Speyer
Corona-Krise: Zukunft von Speyerer Flohmarkt am Güterbahnhof ungewiss
„Ich habe meinen Vertrag mit der Deutschen Bahn vorsorglich zum 30. Juni gekündigt“, berichtet Flohmarkt-Betreiber Ludwig Friedt auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Ihm sei es in diesen unsicheren Zeiten nicht möglich, monatlich 5000 Euro Miete für die Nutzung des Geländes zu bezahlen, erklärt er den Schritt nach 18 Jahren. „Keiner weiß, wie lange die Beschränkungen andauern und niemand, was danach wird.“ Gespräche mit zahlreichen langjährigen Anbietern hätten ergeben, dass die professionellen Händler die Krise finanziell eher nicht überstünden und die privaten, meist älteren Beschicker sich – je nach Dauer der Schließung – endgültig zurückziehen wollten.
Ohne jegliche Einnahme und mit seiner in den Vertrag eingeschlossenen Verkehrssicherungspflicht für das gesamte Gelände auch während der Schließzeit könne er den Traditionsmarkt nicht aufrechterhalten, ist Friedt überzeugt. Er hofft auf ein Einsehen seines Vertragspartners, den er als „wirklich kulant“ bezeichnet. Die Bahn habe ihm eine größere Baustelle in den Monaten April und Mai am Güterbahnhof angekündigt. In dieser Zeit könne er den Flohmarkt deshalb ohnehin nur reduziert betreiben. Derzeit führe er Gespräche über die Senkung künftiger Monatsmieten, berichtet Friedt von „konstruktiven Verhandlungen“ mit der Bahn. Demnach gebe es auch Überlegungen beim Vertragspartner, in der Krisenzeit ganz auf Miete zu verzichten.
Friedt möchte den seit rund 40 Jahren an der Burgstraße bestehenden Flohmarkt so lange wie möglich erhalten. Neben Speyer betreibt der 64-Jährige nach gleichem Konzept Märkte in Germersheim und Bruchsal. „Alle drei haben auch einen hohen sozialen Stellenwert“, betont er. Besonders der Speyerer Flohmarkt sei Treffpunkt und Begegnungsstätte für viele Senioren, Alleinstehende und junge Eltern. Zudem biete er privaten Anbietern die Möglichkeit, ein paar Euro zu verdienen und „unter die Leute zu kommen“.
An einen Betrieb wie vor Corona kann Friedt nicht so recht glauben. „Ich bin inzwischen pessimistisch“, sagt er. „Das freie, unbeschwerte Leben kehrt wahrscheinlich auch auf den Flohmarkt nicht zurück.“