Speyer
Chemie aus Speyer für das Tierwohl
Speyer. Trine Huusfeldt ist eine Biochemikerin und Verfahrensingenieurin aus Dänemark, die 2014 aus privaten Gründen nach Deutschland gekommen ist. Längst ist sie hier auch als selbstständige Unternehmerin tätig. In Speyer führt sie schon länger den Nahrungsergänzungsmittel-Experten Mitomedical mit sechs Mitarbeitern. Aerem Technology saß seit 2018 im Regionalen Innovationszentrum Ludwigshafen (TZL), zieht derzeit aber auch in die Domstadt um.
In einer Halle in der Auestraße 19 hat Huusfeldt mehr Platz zur Verfügung, um nach der Entwicklungsphase ihres Produkts die nächsten Schritte zu gehen. Dazu gehört die Umbenennung des Unternehmens in „Agrivironment“ (Huusfeld: „Für die Internationalisierung“), die gerade läuft. Neben der Leiterin gebe es noch einen Vertriebschef in Dänemark. Wenn in einem größeren Maßstab produziert wird, werde ein weiterer Standort hinzukommen, kündigt sie an.
Nicht nur im Stall von Vorteil
Worum geht es? Agrivea soll Gas, Staub und Gerüche etwa in großen Stallanlagen binden. Vor allem Ammoniak- und Schwefelwasserstoff-Gase seien dabei das Problem, erklärt Huusfeldt. „Diese Gase stellen in vielen industriellen Bereichen sowie in der Tierzucht ein erhebliches Problem dar, da sie in höheren Konzentrationen als giftig eingestuft sind.“ Ihr patentiertes Produkt in Gel- oder Sprayform könne die Umweltbelastung aber zum Beispiel auch in Altersheimen, Krankenhäusern, Hotels, öffentlichen Toiletten und Deponien reduzieren. Die Gastronomie wie auch die fischverarbeitende Industrie seien weitere mögliche Einsatzbereiche bei der Geruchsneutralisation. „Seit 2014 habe ich in die Entwicklung viel Geld reingesteckt, jetzt bin ich soweit, loslegen zu können“, sagt Huusfeldt.
Kunden gebe es schon in Deutschland, Dänemark, Holland und Spanien. Huusfeldt rechnet mit einem deutlichen Ausbau. Sie sieht sich „fast konkurrenzlos, so etwas gibt es noch nicht auf dem Markt“. Staatliche Auflagen, um Ammoniak- und Schwefelwasserstoff-Belastungen zu reduzieren, seien das eine, (noch) freiwilliger Einsatz für das Tierwohl sei ein anderes Verkaufsargument, die neue CO2-Steuer ein drittes. Auch hier könne das neue Speyerer Produkt abhelfen. In den Ställen könne es mit einfachen Sprühsystemen verteilt werden. Tiere mit Lungenproblemen oder entzündeten Augen seien bisher in Ställen leider keine Seltenheit, berichtet sie.
An Forschungsprojekten beteiligt
„Wir sprechen hier über Tierwohl, das oft erst in zweiter oder dritter Reihe steht“, so Huusfeldt, die an mehreren Forschungsprojekten beteiligt ist, unter anderem mit der Universität Osnabrück. Wenn Nutztiere an ihren Fress- und Schlafstätten giftigem Ammoniak ausgesetzt seien, stresse sie das und sei auch ein Faktor dafür, dass sie auf Antibiotika angewiesen seien.
Das TZL in Ludwigshafen – Gesellschafter: Land und Stadt Ludwigshafen – verabschiedet das neue Speyerer Unternehmen mit Stolz: „Wir freuen uns über die erfolgreiche Entwicklung von Aerem Technology“, so Geschäftsführer Michael Hanf. Jetzt gebe es wieder freie Räume. Huusfeldt revanchiert sich und lobt „den Support und die gründerfreundliche Umgebung“ in Ludwigshafen. Ihr Bedarf an einer Lagerhalle mit Produktionsmöglichkeit hätten nun aber den Umzug nach Speyer erfordert.