Speyer „Das Gegenteil von kommerziell“
„Der besondere Weihnachtsmarkt im Winterwald“ – diese Ankündigung war auch am Sonntag mehr Hoffnung denn Versprechen. Hat es in 19 Jahren Waldbasar in Dudenhofen überhaupt schon mal geschneit? Macht nichts. Die Anziehungskraft war trotz Frühlingstemperaturen ungebrochen. 80 Anbieter hatten ihre Stände und Zelte mit Kunsthandwerklichem und Kulinarischem bestückt, Tannen-, Glühwein-, Suppen- und Bratwurstduft strömte durch die Besucherschar.
Unter den 16 Ausstellern sind noch zwei, drei Teilnehmer der Premiere dabei. Wie Peter Eberhard, der den Waldbasar ins Leben gerufen hat. Damals war er Förster, gestern eröffnete er ihn als Bürgermeister. Er hätte sich die Idee als Copyright schützen lassen sollen, denn inzwischen gibt es einige Nachahmer. Das Original in Dudenhofen entwickelte er aus dem Verkauf von Tannenbäumen heraus. Bei allen Neuerungen, Erweiterungen im Lauf der Jahre gilt noch immer das Motto „Selbstgemachtes aus Naturmaterialien.“ Im Idealfall sollte jeder Artikel ein Unikat sein. Die Frage, was angesichts von Weihnachtsmärkten an bald jeder Ecke den Reiz des Dudenhofeners mit zumeist matschigen Wegen, Gedränge, Anstehen ausmacht, erübrigt sich. Es ist das mit keinem Stadt- oder Dorfplatz vergleichbare Ambiente und das große Sortiment: Neben Weihnachtsbäumen gibt’s Gestricktes, Gebasteltes, Puppen, Taschen, Filzschlappen, Hochprozentiges, Süßes, Kleidsames, Essenzen für Küche und Bad, Schmückendes für Körper, Wohnung, Baum und Krippe sowie alles mögliche aus Holz. Bruno Blank aus Heiligenstein war bereits dabei, als der Basar noch gar keiner war. Er erinnert sich: „Zwölf bis 15 Stände rechts an der Iggelheimer Straße, die im Nu zugeparkt wurde.“ Die Zahl der Besucher schätzt er auf 4000 bis 5000. „Egal wie das Wetter ist.“ Er hat sich eine Werkstatt eingerichtet, drechselt Schüsseln, Schalen, Kugeln, Mörser, Teelichter, Kerzen, Vögel aus heimischen Hölzern. Filigrane Schwibbögen, Figuren aus Baumpilzen, Treibholz bei Pietro Rossi aus Otterstadt, Holzsachen am Stand der Sielmann-Ranger, Laubsägearbeiten von Jürgen und Birgit Bader, die nur in Dudenhofen verkaufen. „Kleinteile“ wie Eulen, Sterne, Herzen, Schutzengel und Handschmeichler gibt’s beim Westheimer Jürgen Stiefel. Für ihn ist es der beste, schönste Weihnachtsmarkt. Ein breites Spektrum bietet die Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt, alles von den Bewohnern hergestellt: Nikoläuse, bemalt von der Gruppe „mol-e-mol“, Vogelhäuschen, Woll-, Ton-, Bastel-Geschenke. In der Nachbarschaft die evangelische Kirchengemeinde mit Holzartikeln aus dem Olivenbaum, gefertigt in Bethlehem von Menschen mit Behinderung. Daneben Baumanhänger und „Holzwürmer“ der Förderschule Speyer. Mit der Motorsäge arbeiten Bernd Messemer (Wörth) und Heike Röhrig (Iggelheim). Messemer bevorzugt Eiche und Tiermotive. Die mitgebrachte Holzbank wollte er für einen guten Zweck versteigern. Er ist das erste Mal beim Weihnachtswaldbasar. „Ich hab’s endlich geschafft, mich rechtzeitig anzumelden.“ Das zweite Mal nimmt Röhrig teil, begeistert von der Atmosphäre: „Das Gegenteil von kommerziell wie anderswo.“ Die Kunstlehrerin sägt aus Stammholz vornehmlich Skulpturen und hatte exklusiv für Dudenhofen die Sterne vom Himmel geholt.