Speyer
Cheftrainer vom Zirkus Bellissima: „Ich hab’ deutsches Brot vermisst“
Seit Januar ist der 26-jährige Zirkusartist aus Mannheim Trainingsleiter im Zirkus Bellissima in Speyer. Zum Zirkus gekommen sei er durch eine Freundin in der Schule, sagt Iason Ioannidis. Nach einigen Jahren im Mannheimer Zirkus Palletti bewarb sich der junge Artist an der École Nationale de Cirque (ÉNC), einer professionellen Zirkusschule in Montreal (Kanada), und wurde angenommen. Im Gegensatz zu seinen Zirkus-Erfahrungen in Deutschland habe er dort – neben der Professionalität und dem Training in einer anderen Sprache – eine ganz andere Intensität und Einstellung erlebt: „Nicht die Trainer haben uns motiviert, sondern die Motivation kam von innen. Die Trainer haben uns dann gepusht“, erinnert sich Ioannidis.
Während seines dreijährigen Aufenthalts (2020-2023) hat der gebürtige Mannheimer vor allem das deutsche Brot vermisst. „Das war ganz schrecklich“, äußert er humorvoll. Dass in Montreal Leitungswasser gechlort wird, daran musste er sich auch erst gewöhnen. Das in Deutschland übliche, ungechlorte Wasser habe ihm gefehlt.
Sehr gefragt beim Zirkus Bellissima
Im Jahr 2024 kehrte Ioannidis mit dem Diplom von der Zirkusschule und beruflicher Erfahrung zurück zum Zirkus Bellissima. Nachdem er erfuhr, dass Ioannidis im Land war, habe Bellissima-Vorstandschef Harald Luft ihn angefragt, ob er ein weiteres Mal als Trainer zum Kinder- und Jugendzirkus kommen und die geplante Novembershow mit auf die Beine stellen möchte. Es war bereits das zweite Mal, dass der Zirkus auf Ioannidis zugekommen ist. Schon im Jahr 2020, vor seinem Kanada-Aufenthalt, sei er angefragt worden, in dem Speyerer Zirkus in der Butenschönstraße sein Artisten-Wissen weiterzugeben: „Ich habe natürlich sofort ja gesagt, weil ich den Zirkus hier schon länger kenne“, teilt der Trainingsleiter mit. Der Kinder- und Jugendzirkus sei ihm über Familienfreunde bereits bekannt, seit er klein ist.
Heute steht er selbst als Cheftrainer des Zirkus in der Manege. Unterstützt durch neun Haupttrainer und zirka zehn Jugendtrainer – weitere seien in Ausbildung – betreut und coacht er nun die rund 350 Kinder und Jugendlichen des Zirkus Bellissima. Speyer sei für ihn ein besonderer Ort. Er habe Angehörige in Speyer, mit denen er großgeworden sei, und habe schon immer im Hinterkopf gehabt, dass er gerne langfristig zum Zirkus Bellissima möchte, sagt der Cheftrainer. Ihm gefällt an diesem Zirkus besonders die Vielfalt der Gruppen, von den jüngsten Artisten, den „Flöhen“, bis hin zu den Erfahrenen im Varieté.
Bedeutende Momente bisher und in Zukunft
Aus seiner bisherigen Zeit im Speyerer Zirkus sei ihm besonders die Novembershow im vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben, sagt Ioannidis. Auch in diesem Jahr freut sich der 26-Jährige auf diese Show im Herbst. Außerdem ist er gespannt auf das Zirkusfestival in Hückelhoven, das er gemeinsam mit Bellissimas Varieté-Gruppe im Oktober besuchen wird. Dort bestreitet die Gruppe einen Zirkus-Wettbewerb und tritt mit einer Nummer rund um einen großen Metall-Würfel auf.
Als Leiter hat Ioannidis viele organisatorische Aufgaben. Trotzdem möchte der 26-Jährige weiterhin selbst – so oft es möglich ist – als Artist in der Manege stehen. Das funktioniert auch ganz gut: Anfang des Monats sei er bei einem Firmenfest aufgetreten. Außerdem kreiere er momentan auch eine Show für internationale Festivals und sei im Gespräch mit einem Wintervarieté in der Region, sagt Ioannidis. Für den Zirkus Bellissima plane er in Zukunft – neben den Shows und dem Zirkusfestival im Oktober –, mehr Events und Auftrittsmöglichkeiten im Zelt einzurichten. Dabei sei man auf einem guten Weg und erhalte viel Unterstützung vom Vorsitzendem Harald Luft, berichtet der Zirkus-Cheftrainer. Langfristig möchte er außerdem gerne einen Austausch in die Wege leiten, eventuell mit dem Circus Harmony in St. Louis (Missouri, USA), bei dem Ioannidis selbst früher trainiert hat. Damit würde er auch Speyerer Artisten ermöglichen, die Zirkuswelt im Ausland kennenzulernen.