultur hat mit Europa wahnsinnig viel zu tun. Es gibt nicht nur Putin, sondern auch Puschkin. Es ist nötig, kulturell diesen Kontakt zu halten, zu verbessern und sogar zu erweitern. Was musikalisch in Russland passiert, flößt mir ungeheuren Respekt ein. Die Musiksäle dort sind voll von jungen Menschen, gegenteilig zu dem, was wir hier verzeichnen. Viele denken, Rock, Pop und Hip Hop seien die Folgen der klassischen Musik. Doch das ist Volksmusik. Die Kunstmusik wird hierzulande viel weniger gepflegt. Ich finde aber, dass man beides haben und pflegen muss und die Vielgestalt der klassischen Musik hier in Deutschland fördern sollte. Mit Leo Krämer haben Sie schon öfter zusammen musiziert, auch hier in Speyer. Seit wann kennen Sie sich? Wir haben beide in Saarbrücken studiert und uns damals gegenseitig die internationalen Preise weggeschnappt. Es war aber eine schöne und erfolgreiche Zeit. Da wir aber verschiedene Instrumente spielen, Krämer Orgel und ich Klavier, kamen wir uns nie wirklich in die Quere. Sie sind Spezialist für Musik des 19. Jahrhunderts. Was bedeutet für Sie der letzte Komponist der Wiener Klassik, Ludwig van Beethoven? Beethoven ist für mich ein Meister der Form. Auch in musikalischen Fantasien, die formell eher frei gestaltet sind, hat er immer die Form gewahrt, während die Romantiker nach ihm das etwas ausufern ließen und das Gefühl mehr vorherrschte. Bei Beethoven ist es Disziplin plus Gefühl. Diese Spannung zwischen Disziplin und Kreativität reizt mich sehr. Gerade die Chorfantasie ist die Form betreffend interessant. Diese ist quasi eine Vorstufe zur neunten Symphonie und zeigt, dass Beethoven musikalisch sehr modern und frei agiert hat. Es ist eine ganz interessante Komposition, da sie von der Form her fast aufgelöst ist. Das Klavier beginnt mit einer überbordenden Fantasie, in die sich das Orchester langsam hineinwindet, alles steigert sich immer mehr. Durch das Einsetzen des Chores kommt es zum krönenden Abschluss. Gab es für Sie ein ähnliches Erlebnis wie für Richard Wagner, der mit 16 Jahren Beethovens Oper „Fidelio“ hörte und daraufhin wusste, dass er Musiker werden möchte? Ja, ich hatte den Film „Der Weg zum Ruhm“ mit Roberto Benzi gesehen, wo er Beethovens fünftes Klavierkonzert dirigierte. Als ich das sah, war mir klar, dass ich Pianist werden muss. Das war ungefähr mit zwölf Jahren. Ich hatte erst mit zehn angefangen, Klavier zu spielen, also relativ spät. Davor war ich ein sehr guter Fußballspieler, aber das hat mir eigentlich nicht geschadet, da sind meine Hände ja nicht belastet worden. Mit über 70 Jahren bin ich nun immer noch sehr aktiv und mit dem Klavier verbunden. Das ist mein intimster Partner. Zwei Tage vor dem Konzert in Speyer treten Sie noch in der Berliner Philharmonie auf. Wie tanken Sie zwischen Konzerten Energie? Die Musik gibt mir die Energie. Das Üben habe ich nie als Arbeit empfunden, sondern immer als interessante Auseinandersetzung. Heutzutage muss ich ja nicht mehr so viel üben, sondern muss nur noch die Finger im Training halten. Was man mit den Fingern macht, ist eine Art Hochleistungssport. Mit 75 Jahren muss das noch genauso gehen wie mit 25. Ihre Tochter ist Sopranistin, ihr Sohn Organist: Haben Sie es Ihren Kindern leicht gemacht mit der Berufswahl? Ich habe immer gesagt, sie können alles machen, außer Musik. Meine Tochter war sehr gut in Mathematik und Chemie, und ich riet ihr, sie solle doch etwas Naturwissenschaftliches machen, irgendetwas Intelligentes. Wir sind alle so gefühlsbetont. Und zum Schluss kam sie mit Violine und Gesang. Da konnte man nichts machen. Mein Sohn ging als Kind schon jeden Sonntag in die Kirche und ist von einer Orgel zur anderen gewandert. Wir konnten es einfach nicht vermeiden. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice unter der Telefonnummer 0631 37016618. (oxa)