Speyer Crash, boom, bang

Was ist zu tun, wenn auf dem Flugplatz Speyer ein Passagierflugzeug notlandet und Feuer fängt? Dieses Szenario hat die Freiwillige Feuerwehr am Samstag mit einer Großübung geprobt. Ein Protokoll.
9.22 Uhr: Die Flugleitung alarmiert die Feuerwehr über die erwartete Notlandung eines Propellerflugzeugs mit vier Besatzungsmitgliedern und 29 Passagieren an Bord. Grund ist ein technisches Problem mit der Hydraulik. Sofort wird die Landebahn gesperrt, das neue Flugplatzlöschfahrzeug rückt zur Feuertaufe aus. „Es bietet sechs Personen Platz, kann aber von einer einzigen bedient werden“, verdeutlicht Roland Kern, Geschäftsführer der Flugplatz Speyer-Ludwigshafen GmbH, den Vorteil gegenüber dem Vorgängermodell. Das Auto dient nur zum ersten Löschangriff – bis die Feuerwehr eintrifft. Und die rückt mit einem Großaufgebot an. Im Nu ist das brennende Wrack von Hilfsgruppen-, Tank- und Katastrophenschutz-Löschfahrzeugen, Drehleitern und Abrollbehältern mit Spezialausrüstung umringt. Überall flackert Blaulicht. Brandbekämpfer verlegen Schläuche, gehen in Stellung. Um 9.36 Uhr schlägt die Maschine auf, fängt Feuer, bricht auseinander. Einige Fluggäste werden herausgeschleudert. Ein Teil der 54 Feuerwehrleute beginnt mit den Löscharbeiten, ihre Kollegen bahnen sich einen Weg in die Passagierkabine beziehungsweise eilen zu den danebenliegenden Menschen. Tragen werden herangeschafft, um die Verletzten zur improvisierten Sammelstelle zu bringen. Schnell stellt sich heraus, dass „nur“ 19 Personen gerettet werden müssen. Sie werden von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr und einigen Eltern überzeugend gemimt. „Hilfeeeee!!!! Holt uns hier raus!“, dringen ihre verzweifelten Rufe nach außen. Um 9.43 Uhr treffen Einheiten der Schnelleinsatzgruppe Sanität und Betreuung (SEG) ein. Zwei Minuten später sind die 16 Helfer unter Leitung von Lars Kormannshaus einsatzbereit. Die Geretteten werden jetzt in vier Kategorien eingeteilt – nach Schwere der Verletzung. „Eins wird sofort behandelt, zwei ist behandlungsfähig, drei reicht ein Heftpflaster, vier wird behandelt, wenn Zeit ist, da die Überlebenschancen minimal sind“, erläutert Stadtfeuerwehrinspekteur Michael Hopp. Dieses Vorgehen klinge hart, sei bei Katastrophen jedoch unerlässlich. „Das haben wir aus Ramstein gelernt“ sagt er. Gemeint ist das Flugschau-Unglück von 1988, bei dem 70 Menschen starben und rund 1000 verletzt wurden. Der Anblick der entsprechenden Verletzungen bleibt den Rettern heute erspart. Was sie im Ernstfall hätte erwarten können, steht auf Zetteln bei den Patienten: amputierte Beine, ein aufgeschlitzter Bauch mit herausgeschobenem Darm, ein von einem Flugzeugteil gepfählter Brustbereich, schwere Verbrennungen und so weiter. Um 9.45 ist der Brand gelöscht. Die Verletzten werden noch eine ganze Weile lang registriert, stabilisiert, für den Abtransport ins Krankenhaus vorbereitet. 10.40 Uhr. Die Übung ist vorbei. „Wir haben diesen Riesenaufwand betrieben, um mögliche Fehler zu erkennen und daraus zu lernen“, sagt Kern. Die grundsätzlichen Dinge hätten aber funktioniert. „Für ein gänzlich unbekanntes Szenario war das gut. Ich bin zufrieden“, erklärt Hopp. Lediglich die Aufstellung der Einsatzwagen und die Übergabe der Verletzten an die SEG seien noch nicht ganz optimal gewesen. Als Grundlage für die Übung hat die tatsächliche Notlandung einer De Havilland DHC-5D Buffalo bei der Farnborough Airshow/England 1984 gedient.