Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel „Church in Colors“ in St. Gangolf

Oli Dums: Kopf und Sänger von „Church in Colors“.
Oli Dums: Kopf und Sänger von »Church in Colors«.

Von Orangetönen zur Polychromie: das Projekt „Church in Colors“ von Sänger Oli Dums gastierte mit Erfolg in der schon seit einiger Zeit total ausverkauften Pfarrkirche St. Gangolf in Dudenhofen.

Oli Dums ist Kopf und Sänger der Show namens „Church in Colors“. Bei Namen klingelte etwas. Richtig, vor knapp 20 Jahren hatte die Formation Orange 4 ein kurzes Engagement mit dem Speyerer Label Goodlife Records. Keyboarder Marcus von „Church in Colors“ könnte sogar derselbe sein wie damals bei den vier Orangen, die Geschichte mit dem Weidenkörbchen ließ jedenfalls auch einige Erinnerungssynapsen klingeln.

Oder es gibt vielleicht doch mehrere Elektroorganisten, die mutmaßlich mehrfach adoptiert und wieder ins Weidenkörbchen zurückverfrachtet wurden, bis sie an der Nordseeküste ankamen. Damals war bereits neben der Geschichte mit dem Körbchen schon ein Showkonzept namens „Church in Orange“ zu bewundern, bei dem Coversongs „unplugged“ in Kirchen präsentiert wurden. Sänger bei besagter Gruppe in Orange war Oli Dums. Das Konzept hat er in den vergangenen Jahren mit modernster Lichttechnik zu „Church in Colors“ weiterentwickelt und eine Band mit äußerst versierten Musikern um sich geschart.

Außergewöhnliche Atmosphäre

Technisch hat sich jedoch einiges getan. Mit LED-Floorspots kann man die Wände in verschiedene Farbstimmungen tauchen, bewegliche Strahler auf Stative zaubern animierte Farbschemata auf Decke und Wände und geben dem Gotteshaus in Dudenhofen eine außergewöhnliche Atmosphäre. Relativ neu und spektakulär sind die vier transparenten LED-Videowände, die zu den Songs passende, farblich brillante Animationen zeigen, aber dennoch den Blick auf den schönen Hochaltar und die Apsis nicht blockieren.

Zunächst rätselhaft blieben die etwas klobigen Plastikreife, die an jedem Platz in der restlos ausverkauften Kirche anstelle von Gesangbüchern zu finden waren. Nach etwa 30 Minuten fingen auch diese Armreife an, bunt zu leuchten und zu blinken. Das war vermutlich nicht ganz so geplant, die sollten wohl schon früher zum Einsatz kommen. Aber 500 Besucher, die mit erhobenen Händen im Takt mitklatschen, werden so Teil der Inszenierung, wenn 500 Handgelenke in verschiedensten Farben des Regenbogens leuchten. Soviel zur Technik, die eine Steckdose braucht. Die alleine füllt jedoch keine Kirche. Die Stimme von Oli Dums jedoch schon.

Fantastisch in Form

Und der Mann hat zwar mutmaßlich weniger blonde Haare als damals, dafür etwas mehr Bart, aber die Stimmbänder sind nach wie vor fantastisch in Form. Bei „Who wants to live forever“ muss kein Queen-Purist das Gesicht verzeihen. Ob Sinatras „My Way“ von Siebeldingen nach Albersweiler führte, ist fraglich, aber auch das meistert Dums. Ob „Leaving on a Jetplane“ von John Denver oder „Where the streets have no name“ von U2, die Songs sind genreübergreifend. Trotzdem kennt sie jeder und das macht den Charme des Programms aus. Denn es gibt durchaus Gründe, warum nicht mehr Coverbands in Kirchen auftauchen und das liegt an der besonderen Akustik der Gotteshäuser, in denen Orgeln und Vokalmusik aufgrund der langen Nachhallzeiten wunderbar funktionieren, basslastige Popmusik mit Schlagzeug den Tontechniker jedoch auch bei niedrigen Temperaturen ins Schwitzen bringt, weil der Drummer manchmal schon zu Hause beim Früchtetee sitzt, während das letzte Echo seines eigentlich taktgebenden Instrumentes noch durch das Kreuzrippengewölbe wabert.

Dums und Co. haben offenbar in den vergangenen 20 Jahren eine Lösung ausgetüftelt und die Show funktioniert, sowohl klanglich als auch stilistisch im Rahmen eines Sakralbaus.

Erlös geht an wohltätige Zwecke

Organisiert hat das Ganze Thomas Varlemann vom Tennisclub Dudenhofen in Zusammenarbeit mit der Pfarrei. Der Erlös geht an wohltätige Zwecke, namentlich die Glückswerkstatt, die soziale Projekte vor Ort fördert und – ein besonderes Anliegen des Pfarrers Jens Henning – an die Schwestern vom Orden St. Paul, die sich in Südafrika um die wachsende Zahl der AIDS-Waisen kümmern, wo Pfarrer Henning während eines Auslandsjahres seine Berufung fand.

Kleine überraschende Randnotiz: Sänger Dums machte zu Beginn eine kleine Fragerunde und es stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Besucher nicht aus Dudenhofen kam und zum ersten Mal bei „Church in Colors“ zu Gast war. Trotzdem war die Veranstaltung innerhalb von nur zehn Tagen restlos ausverkauft. Da ist offensichtlich ein Erfolgsrezept entstanden.

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