Speyer „Das ist wie Zauberei“

Unter dem Titel „Amazing Shadows“ gastiert das amerikanische Ensemble „Catapult Entertainment“ am morgigen Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Speyerer Stadthalle – mit einem „Tanz- und Akrobatikspektakel für die ganze Familie“. Olivia Kaiser hat vorab mit der Tänzerin Suzzanne Ponomarenko gesprochen.
Ich habe die Show zum ersten Mal in einem Videoclip gesehen und dachte: Das ist das Tollste, das ich je gesehen habe! Was mich als Tänzerin gleich begeistert hat, ist der Widerspruch zwischen dem, was das Publikum sieht, und dem, was Backstage passiert. Die Zuschauer sehen diese anmutigen, zauberhaften Bilder, doch hinter der Bühne laufen wir hektisch hin und her, werfen mit Requisiten und müssen absolut auf die Abläufe fokussiert sein. Es ist – von hinten gesehen – eine komplett andere Show. Wie lange sind Sie schon Teil des Ensembles? Seit fast zwei Jahren. Mit ihren Körpern formen die Tänzer teilweise im Sekundentakt Figuren. Wie entwickelt man daraus eine ganze Choreografie? Es ist unglaublich, wie man seinen Körper bewegen kann, wenn man die richtigen Techniken beherrscht und welche Figuren man mit mehreren Menschen gemeinsam darstellen kann. Das ist fast ein bisschen wie Zauberei. Die Choreografie einer Show wird um die Geschichte entwickelt, die wir erzählen möchten. Wir experimentieren im Tanzstudio, bis wir die Bilder gefunden haben, die unsere Handlung unterstreichen und die vom Publikum verstanden werden. Dann arbeiten wir an den feinen Details, beispielsweise wie wir uns genau zu einer Figur zusammenfinden und wieder auseinanderdriften. Die Choreografie entsteht in einem gemeinschaftlichen Prozess. Welche Geschichte erzählt die Crew von „Amazing Shadows“ in Speyer? Diesmal besteht das Stück aus acht verschiedenen kleinen Geschichten: Im Mittelpunkt stehen zum Beispiel eine Mutter, die um die Welt reist, ein kleines Mädchen, das den Mut findet, für sich selbst einzustehen, und eine neugierige Hausfrau. Was ist Ihre Aufgabe im Ensemble? Ich bin Probenleiterin, tanze aber auch in der Show mit. Ich habe die Choreografie den anderen Tänzern beigebracht und bin nun dafür verantwortlich, sie immer wieder zu verbessern und zu präzisieren. Wir sind stolz auf den Erfolg der Show und wollen natürlich immer eine so perfekt wie mögliche Aufführung bieten. Ist eine Show dieser Art eine spezielle Herausforderung für die Tänzer? Zuerst einmal muss man sich als Tänzer daran gewöhnen, dass man ein Schatten ist und dass kein direkter Kontakt zu den Zuschauern besteht, weil wir uns hinter einer Leinwand befinden. Wir müssen sehr präzise bei den Abläufen sein, nicht nur was die Körperlichkeit angeht, sondern auch in Sachen Requisiten, die für mache Figuren benötigt werden. Und es gibt Tänzer, die haben bis zu zehn verschiedene Requisiten. Man muss sehr lange üben, um die nötige Präzision und Anmut zu erlangen. Momentan touren Sie durch Deutschland. Wie sieht Ihr Tagesablauf während der Tournee aus? Morgens frühstücken wir erst einmal im Hotel, dann geht es weiter in die nächste Stadt. Meistens sind das zwei bis drei Stunden Fahrt. Wir checken ins neue Hotel ein und haben ein oder zwei Stunden Zeit, um uns auszuruhen, bevor wir zum Veranstaltungsort gefahren werden. Dort kommen wir drei Stunden vor Showbeginn an und bereiten uns vor. Nach der Show gibt es Abendessen und dann geht es zurück zum Hotel und ins Bett. Ist das nicht sehr anstrengend? Ja, das kann man wohl sagen. Vor allem, als wir in Europa ankamen und uns erst einmal an die Zeitverschiebung gewöhnen mussten. Ich ernähre mich gesund und trainiere regelmäßig, aber ich lege auch immer wieder Ruhepausen über den Tag verteilt ein, um mich nicht zu überanstrengen. Als Tänzer hat man ein gutes Gefühl dafür, was der Körper braucht, damit man seine Bestleistung abrufen kann. Aber Sie haben doch auch mal einen Tag frei, oder? Klar. Was wir dann machen, hängt von der Stadt ab, in der wir gerade sind. Wir waren bereits in Prag, Amsterdam und Salzburg; nach Deutschland treten wir in der Schweiz auf. An freien Tagen erkunden wir meistens den Ort oder die Umgebung. Wenn große Städte in der Nähe sind, fahren wir auch mal dorthin und schauen sie uns an. Aber manchmal bin ich auch so müde, dass ich an einem freien Tag einfach im Hotel bleibe und mir einen Film ansehe.