Speyer Das Ballgefühl der Flüchtlinge

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Salman hat noch nie zuvor in seinem Leben Tischtennis gespielt. Fußball ist der einzige Sport, dem der Mann aus Somalia in seiner Heimat nachgegangen ist. Umso mehr spricht der Stolz aus den Worten des 28-Jährigen, wenn er von den Fortschritten erzählt, die er an der Platte und mit dem kleinen Schläger in der Hand gemacht hat. Zu verdanken hat er das dem ASV Harthausen.

Salman ist einer von durchschnittlich acht Spielern im Alter zwischen 18 und Ende 20, die seit einiger Zeit regelmäßig jeden Freitag in die Heilsbruckhalle kommen. Oder wahlweise gebracht werden, wenn der innere Schweinehund erst von der ehrenamtlichen Helferin Annerose Hesser wachgerüttelt werden muss. „Sie müssen immer wieder neu angestoßen werden – aber wenn sie einmal in der Halle sind, geht es“, lautet die Erfahrung Hessers. Sie ist froh, dass die Tischtennisabteilung des ASV es möglich gemacht hat, etwas Abwechslung und Bewegung in den tristen Alltag der Asylbewerber zu bringen. Die jungen Männer stammen aus Eritrea, Afghanistan, Tschetschenien, dem Kosovo oder – wie Salman – aus Somalia. „Das sind alles blutige Anfänger – sie freuen sich, wenn sie einen Ball treffen“, erzählt Claus Varlemann, der das lockere Training federführend leitet. Sein Sohn Thomas hatte ihn auf die Idee gebracht und durch den privaten Kontakt zu Annerose Hesser hat das Ganze Formen angenommen. Tische und Schläger stellt der Verein zur Verfügung. Viel geredet wird nicht im Training, auch nicht unter den Teilnehmern. Schwierig gestaltet sich das auch angesichts der unterschiedlichen Landessprachen und der sich erst im Aufbau befindlichen Deutsch-Kenntnisse. „Aber es klappt ganz gut“, zeigt sich Varlemann zufrieden. Er selbst nimmt ebenfalls gerne einen Schläger in die Hand. Beispielsweise, wenn er mit einem weiteren ehrenamtlichen Betreuer, Gerhard Flörchinger, spontan ein Doppel mit zwei Jungs austrägt. „In der ersten Stunde haben wir schon gemerkt, dass ein Ballgefühl da ist“, ist Varlemann angetan von den Fähigkeiten, die die Jungs entwickelt haben. Gleiches gilt für ihren Ehrgeiz: „Wenn die Aktivenspieler danach in die Halle kommen, würden sie am liebsten bleiben.“ „Mir gefällt das sehr gut“, sagt Salman und lacht. Schwierig sei der erste Einsatz an der Platte gewesen. „Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt“, verrät er. Selbst das Anschneiden der Bälle klappt bei den meisten schon bestens. Das Schuhwerk spielt dabei keine große Rolle, wie sich zeigt. Während Salman auf Sneaker setzt, probiert es Damir in Flipflops. Tesfay ist lieber barfuß unterwegs. Die Tricks und Kniffe Varlemanns haben sich die jungen Männer bereits abgeschaut. Nur feilen müssen sie noch daran. Hesser freut sich, dass das Angebot des ASV so gut angekommen wird. Es soll sogar noch einen Schritt weiter gehen: „Wir haben schon die Zusage, dass sie auch zur Leichtathletik gehen können.“ Salman wird dann aber nicht mehr dabei sein. In diesen Tagen fliegt er nach Finnland, in eine weitere neue Heimat. Salman freut sich dennoch, denn: „Dort wartet meine Frau auf mich.“ (xsm)

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